Die Installation „Ein Streifen Meer“ hat im August viele Stuttgarter ans Stadtpalais gelockt. Foto: Lg/Zweygarth, Nina Ayerle

Stuttgart fehlen Orte am Wasser. Um den Mangel zu kompensieren, hat das Stadtpalais im August zu dem Sommerfestival „Stuttgart am Meer“ eingeladen. Es wurde ein Erfolg – allerdings wohl ohne Wiederauflage.

Stutttgart - Er hatte sich natürlich gewünscht, dass es ein Erfolg wird. Erwartet hatte er es nicht. „Schon gar nicht, dass es so einschlägt“, sagt Raoul Grossmann. Der 29-Jährige hatte für das Stadtpalais – Stadtmuseum für Stuttgart das SommerfestivalStuttgart am Meer“ mitkonzipiert und damit in den Sommerferien einen Feierabend-Treff für die Stuttgarter geschaffen. „Es war der Platz auf einmal“, ergänzt der Stuttgarter, der darüber immer noch ein bisschen erstaunt ist.

Und ja, die Plätze an dem Streifen Wasser waren heiß begehrt – von Familien mit Kindern ebenso wie von Hipstern, Bankern, Studenten, Wasserfreunden und Sonnenuntergang-Liebhabern. Für sechs Wochen wurde die Außenanlage des Museums von Ende Juli an zu einem öffentlichen Strand mit Container-Bar, Liegestühlen und Hängematten. Das Stuttgarter Architekturbüro Umschichten hatte dafür vor dem Museum, direkt an der B14, die temporäre Installation „Ein Streifen Meer“ verwirklicht.

Innen ein Museum, draußen ein Platz für die Stadt

Nach langem Vorlauf hatte im April 2018 das Stadtpalais – Stadtmuseum für Stuttgart eröffnet, das, wie gern betont wurde, „die Zukunft der Stadt denken“ wollte. Museumsdirektor Torben Giese sagte bei der Eröffnung des Sommerfestivals, er begreife sein Museum als „Freiraum“, weil genau das in dieser Stadt ja immer gefehlt habe. Innen sei es nun ein Museum und außen gehöre es der Stadt.

Giese hatte die Idee für das Sommerfestival, den Titel „Stuttgart am Meer“ hatte er schon im Kopf als Grossmann dann als freier Projektleiter dazukam. „Dann haben wir gemeinsam rumgesponnen“, erzählt Grossmann. Und das haben sie mehrere Monate getan.

Herausgekommen war ein außergewöhnliches Veranstaltungsprogramm. Denn das Wasser allein war es gar nicht, was die Massen an den provisorischen Strand direkt an der Stadtautobahn lockte. Surfen, skaten, radeln und Basketball spielen – fast jede Woche gab es einen sportlichen Schwerpunkt. „Surfen fanden wir beide gut, weil wir selbst Surfer sind“, sagt Grossmann. „Und das Radfahren war mir eine Herzensangelegenheit, Basketball kam dann von Torben.“ Und um Skaten, das war schnell klar, komme man in Stuttgart auf keinen Fall drumherum. Bei einer Themenwoche rund um das Skateboard fahren ist es dann ja auch nicht geblieben. Es gab gleich eine ganze Ausstellung im Museum mit dem Titel „Skateboarding in Stuttgart“, die zeigte, wie sich Stuttgart seit den 1990ern zur Skater-Metropole entwickelt hat.

Vier Trendsportarten sind mit Mittelpunkt des Sommerfestivals gestanden

Als die Sportarten klar waren, hat sich Grossmann auf die Suche gemacht. Authentisch wollte er diese präsentieren. Deshalb habe er sich gefragt: „Wer ist in der jeweiligen Szene drin, der mit uns zusammen arbeitet?“ Und ergänzt: „Ohne diese Leute hätte es ja kein Flair gehabt.“ Er holte den Verein Neckarwelle mit ins Boot und den Surf-Days-Veranstalter Thilo Trefz, der hinter dem Stadtpalais eine Hüpfburg mit hochlaufender Welle aufgebaut hatte. Dort konnte sich jeder mal im Surfen versuchen.

„Jede Woche, jede Sportart, sollte ihr Highlight haben“, sagt Grossmann, der bei den Wagenhallen das duale Studium Messe-, Kongress- und Eventmanagement abgeschlossen hat. Seitdem arbeitet er als Freelancer, „Stuttgart am Meer“ war sein erstes eigenes Projekt.

Mit dabei waren dann auch die „MHP Riesen“, der Basketball-Bundesligist aus Ludwigsburg. Es gab ein Streetball-Amateur-Turnier, eine Mini-Rampe hinter dem Museum, und eine Fahrrad-Schnitzeljagd. Grossmanns Highlights: der Skate-Contest „Palais du Beast“, der durch Museum und die Außenanlagen ging, und ein Rave „mitten im Herzen der Stadt“. Dazu gab es zu jeder Sportart Infoveranstaltungen, Workshops und Vorträge und jeden Sonntag die Konzertreihe „Live vor den Treppen“.

Was den Stuttgartern wohl fehlt: ein Platz am Wasser

Seine Bilanz? „Stuttgart braucht solche Orte, die den Leuten in dieser Stadt eine freie Fläche geben“, sagt er. Wie eben das Stadtmuseum oder auch der Österreichische Platz. „Nur so kann man die Vielfalt der Stadt groß halten. Das ist es, was Stadt ausmacht.“ Er habe viel positive Resonanz bekommen, vor allem für die Skateausstellung, wie zum Beispiel: „Jetzt haben meine Eltern endlich verstanden, was skaten ist.“

„Stuttgart am Meer“ würde Raoul Grossmann persönlich in der Form nicht noch einmal machen. „Das hat super gut funktioniert, aber wir werden da das Rad nicht neu erfinden können“, sagt er. Das wäre aber sein Anspruch. Aber es wird nächstes Jahr sicher etwas Neues geben. Klar geworden ist aber: Stuttgart braucht unbedingt mehr Orte am Wasser.

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