Unzufrieden sehen sie nicht aus: Einige Tramfahrer in Nantes erschienen im Rock zur Arbeit. Foto: / YouTube

Ein 22-Jähriger scheint einen neuen Trend gesetzt zu haben, als er am Montag wegen der Hitze im Kleid zu Arbeit gegangen ist. Tram- und Busfahrer im französischen Nantes haben es ihm nun nachgemacht.

Buckinghamshire / Nantes - Er scheint einen Trend begründet zu haben: Als seine Firma ihn wegen seiner kurzen Hose nach Hause schickte, kam der 20-jährige Joey Barge aus dem südenglischen Buckinghamshire einfach im Kleid zurück. Nur einen Tag später, am 20. Juni, haben es ihm die Tram- und Busfahrer in Nantes, Westfrankreich, gleichgetan: Gleich mehrere von ihnen erschienen im Rock bei der Arbeit.

Damit forderten sie ihren Arbeitgeber dazu auf, den Dresscode im Sommer zu ändern. Bisher schreibt das Verkehrsunternehmen Semitan den Fahrern lange Beinbekleidung vor – selbst wenn die Temperaturen in der unklimatisierten Fahrerkabine immer wieder 50 Grad Celsius übersteigen. Zu der Aktion hatte der CFDT aufgerufen, der mit rund 800 000 Mitgliedern der größte Gewerkschaftsbund Frankreichs. „Der Rock ist Teil der Kleiderausstattung unserer weiblichen Kollegen, wir haben kein Äquivalent dazu“, sagte Gabriel Magner, ebenfalls Gewerkschafter, der französischen Gratiszeitung „20 minutes“.

Teilsieg für Joey Barge

Bereits seit 2013 fordern die Tram- und Busfahrer in Nantes, in Bermudashorts oder Caprihosen arbeiten zu dürfen – bisher ohne Erfolg. „Semitan scheint ein bestimmtes Marken-Image aufrecht erhalten zu wollen“, sagt Magner. „Mit verbalen und tätlichen Aggressionen von Passagieren arbeiten wir bereits unter schwierigen Bedingungen. Diese Maßnahme könnte uns die Arbeit ein wenig erleichtern.“ Semitan hat sich zu dem Arbeitstag im Rock bisher noch nicht geäußert.

Fahrer der schwedischen Eisenbahngesellschaft SRJ waren 2013 in Stockholm mit einer ähnlichen Aktion erfolgreich. „Unser Vorgesetzter hat Ja zu den Röcken gesagt, weil er nicht der Diskrimierung beschuldigt werden wollte“, sagte der Fahrer Martin Åkersten damals der schwedischen Boulevardzeitung „Expressen“. Die Fahrgäste der schmalspurigen Eisenbahnstrecke Roslagsbanan reagierten anfangs skeptisch, gewöhnten sich aber schnell an den neuen Look, so Åkersten. Kurz darauf genehmigte das Unternehmen den Fahrern das Tragen kurzer Hosen.

Einen Teilsieg immerhin hat auch Joey Barge mittlerweile errungen: Das Callcenter, in dem er arbeitet, erlaubte den „Gentlemen im Büro“ auf seinen Protest hin, an heißen Tagen Dreiviertelhosen in den Farben Schwarz, Navy-Blau und Beige anzuziehen. Andere Farben sind nicht erlaubt. Ob Barge das als Aufforderung sieht, sich demnächst einmal in neonpinken Shorts ins Büro zu wagen? Bisher scheinen ihm die Farbvorschriften seines Arbeitgebers jedenfalls zu langweilig zu sein: Statt noch einmal nach Hause zu fahren und sich umzuziehen, ließ er lieber sein Kleid an.

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