Postkarten erinnern an die Zeit, als im Hirsch in Buoch noch Kurgäste abstiegen. Foto: Frank Eppler

Fast wäre das Fachwerkhaus in Buoch, in dem Berühmtheiten einkehrten, in den 1980er Jahren abgebrochen worden. Der Heimatverein sorgte mit dafür, dass das Haus erhalten wurde – und betreibt darin ein Museum.

Was haben ein Postbote, ein Rechtsanwalt, ein Pfarrer, ein Obermedizinalrat und zwei Gastwirte gemeinsam? Ein Rundgang durch die neue Sonderausstellung im Museum Hirsch in Buoch liefert die Antwort: Alle waren Gründungsmitglieder des Verschönerungsvereins Buoch, der sich anno 1899 in dem Dorf hoch über dem Remstal bildete. Mit der Gründung dieses Vereins lag Buoch voll im Trend, sagt Christel Fezer, die heute mit Jonas von Stockhausen den Vereinsvorstand bildet. Die Verschönerungsvereine, die sich im 19. Jahrhundert landauf, landab gründeten, seien eine Reaktion auf die Industrialisierung und deren Auswirkungen gewesen.

 

In seiner 76. Sonderausstellung im Museum Hirsch beleuchtet der Verein, der inzwischen als Heimatverein Buoch fungiert, was seine Mitglieder in 125 Jahren bewirkt haben. Zum Beispiel, dass Buoch seit 1986 ein eigenes Museum in einem schmucken Fachwerkhaus aus dem Jahr 1784 hat. In den 1980er Jahren war das eigentlich denkmalgeschützte, in Privatbesitz befindliche Gebäude derart heruntergekommen und baufällig, dass es als abbruchreif galt. Den Abriss des geschichtsträchtigen Hauses, das zunächst als Forsthaus und danach bis 1960 als Gasthaus diente, wollten viele Buocher Bürger und der Verein jedoch nicht hinnehmen. Schließlich kaufte die Gemeinde Remshalden das Haus, um es zu renovieren – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Buocher fleißig mit anpackten. „Damals haben sich viele Bürger, Vereine und die Feuerwehr zusammengetan und ehrenamtlich mitgearbeitet“, sagt Christel Fezer.

Der Höhenkurort Buoch als Alternative zur Schweiz

Auf nach Buoch – im 19. Jahrhundert empfahlen Ärzte den Besuch im Luftkurort mit Weitblick. / Frank Eppler

In der Ausstellung erinnern Zeitungsartikel an diese Phase. Auch Geschirr aus dem einstigen Gasthaus Hirsch und viele Postkarten aus der Zeit, als Buoch ein Höhenkurort war, sind zu sehen. Im 19. Jahrhundert empfahlen Stuttgarter Ärzte Buoch wegen seiner „heilklimatischen Lage“ als Alternative zu Reisen in die Schweiz oder nach Südtirol. Betuchte, vornehme Stuttgarter Familien zog es dorthin in die Sommerfrische. Ihre villenartigen, entlang der Hangkante aufgereihten Sommerhäuser mit teils exotischen Namen erinnern bis heute an diese Zeit.

Die erste Sonderausstellung, die der Heimatverein 1986 im Museum aufbaute, widmete er dem Maler Karl Fuchs, der zeitweise in Buoch lebte und die Entwürfe für zwei Villen dort anfertigte. Fuchs hat die Ortschaft und deren Bewohner unzählige Male gemalt – gerne während er im Gasthaus Hirsch saß und ein Viertele trank. Die Ausstellung zeigt einige dieser Skizzen aus der Gaststube. Neben Malern wie Karl Fuchs oder Johannes Woelffle liefern die zahlreichen Literaten und Dichter, die es nach Buoch zog, Stoff für die Dauerausstellung im Museum: Hermann Kurz war ebenso vor Ort wie Eduard Hiller oder Berthold Auerbach.

Produktionsstätte von „Meissener Porzellan des Mittelalters“

Die Buocher Feinware war im Mittelalter berühmt. /Frank Eppler

Dass Buoch obendrein die Produktionsstätte der „rotbemalten Feinware“ war, einer Art Meissener Porzellan des Mittelalters, wundert die selbstbewussten Einheimischen wohl kaum. Den Beweis dafür lieferten Funde, die bei Bauarbeiten im Jahr 1980 zutage kamen und die ebenfalls einen Platz im Museum bekommen haben – im vergangenen Jahr erhielt die Präsentation ein neues Aussehen. Frisch aufgemöbelt worden ist zur Remstal-Gartenschau im Jahr 2019 auch der geologische Pfad, den der Heimatverein mit angestoßen hat. Er zeigt auf, wie die Gesteine vor Ort vor 230 bis 200 Millionen Jahren in einer subtropischen Wildnis entstanden.

Ein bisschen wehmütig wird Christel Fezer vor der Vitrine, die an die vielen Studienfahrten erinnert, welche Klaus Teichmann bis zu seinem Tod organisierte. Mit dem Sonderzug „Stuttgarter Rössle“ ging es mal nach Speyer, mal nach Meßkirch ins Campus Galli. „Der ganze Ort war da mit dabei.“

Die Ausstellung ist bis 29. September im Museum Hirsch, Eduard-Hiller-Straße 6, in Buoch zu sehen. Samstags ist sie von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwei Euro. Führungen für Gruppen können per E-Mail an Christel Fezer unter cw@fezers.de angefragt werden.