Das Krautfest im Oktober wäre möglich. Doch seine Auferstehung ist ungewiss. Foto: Bulgrin/Archiv

Sommerfeste, Traditionstreffs, Sportevents: Theoretisch könnten viele Feste, die abgesagt wurden, nun doch gefeiert werden. Doch wie sieht es praktisch aus?

Region Stuttgart - Die Angelegenheit ist paradox: Da erfindet Esslingen eigens ein Open-Air-Sommerprogramm, das coronakonform am Neckarufer stattfinden kann. Und nun sieht es so aus, als hätten sich die Organisatoren sehr viele ihrer Sicherheitsgedanken ganz umsonst gemacht.

 

Verhaltene Freude

Mit der nächsten Coronaverordnung des Landes sollen von Montag an die Inzidenzwerte fallen – und damit auch Zugangsbeschränkungen für sämtliche Veranstaltungen. Doch, und auch das ist paradox, die Freude darüber ist noch relativ verhalten.

„Für das Sommer-Open-Air wäre das eine Verschlechterung“, hatte etwa Sibylle Tejkl, die Co-Geschäftsleiterin des Esslinger Kommunalen Kinos zunächst gemutmaßt. Das Kino ist für das Filmprogramm am Neckarufer zuständig, wo es seit Anfang Juli an drei bis vier Abenden pro Woche Lesungen, Konzerte oder eben Filme zu genießen gibt. Bislang brauchen die 200 zugelassenen Gäste keinerlei Nachweis zu erbringen, da die Inzidenz im Kreis Esslingen unter 35 liegt, brauchen die zugelassenen 200 Gäste pro Abend keinen Nachweis für ihre Ungefährlichkeit zu erbringen.

Dass das Land nun doch keinen teuren PCR-Test vorschreiben will, sondern Schnelltests für ausreichend erachtet, kommt nicht nur in Esslingen gut an. Neu überlegen werden sie aber wohl trotzdem müssen. Denn das Sicherheitskonzept sei für 200 Personen geplant und genehmigt worden. Womöglich reicht das nun nicht mehr.

Die Zielgruppe ist in Gefahr

Ekkehard Menninger hingegen ist sauer: „Das ist Erpressung“, schimpft der Betreiber des Dancing Park Palazzo in Freiberg am Neckar. Für den Besuch von Clubs und Discos schreibt das Land nach wie vor einen PCR-Test vor. Seit Anfang Juli hat der 64-Jährige seine Disco wieder geöffnet. Dass er bald mehr als die aktuell 300 Gäste pro Abend einlassen wird, glaubt er nicht, im Gegenteil: Zwei Drittel der Palazzo-Besucher, sagt er, seien nicht geimpft – darunter viele aus der Zielgruppe der 18- bis 30-Jährigen. Dass sie nun alle Geld für einen Test ausgeben, glaubt er nicht.

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Theoretisch könnten mit der neuen Verordnung nun auch viele jener Feste stattfinden, die die Kommunen vor Wochen meist schweren Herzens abgesagt haben. Der Markgröninger Schäferlauf zum Beispiel oder die Schorndorfer Woche und natürlich jede Menge Wein-, Altstadt- und Marktplatzfeste. Die neue Verordnung soll das theoretisch möglich machen. Praktisch jedoch dürfte sich am jetzigen Großveranstaltungskalender nicht viel ändern. Solche Großereignisse lassen sich weder logistisch noch finanziell kurzfristig reaktivieren, sagt Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt Esslingen, die es denn auch bei der Absage ihres Sommerfests belässt. Und nicht einmal von Festen, die noch nicht gestrichen wurden, lässt sich nun automatisch sagen: läuft.

Die Zeit ist knapp

Das Krautfest in Leinfelden-Echterdingen ist so ein Fall. Dort hat die Stadt im Juni entschieden, zweigleisig zu planen: Sollte das Feiern im Oktober nicht möglich sein, soll wie im vergangenen Jahr ein digitales Krautfest stattfinden.

Nun wird das Feiern zwar erlaubt, dennoch ist das analoge Krautfest kein Selbstläufer. „Die Veranstalter sind verunsichert“, sagt der Pressesprecher Thomas Krämer. Die Entscheidung über das Krautfest werde deshalb erst im September getroffen. Bis dahin sind auch die Details der neuen Verordnung klar, die ja erst an diesem Wochenende veröffentlicht wird.

Eine schwierige Entscheidung

Schon jetzt allerdings dürften sich nicht nur Echterdinger fragen, wie für ein Straßenfest Besucherkontrollen zu bewerkstelligen sind – und ob das Fest dann noch das Fest ist, das so beliebt ist.

Roy Fischer zum Beispiel. Der Organisator der Ludwigsburger Citylaufs hat entschieden, sein Event ein weiteres Mal zu verschieben – just am Tag, bevor die neuen Freiheiten ankündigt wurden. Natürlich, sagt er, hätte er überlegt, ob er sich anders entschieden hätte, wären die Regeln früher bekannt geworden. „Aber ich glaube nicht“, sagt er nun. Eine verlässliche Planung wäre trotzdem schwierig geworden – und eine kurzfristige Absage nicht auszuschließen gewesen.