Aus Sicherheitsgründen mussten einige Fenster der Schule zugeschraubt werden. Foto: Maira Schmidt

Die Sommerrainschule in Bad Cannstatt ist in einem schlechten Zustand. Die Fenster sind morsch und mussten zugeschraubt werden.

Bad Cannstatt - Ruth Möller weiß sich keinen Rat mehr. Bereits seit 2009 schreibt die Schulleiterin Briefe an Politik und Verwaltung, um auf den Sanierungsstau an der Sommerrainschule hinzuweisen.

Zwar wurde vor Kurzem der sogenannte Bau 2 auf dem Gelände der Grundschule saniert. Das Hauptgebäude sowie drei weitere Pavillons sind aber nach wie vor in einem schlechten Zustand. Die gut 60 Jahre alten Fenster sind vom Regen durchweicht. Die Farbe ist abgeplatzt, das Holz ist morsch. Um zu verhindern, dass eine der großen Glasfronten herausbricht und schlimmstenfalls auf ein Kind stürzt, hat die Verwaltung bereits vor Jahren damit angefangen einzelne Fenster zuzuschrauben. Inzwischen betrifft dies jedoch nicht mehr nur einzelne Fenster, sondern laut Möller zehn bis 15 Stück.

In einem der Pavillons sind zudem die Fenster undicht

Die Auswirkungen für Schüler und Lehrer sind gravierend. Die Räume können nicht mehr richtig gelüftet werden. „Im Sommer konnten wir teilweise nicht in die Klassenzimmer rein“, sagt die Schulleiterin. Hinzu kommt, dass natürlich immer ein Restrisiko besteht und ein Kind verletzt werden könnte. Die Verwaltung kann schließlich nicht alle Fenster in den vier Bauwerken zuschrauben und die Schulleiterin kann nicht jeden Tag alle Fenster kontrollieren.

In einem der Pavillons sind zudem seit Jahren die Fenster undicht. Sie wurden mit Folien abgeklebt. In vielen Räumen haben sich tiefe Risse im Putz gebildet. Auch im Gymnastikraum war bis vor Kurzem das Dach undicht. Es wurde zwar geflickt, der Handwerker habe aber gesagt, dass es unmöglich noch einen Sommer überleben könne, so die Schulleiterin.

„Für mich ist das Maß voll“, sagt Möller. Die Sommerrainschule habe keine Perspektive. Die Grundschule würde sich gerne auf den Weg zur Ganztagsschule machen. Der Bedarf wäre da: Schon jetzt nutzen rund die Hälfte der Schüler ganztägige Betreuungsangebote. Doch die Schulleiterin wagt nicht, den Antrag zu stellen. Sie fürchtet, dass sich der Ausbau zeitlich mit der Sanierung oder dem Neubau der Schule überschneidet und sie die 470 Grundschüler in einem Ausweichquartier ganztätig betreuen muss.

1700 Maßnahmen in Stuttgarter Schulen

Beim Schulverwaltungsamt weiß man um den, wie es Amtsleiterin Karin Korn formuliert, „hohen Sanierungsbedarf“ an der Sommerrainschule. Doch leider sei die Schule damit kein Einzelfall. Korn erklärt, dass das Beratungsunternehmen Drees & Sommer 2010 alle Schulbauten untersucht und dabei 1700 ausstehende Maßnahmen aufgelistet habe. Diese Liste arbeite man nun ab, doch das könne dauern. Die Amtsleiterin rechnet damit, dass erst 2020 alle Sanierungen abgeschlossen sind.

An der Sommerrainschule komme erschwerend hinzu, dass man vermutlich nicht mehr nur sanieren kann, sondern neu bauen muss. Im Februar dieses Jahres habe man hierzu eine Machbarkeitsstudie beim Hochbauamt in Auftrag gegeben, die auch den Ausbau zur Ganztagsschule berücksichtigen soll. Es liege noch kein Ergebnis vor. Doch ganz gleich, zu welchem Fazit die Studie kommt, Korn erklärt auch, dass man für einige Probleme sofort Lösungen finden müsse, zumal die Planung und Realisierung eines Neubaus vier Jahren dauern kann. „Der Zustand der Fenster ist indiskutabel“, so die Amtsleiterin. Derzeit würden sich Handwerker vor Ort ein Bild von der Situation machen.

Vom Hochbauamt war hierzu bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Antrag der CDU-Bezirksbeiratsfraktion

Unterstützung bekommt die Leiterin der Sommerrainschule von der CDU-Bezirksbeiratsfraktion. Diese fordert in einem Antrag die unverzügliche Beseitigung der sicherheits- und gesundheitsgefährdenden Baumängel an der Sommerrainschule. „Trotz langjähriger Kenntnis des desolaten Zustandes hat die Schulverwaltung bisher ausschließlich ad-hoc-Sicherheitsmaßnahmen ... veranlasst“, heißt es in dem Schriftstück. Jederzeit könnten weitere Fenster so morsch werden, dass sie „ohne Vorwarnung“ herausbrechen. Die CDU beantragt deshalb, dass die gravierendsten Baumängel unverzüglich beseitigt werden und das Schulverwaltungsamt eine zügige Bestandsaufnahme des aktuellen baulichen Zustandes der Schule veranlasst. Über das Ergebnis soll dem Bezirksbeirat zeitnah berichtet werden.

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