Bei Tag ein ruhiger Platz, am Abend ist die Luft voller Junikäfer. Foto: Sabine Armbruster/dpa

Der Rasenplatz zwischen der MTV-Gaststätte und der Fuchshofstraße ist derzeit abends ein Ort, den man lieber meiden sollte. Es sei denn, man liebt Käfer in den Haaren.

Es brummt, es schwirrt – und es fliegt nichts ahnenden Spaziergängern ins Gesicht, in die Haare, gegen den Körper. Derzeit ist der Stadion-Rasenplatz, der zwischen der MTV-Gaststätte und der Fuchshofstraße liegt, fest in der Hand – oder vielmehr eher in den sechs Beinen – von Junikäfern. In der Abenddämmerung geht der Spuk los, der nichts ahnende Menschen zum wilden Wedeln mit den Händen bringt und Hunde zum aufgeregten Schnappen nach der unbekannten Beute.

 

Die Junikäfer sind los. Das ist gerade zu dieser Zeit des Jahres an sich zwar nichts Ungewöhnliches, denn die Tiere, die ein bisschen aussehen wie kleine, etwas zottelige Maikäfer, tragen ihren Namen nicht umsonst. Auch Claus Wurst, Fachbeauftragter für Käfer beim Nabu Baden-Württemberg, erklärt: „Dass Junikäfer nun schwärmen, ist absolut normgerecht denn ihr wissenschaftlicher Artname ‚solstitiale‘ bedeutet zur Sonnwende gehörig“.

Derzeit ungewöhnlich viele Käfer

Allerdings sind am Stadion derzeit ungewöhnlich viele der kleinen Brummer unterwegs. Woran das liegen kann? Schwer zu sagen. Fest steht nur, dass die Tiere als Engerlinge rund zwei Jahre ihres Lebens in der Erde verbringen, bevor sie als fertige Käfer das Licht der Welt erblicken, sodass es immer mal wieder stärkere und schwächere Jahre gibt. Doch: „Ein gehäuftes Vorkommen tritt in unterschiedlichen Jahren lokal begrenzt auf“, so Nabu-Experte Claus Wurst. „Es gibt also nicht die für ein ganzes Land geltenden Mai- oder Juni- oder XYZ-Käferjahre, wie man das natürlich leicht annehmen könnte.“

Die Junikäfer sind auf Partnersuche. Foto: picture alliance / dpa

Wer schon einmal unfreiwillig in solch einen Junikäferschwarm geraten ist, der merkt schnell, dass die Tiere einem nichts tun. Sie beißen nicht, sie stechen nicht, sie erschrecken die Menschen nur durch ihr Brummen und bleiben auch mal, was lästig ist, in den Haaren hängen.

Ein Angriff ist das aber nicht. Die Käfer sind einfach unbeholfene Flieger und torkeln eher durch die Luft. Vor allem jedoch sind sie schlicht hormongesteuert. Auf der Suche nach den Weibchen, die in den Bäumen sitzen und ihren Duft verströmen, um die Männchen anzulocken.

Nicht nur Menschen sind begehrte Anflugziele

Die orientieren sich laut Nabu übrigens bei ihrem Schwarmflug am Horizont. Sie fliegen bevorzugt hohe Gegenstände und Bauten an, wie beispielsweise Bäume oder Häuser; aber auch ein Mensch ist – im Vergleich zu einem Rasenplatz – ein „hohes“ Anflugziel.

Beim Ludwigsburger Sportverein MTV hat man trotzdem noch nichts von der brummenden Invasion gemerkt. „Weder jemand im Team noch unser Gastronom hat bislang Probleme mit Junikäfern oder anderen Tieren gehabt“, so MTV-Geschäftsführer Ralph Schanz.

Spätestens im August ist das Schauspiel vorbei

Anders als die noch in den 1950er und 1960er Jahren für ihre Gefräßigkeit berüchtigten Maikäfer richten die Junikäfer laut Nabu keinen größeren Schaden an, sondern sind vielmehr ein Leckerbissen für die ebenfalls dämmerungsaktiven Fledermäuse.

Lediglich die Larven können schon mal den Wurzeln eines Rasens schaden. Denn – ebenfalls anders als Maikäfer – findet sich der Junikäfer eher auf Wiesen. Oder eben am Ludwigsburger Stadion, wo er Rasen und große Bäume in unmittelbarer Nähe findet.

Wer die Junikäfer noch beim Schwärmen beobachten will, sollte sich übrigens beeilen. Denn im Juli wird ihre Zahl laut Nabu schon deutlich weniger, im August sind sie ganz verschwunden. Die ausgewachsenen Käfer werden nur drei bis vier Wochen alt. Die nächste Generation wartet dann aber schon im Boden, bis auch ihre Zeit gekommen ist.

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