Am Samstag, 2.  September, dirigiert Sabine Layer auf dem Schlossplatz einen Chor, dessen genaue Zusammensetzung sie noch gar nicht kennt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Hauptsache draußen: auch die Stuttgarter Bach-Akademie zieht es manchmal ins Freie. Zum Beispiel zum offenen Chorkonzert auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Es dirigiert Sabine Layer.

Stuttgart - Die Internationale Bach-Akademie Stuttgart – das sind normalerweise Konzerte in Kirchen und Sälen, Vorträge und Proben in geschlossenen Räumen. Doch es geht auch anders: Die Dirigentin Sabine Layer leitet ihren Musikfestchor am 2. September open air auf dem Schlossplatz. Das Besondere daran: Sie kann auch eine Woche vorher noch nicht genau sagen, wie viele Frauen und Männer mitsingen werden, denn der Chor ist zusammengewürfelt aus Leuten, die sie bereits kennt, aber auch aus Musikfreunden, die einfach so mitmachen wollen. Spontan Entschlossene können sogar am Montag, 28. August, noch dazustoßen: Um 9.30 Uhr beginnt im Hospitalhof die fünftägige Probenwoche zu einem Projekt mit dem Titel „Stuttgart singt!“.

„Leute zum Singen bringen“, das ist es, was Sabine Layer am Herzen liegt. Die gebürtige Esslingerin hat eine Menge Erfahrung vorzuweisen: Unter anderem dirigiert sie den Philharmonischen Chor Esslingen, sie ist die musikalische Leiterin der Staufer-Festspiele in Göppingen und sie hat seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Stuttgart.

Ganz neue Töne in die Stadt gebracht

Und sie ist seit vielen Jahren eng mit der Bach-Akademie verbunden. Schon als Studentin war sie Korrepetitorin bei Helmuth Rilling (das heißt, sie hat die Chöre und Solisten bei den Proben am Klavier begleitet). „Wahnsinnig viel“ habe sie bei ihm gelernt. Nicht weniger schätzt sie Rillings Nachfolger Hans-Christoph Rademann, der aus der Gächinger Kantorei nicht nur die Gaechinger Cantorey gemacht, sondern auch sonst ganz neue Töne in die Stadt gebracht hat.

Am Montag nun stellt sich Layer vor ein Ensemble, das in weiten Teilen noch gar keines ist: „Es ist eine große Herausforderung, aus einer Gruppe möglichst schnell einen Chor zu machen“, sagt die Dirigentin, die aber guten Mutes ist, dass alles klappt.

Auf dem Programm stehen – natürlich – Stücke, die mit dem diesjährigen Motto des Musikfestes zu tun haben: Freiheit. Es sind im Einzelnen zwei Volkslieder („Die Gedanken sind frei“, „Freiheit, die ich meine“), Reinhard Meys „Über den Wolken“, „Wind Of Change“ von den Scorpions („Die Sänger dürfen dann natürlich auch mitpfeifen“) und nicht zuletzt die Uraufführung eines Kanons, den Sabine Layers Ehemann Wolfgang eigens komponiert hat, der Text stammt von Friedrich Nietzsche: „Frei ist, wer in Ketten tanzen kann“.

Der Chor muss eng zusammenstehen

Geplant ist eigentlich, dass der Chor vierstimmig singen wird. Doch da sich – altes Chorleiterleid – mehr Frauen als Männer angemeldet haben, kann es sein, dass der Auftritt nur dreistimmig wird. Einerlei: Wenn der Chor eng zusammensteht, schön legato singt, „in ganz dichten Tönen“ – und wenn dann noch das Wetter mitmacht am kommenden Samstag, dann wird es schon schiefgehen mit dem Auftritt.

Es ist ja auch keine Bach-Passion, deren feinste musikalische Nuancen von keinem Straßenlärm oder Passantengeplauder gestört werden sollte. Vor zwei Jahren jedenfalls, als Sabine Layer mit so einem Chor in der Markthalle aufgetreten ist, „hat das auch gut funktioniert“.

Übrigens: Mitsingen dürfen nicht nur die Frauen und Männer, die die Woche über geprobt haben, sondern auch alle Passanten, die Lust dazu haben. „Bisher habe ich noch jeden zum Singen gebracht“, sagt Sabine Layer. Und wer diesen Auftritt verpassen sollte: Am 19. November dirigiert Sabine Layer in Esslingen Johannes Brahms’ „Deutsches Requiem“ – dann mit ihrem Philharmonischen Chor, in dem sie jedes einzelne der hundert Mitglieder kennt.

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