Leichter, bequemer – und aus Plastik: auch bei Schuhen kommt mittlerweile Kunststoff zum Einsatz. Foto: Edgar Layher/Edgar Layher

Der historische Verein Burgstetten zeigt, wie der Kunststoff den Alltag der Menschen erobert hat. Haushaltsgegenstände aus vergangenen Zeiten werden aktuellen Modellen gegenübergestellt. Die Sonderausstellung ist am 6. Januar von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Burgstetten - Sie sind leichter. Vielleicht auch bequemer. Ob sie schicker sind, das ist dagegen Ansichtssache. Zumindest gibt es sie mittlerweile in fast jeder Familie. Als Garten-, Bade- oder Hausschuhe sind die bunten Plastikschlappen kaum mehr wegzudenken. Daneben stehen ihre Vor-Vor-Vorgänger: handgefertigte Holzschuhe. Vielleicht etwas klobiger, aber ganz sicher unkaputtbar – und hergestellt aus einem natürlichen Rohstoff.

Das ungleiche Paar Schuhe ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen der historische Verein Burgstetten bei seiner aktuellen Sonderausstellung zeigen möchte, wie Nachhaltigkeit früher funktioniert hat – als sie noch alternativlos war.

Zu sehen ist die Schau in der Pfarr- und Zehntscheuer Erbstetten. Dort zeigt der Verein seit einigen Jahren, wie die Menschen im Ort früher lebten, wie sie arbeiteten, wie sie wohnten und spielten. Fast alle Gegenstände sind aus natürlichen Rohstoffen – aus Holz, Metall, Wolle, Leinen. „Wir wollten gerne darstellen, was heute aus Gegenständen geworden ist, die früher wiederverwertbar oder giftfrei zu entsorgen waren“, erläutert Jochen Elzmann, Schriftführer des historischen Vereins.

150 Paare machen den Plastik-Siegeszug deutlich

Insgesamt sind es 150 alt-neu-Paarungen, die die Ehrenamtlichen zusammengestellt haben. Das Ausmaß des Plastik-Siegezuges ist Jochen Elzmann bei der Konzeption der Ausstellung erst so richtig klar geworden: „Uns Leben ist von Kunststoff umgeben.“

In mehrerlei Hinsicht erstaunlich ist zum Beispiel die Entwicklung im Bereich des Musikkonsums. Ausgestellt wird ein Polyphon, das vermutlich aus der Zeit um 1900 stammt. Gekurbelt wurde von Hand, die Platten waren aus Metall. Auch die späteren Schellackplatten, die auf dem Grammophon abgespielt wurden, bestanden aus einem natürlicher Stoff – erst die Vinylplatten waren aus Kunststoff. Und heute? „Das Ende vom Lied ist der MP3-Player“, sagt Jochen Elzmann. Das winzige Gerät verschwindet fast vor den riesigen Abspielgeräten der Vergangenheit – und verursacht mutmaßlich trotzdem mehr Müll.

Nylonstrumpfhose kontra Wollstrümpfe

Allerdings wünscht man sich nicht in allen Bereichen die gute alte Zeit zurück – oft erleichtert das Material Kunststoff den Alltag im wahrsten Sinne des Wortes enorm. Das wird deutlich, wenn man sich die alten unhandlichen Waschtröge ansieht, die erste Motorsäge von Stihl – noch komplett aus Blech – oder das gusseiserne Waffeleisen. So eine Nylonstrumpfhose fühlt sich halt schon etwas angenehmer an als die kratzige Wollvariante. Und in den neuen Skistiefel dürften Knochen und Bänder doch etwas besser geschützt sein als in den schmalen Lederstiefelchen der ersten Skifahrer.

Anregungen für ein plastikfreieres Leben

In der Ausstellung kann man allerdings nicht nur über die Nachhaltigkeit der Vergangenheit staunen, sondern sich durchaus Anregungen für ein plastikfreieres Leben holen. Das gilt besonders für den Bereich Haushalt, um den es im ersten Stock der Pfarr- und Zehntscheuer geht. Die Plastikspülbürste lehnt dort neben dem Holzmodell mit Naturborsten, das Einmachglas steht neben der Plastikdose, die Milchkanne neben dem Tetrapack, die Cremedose neben der Plastiktube. Den Stehsammler fürs Büro gibt es nicht nur in Plastik, sondern auch aus Holz oder Pappe. „Der aus Pappe ist sogar viel günstiger“, sagt Elzmann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: