Im Leonberger Rebenweg geht’s steil bergauf – oder auch, je nach individueller Wahrnehmung, ziemlich bergab. Foto: Simon Granville

Wo liegt sie, die steilste Straße in Leonberg? Der Rebenweg verbindet im Norden der Stadt die Stuttgarter Straße mit dem Oberen Schützenrain – und hat satte 22 Prozent Gefälle. In unserer Sommerserie stellen wir rekordverdächtige Orte in der Region vor.

Leonberg liegt weder in den bayerischen Alpen noch im großteils topfebenen Schleswig-Holstein. Extreme Landschaften sucht man hier, im zentralen Baden-Württemberg zwischen Nordschwarzwald und Schwäbischer Alb, eigentlich vergebens. Hügelig kann es aber schon auch werden. Wobei: Ab und zu ist es sogar richtig steil.

 

Man denke zum Beispiel an die neue Ramtelstraße, die sich von Gerlingen kommend den Berg hinunter in Richtung Ramtel schlängelt. Oder in Gebersheim an die Schafstraße in der Ortsmitte sowie die Hohe Steige an der Gäublickhalle. In Warmbronn wäre die Berghalde eine Kandidatin, wenn es um Gefälle geht. Und was ist überhaupt mit dem Schlossberg in Höfingen?

Aber sind dies die steilsten Straßen Leonbergs? In der Leonberger Kernstadt fällt einem die Straße am Bierkeller ein, die sich kurz, aber knackig von der Stuttgarter Straße aus zur Oberen Burghalde erstreckt – am Rande des Engelbergs. Auf dessen anderer Seite führt der Brombeerweg an der KZ-Gedenkstätte im alten Angelbergtunnel vorbei zum Krähwinkelweg in der Nähe des ehemaligen Golfplatzes – und das auch ziemlich steil. Inzwischen nähern wir uns auch schon der gesuchten Strecke an.

Nachgefragt bei der Stadtverwaltung. Bierkeller? Brombeerweg? Pressesprecher Sebastian Küster bestätigt zunächst: „Besonders steile Straßen in Leonberg befinden sich im Umkreis des Engelbergs.“ Viele Straßen hätten hier ein Gefälle von rund zehn Prozent. Auch die Stuttgarter Straße selbst dürfte dazuzählen – ein „Seitenarm“ der Haupttrasse in Richtung Landeshauptstadt führt direkt zum Engelbergturm hinauf. Und so gerät manch einer durchaus ins Keuchen, wenn der Weg zum Beispiel zum Strohländle führt. Aber was ist denn nun laut Stadt die steilste Straße auf der Gemarkung?

Offenbar eine ganz andere als vermutet, zumindest streckenweise. Sie befindet sich laut Sebastian Küster ebenfalls am Engelberg und verbindet im Norden der Stadt die Stuttgarter Straße mit dem Oberen Schützenrain: der Rebenweg. Der steche, wie Küster berichtet, mit seinen 22 Prozent Gefälle aus all den steilen Gassen, Wegen und Straßen heraus.

Vom nur knapp 120 Meter langen Rebenweg aus hat man, wie von so vielen Orten in diesem Bereich, übrigens einen traumhaften Blick über das Strohgäu, nach Höfingen, Ditzingen, Hirschlanden, Hemmingen, bei gutem Wetter noch viel, viel weiter. Dazu gehört auch, dass es sich dabei um eine der Toplagen in Leonberg handelt.

Nun ist es vielleicht ein typisch deutsches Phänomen, auch nach den Problemen zu suchen, die eine solch steile Straße mit sich bringen könnte. Der Winterdienst ist es aus Sicht der Kommune jedenfalls nicht. „Der Stadtverwaltung sind keine Probleme bekannt“, so Sebastian Küster, „die Straße gibt es seit Jahrzehnten.“

22 Prozent Gefälle also – oder eben Steigung, je nachdem wie herum man gerade unterwegs ist. Das kann für Fußgänger schon mal unangenehm werden. Die exakte mathematische Rechenoperation ersparen wir uns an dieser Stelle. Das Ganze entspricht jedenfalls einem Neigungswinkel zwischen zwölf und 13 Grad. Und genau zu dieser Zahl gibt es an dieser Stelle noch eine finale Zusatzinformation: Ein britischer WC-Hersteller hat eine Toilette entwickelt, die ebenfalls mit einer Neigung von 13 Grad aufwartet. Das soll das Sitzen nach kurzer Zeit unangenehm machen und somit die Klopausen zum Beispiel von Angestellten in Firmen einschränken.

Geradezu unmenschlich, mag nun der oder die ein oder andere denken. Der Hersteller wiederum preist gesundheitliche Vorteile an. So werde zum Beispiel die Beinmuskulatur gestärkt. Womit wir wieder bei der steilsten Straße Leonbergs wären.

Höher, größer, schneller – in unserer Serie „Rekordverdächtig“ stellen wir Orte in der Region Stuttgart vor, die auf besondere Weise herausragend sind.