Der Fellbacher Herbst findet in diesem Jahr zum 70. Mal statt. Es werden mehr als 200 000 Besucher erwartet. Foto: StZ

Hauptsache draußen: In Stuttgart und Fellbach stehen drei traditionelle Weinfeste an. Die Macher sind optimistisch, denn: Der Wettergott hat etwas gutzumachen.

Fellbach/Stuttgart - Man weiß es nicht genau. Das herrlich chauvinistische Zitat „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“ wird zwar Martin Luther zugeschrieben. Allein, die Historiker sind sich uneins. Das berührt die Macher der Weinfeste in Fellbach, Uhlbach und Untertürkheim aber in keiner Weise. Und die feierfeste Damenwelt, die sich auf den verschiedenen Weinmeilen tummelt, schon gar nicht.

Der Fellbacher Herbst ist das älteste und größte der drei Weinfeste. Bereits zum 70. Mal organisiert die Stadt den Trubel, der als größtes Wein- und Erntedankfest Baden-Württembergs gilt. Wenn das Wetter mitspielt, werden sich vom 6. bis zum 9. Oktober mehr als 200 000 Besucher in der Innenstadt verlustieren.

Für eine Dame wird es dieses Jahr besonders spannend. Gabriele Zull, im September vorigen Jahres als Nachfolgerin von Christoph Palm zur ersten Oberbürgermeisterin der Stadt Fellbach gewählt, muss ihren ersten Fellbacher Herbst als Stadtoberhaupt bestreiten. Da heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Für Lampenfieber bleibt Gabriele Zull keine Zeit. Ein neues Werbemotiv hat die Stadt in Auftrag gegeben, filmische Rückblicke sollen gezeigt und die Delegationen der Partnerstädte müssen begrüßt werden. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr Meißen, das mit Fellbach seit 30 Jahren verbunden ist. „Wir haben uns hier einiges einfallen lassen“, sagt die Oberbürgemeisterin. Details verrät sie nicht.

Die OB hat keine Zeit für Lampenfieber

1948 war es, als die Landjugend zusammen mit den jungen Winzerinnen und Winzern durch die dörflichen Straßen Fellbachs zogen. Ein Wagen, Körbe gefüllt mit Trauben und buttentragende Wengerter – so begann das Fellbacher Fest einst. „Im Kern ist der Fellbacher Herbst ein Erntedank- und Weinfest. Und das ist er bis heute geblieben“, sagt Winzer Erhard Hess, der von 1991 bis 2000 Vorsitzender der Fellbacher Weingenossenschaft war. Er hat bis jetzt jeden Fellbacher Herbst miterlebt – 1948 als Zehnjähriger staunend an der Straße, viel später als Verantwortlicher und Moderator der Weinprobe.

Das Programm ist wie immer ambitioniert. Blütenzauber am Freitagabend, Festumzug am Samstag, verkaufsoffener Sonntag mit Feuerwerk und Musik, Laternenumzug am Montag und später der Weinsalon in der Schwabenlandhalle – Fellbach versteht es zu feiern.

Untertürkheim: klein, aber fein

Was das Feiern rund um feinen Wein angeht, steht Untertürkheim den Fellbachern in nichts nach. Allerdings ist das 53. Untertürkheimer Weinfest, das vom 15. bis zum 17. September rund um die Kelter stattfindet und das von der Weinmanufaktur und dem Weinfestverein veranstaltet wird, einige Nummern kleiner. Das tut der Feierstimmung aber keinen Abbruch. Die Macher bleiben ihrem Konzept treu. „Wir haben super Bands gebucht, die für Stimmung sorgen – so wie immer“, sagt Stefan Hübner, der Geschäftsführer der Weinmanufaktur. Und der Sonntag ist und bleibt der Familientag mit Kinderbetreuung. Jetzt muss nur noch der Wettergott mitspielen. „Er hat uns im Frühjahr mit dem Frost mächtig zu schaffen gemacht“, sagt Hübner. Also habe der Wettergott etwas gutzumachen.

Uhlbach: Das älteste Weinfest Stuttgarts

Den Auftakt der drei Weinfeste macht der Uhlbacher Herbst vom 7. bis zum 10. September. In und um die Uhlbacher Kelter werden wieder viele Hundert Besucher pro Tag erwartet. Zum 59. Mal wird in Uhlbach gefestet. Damit gilt der Uhlbacher Herbst als ältestes Weinfest in Stuttgart.

Im Jahr 1959 hatte das Sänger-Collegium Uhlbach das Fest ins Leben gerufen. Inzwischen wird es vom Collegium Wirtemberg veranstaltet, das sich von der Gastro­familie Röhrich unterstützen lässt. „Wir haben hier eine lange Tradition und halten daran fest“, sagt Rüdiger Lebrecht aus dem Vorstand des Collegiums Wirtemberg.

Am Freitagabend, 8. September, wird das Weinfest offiziell mit der Weinkönigin Andrea Ritz und dem Sänger-Collegium eröffnet. Allerdings können die Ungeduldigen bereits am Donnerstag von 18 Uhr an ins Zelt – zur neuen After-Work-Party mit Livemusik. Dass das Wetter nicht mitspielen könnte, darüber macht sich Rüdiger Lebrecht keinen Kopf. „Wir lachen bei jedem Wetter“, sagt er.

Wer sich vom Wetter abhalten lasse, der sei auf dem Holzweg, erläutert Lebrecht, der sich schon auf das Wildschwein am Spieß freut, das am Sonntag brutzeln wird. „100 Prozent aus der Region“, betont Vorstand Lebrecht. Feiern also ganz nach dem Motto: Wein, Wildschwein, Gesang.

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