Auf seiner diesjährigen Sommertour besucht der Böblinger SPD-Landtagsabgeordnete Florian Wahl Unternehmer mit Migrationshintergrund. In der Apotheke am Flugfeld erfährt er vom iranischstämmigen Inhaber, welche Wege er mittlerweile gehen muss, um Fachpersonal zu gewinnen.
Abolhassan Hadjiheidari arbeitet gerne, trotz seines mittlerweile höheren Alters. Der 70-Jährige ist Apotheker und Inhaber dreier Apotheken, zum Beispiel auf dem Böblinger Flugfeld und in den Mercaden. Eigentlich, so Hadjiheidari, habe er schon kürzer treten wollen, die Arbeitsmarktsituation aber lasse dies nicht zu. Und so kommt es, dass der gebürtige Iraner noch immer 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeitet. „Uns fehlt es an Fachkräften: an Apothekern, Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten und Pharmazeutisch-Kaufmännischen-Assistenten“, betont Hadjiheidari gegenüber dem SPD-Landtagsabgeordneten Florian Wahl am Freitag in einem persönlichen Gespräch.
Jedes Jahr ist Wahl auf Sommertour
Wahl ist gerade auf einer einwöchigen Tour zu Unternehmen in Böblingen, Sindelfingen und Schönaich, um Selbstständige mit Migrationsgeschichte zu treffen und ihnen zuzuhören. Anlass ist die aktuell „schwierige Stimmung rund um Migration. Ich wollte zeigen, dass es unheimlich viele Erfolgsgeschichten gibt von Unternehmern mit Migrationshintergrund im Kreis. Ich wollte nicht nur anhören, welche Probleme sie haben, sondern auch das Signal senden, dass sie auch Aufmerksamkeit verdienen“, sagt der Politiker am Ende seiner Tour.
Abolhassan Hadjiheidari beschäftigt in seinen drei Apotheken 25 Mitarbeiter. Seitdem drei Mitarbeiterinnen schwanger wurden und zwei den Betrieb verlassen haben, sei das Personalgleichgewicht ins Wanken geraten. „Wir suchen, bislang hat sich aber nichts ergeben“, klagt der Pharmazeut, der im Jahr 2000 seine erste Apotheke in Balingen eröffnete. Der mangelnde Erfolg bei der Personalgewinnung liegt nach Ansicht des 70-Jährigen auch an der Bezahlung, die Fachkräfte in Apotheken erhielten. „In der Pharmaindustrie lässt sich mehr verdienen.“
Auch das Apothekerwesen hat sich stark gewandelt
Der Böblinger Florian Wahl ist im Stuttgarter Landtag vor allem mit Gesundheitspolitik betraut. Zum Thema Personalgewinnung sagt er: „Wir müssen den Studiengang öffnen, sodass mehr junge Menschen Pharmazie studieren können.“ Durch die Veränderungen des Arbeitsmarkts hin zu flexibleren Arbeitszeitmodellen sei es nämlich auch in Apotheken nicht leichter geworden, das notwendige Personal vorhalten zu können.
Damit die Apotheken von Abolhassan Hadjiheidari personell nicht zu sehr auf Kante genäht sind, hat sich der Pharmazeut etwas einfallen lassen. Aktuell beschäftigt er drei angehende Apotheker aus Brasilien, Georgien und Iran. Nach bestandener Sprachprüfung müssen die Jung-Pharmazeuten noch die Fachprüfung bestehen. Arbeiten dürfen sie unter Aufsicht. Bis die Anerkennung erfolge, dauere es zwölf Monate, sagt Hadjiheidari. Wahl weiß von Fällen, in denen die Approbationsurkunde des Regierungspräsidiums erst nach 18 Monaten ankam. „Es ist schade, dass es so zäh ist. Ich habe damals die Chance bekommen und dafür bin ich dankbar“, betont Hadjiheidari.
1979 kam er als politisch Verfolgter nach Deutschland, flüchtete vor dem neuen islamistischen Regime in Teheran. „Ich habe in Tübingen studiert. Habe dann in Herrenberg, Leonberg, Stuttgart als angestellter Apotheker gearbeitet. Natürlich musste auch ich mühsam die deutsche Sprache lernen. Ich hatte aber Förderer“, erzählt der Apotheker. Weniger eine Hilfe war beziehungsweise ist das Gesetz, dass ausländische Staatsangehörige keine eigene Apotheke gründen dürfen.
Ein Apotheker mit Fluchtgeschichte
Noch einige Jahre wird Abolhassan Hadjiheidari wohl ein hohes Arbeitspensum leisten müssen. Er sieht aber Licht am Ende des Tunnels: Seine Tochter Mona Hadjiheidari wird nach Beendigung ihres Studiums seine Nachfolge antreten. So lange wird der 70-Jährige mit iranischen Wurzeln Böblinger Patienten zu Medikamenten beraten.