Von klassisch schwäbischer bis zu internationaler Küche: Geschmacklich ist das Estival vielfältig aufgestellt. Aber wie sieht es preislich aus? Finden sich auf dem Esslinger Marktplatz auch Gerichte für den schmalen Geldbeutel?
Der kulinarische Anspruch beim Estival ist hoch. Mehr als ein einfaches Stadtfest – so wird das Event von den Veranstaltern angepriesen. Statt Pommes in Papier und Bratwurst im Brötchen bieten Gastronomen Speisen in Restaurantqualität an – zu Restaurant-Preisen. Gibt es dennoch Optionen im niedrigeren Preissegment? Was bekommt man für 15 Euro?
Angesichts der Auswahl fällt die Entscheidung nicht leicht. Eine Möglichkeit ist es, den gesamten Betrag in ein Gericht zu investieren. Damit lässt sich bei allen sieben Wirtsbetrieben auf dem Esslinger Marktplatz etwas finden. „Der rote Hirsch“ bietet zum Beispiel ein Röstbrot mit Landschinken und Pilzen für 14,90 Euro an. Auf der Speisekarte von „Kielmeyers Besen“ steht ein Schweizer Wurstsalat mit Bauernbrot für 13 Euro. „Fleischmann“ hat einen Ceasar’s Romana Salat mit Tomaten, Ei und Parmesan für 13,50 Euro im Angebot. Und dann ist da noch der Zwiebelzupfer von „Currles Culinarium“, eine gebackene Zwiebel mit Dip. Kostenpunkt: 14 Euro. Dafür hat sich Lotta Hoß entschieden. Die 21-Jährige aus Unterensingen, die eine Ausbildung zur Erzieherin macht, beschränkt aufgrund der Preise ihr Konsumverhalten: „Man holt sich dann halt nur ein Getränk und ein Essen.“ Dennoch könne sie sich vorstellen, in den folgenden Tagen ein weiteres Mal zu kommen – „dann vielleicht aber nur, um etwas zu trinken und das Ambiente zu genießen“.
Flanierbereich als Alternative
Die 15 Euro auf einen Schlag auszugeben, wäre ein Ansatz. Es geht aber auch anders. Für einen Beilagenkartoffelsalat bei „Currles Culinarium“ genügt ein Drittel der Summe. Inhaberin Annette Currle sagt, es sei nicht machbar, die Gerichte günstiger zu verkaufen. „Schließlich müssen wir einen kompletten Restaurantbetrieb für 13 Tage aufrechterhalten.“ Das sei mit Kosten von mindestens 100 000 Euro verbunden.
Nach dem Kartoffelsalat zum Auftakt sind in den sieben Lauben auf dem Marktplatz keine großen Sprünge mehr möglich. Eine Alternative bietet der Flanierbereich entlang der Stadtkirche. Dort gibt es bei der „Chipsery“ Kartoffelchips ab 6,50 Euro und bei „Oli’s Gaumenfreuden“ Pasta für acht bis zwölf Euro. Oder einen Taco Verdura mit veganem Käse und Gemüse für 5,50 Euro bei „Joe Peña’s“ – die Wahl für den zweiten Gang. Dass es sich um einen kleinen Happen handelt, bestreitet Betreiber Ioannis Siavilas nicht. Der Fokus liege bei „Joe Peña’s“ auf den Cocktails. Ein „Gin Basil Smash“ mit Basilikum und Limettensaft kostet dort zehn Euro. „Unsere Preise haben wir in diesem Jahr nicht erhöht“, sagt Siavilas und begründet das folgendermaßen: „Wir sind mit der Politik der Preiserhöhung inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem es viele schmerzt.“ Gleichzeitig habe er als Gastronom weiter mit steigenden Kosten zu kämpfen – ein Zwiespalt.
Mehreres zu probieren ist schwierig
Von den 15 Euro sind nach Kartoffelsalat und Taco noch 4,50 Euro übrig. Das reicht für einen Wiener Kipferl bei der Strudelmanufaktur Poushe als Dessert. Am Stand allerdings die Enttäuschung: Kipferl gibt es heute nicht. Deshalb wird das Budget doch noch gesprengt. Bei „Goodroll Buns Bakery“ fließen sieben Euro in eine Zimtrolle mit Schoko-Erdnuss-Creme.
Das Fazit: Für letztlich 17,50 Euro ist auf dem Estival durchaus etwas zu bekommen, aber wenn man diesen Betrag auf verschiedene Gerichte verteilt, bewegt man sich eher an den Rändern des Angebots. Und ein Getränk war wohlgemerkt nicht dabei. „Mich schrecken die Preise etwas ab. Mehrere Sachen zu testen, ist schwierig“, sagt der 29-jährige René Ocker aus Neuhausen. Den Eindrücken von Annette Currle zufolge ist die Herangehensweise, Essen an verschiedenen Ständen zu probieren, bei dem Event, aber auch nicht typisch. Die Gastronomin sagt: „Ich glaube, die meisten Leute wissen im Voraus, was sie essen wollen und suchen sich gezielt eine Laube für den Abend aus.“