Sommerferien in Stuttgart Waldheime: Die Konkurrenz wächst

Von Barbara Czimmer 

Mehr als 8000 Kinder verbringen einen Teil ihrer Sommerferien in einem der Stuttgarter Waldheime. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Mehr als 8000 Kinder verbringen einen Teil ihrer Sommerferien in einem der Stuttgarter Waldheime. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Waldheime müssen sich gegen immer mehr Ferienangebote durchsetzen, auch gegen die der Ganztagsgrundschulen. Kirchen und Stadträte empfehlen mehr Kooperationen.

Stuttgart - In knapp zwei Wochen beginnen die großen Waldheimferien in Stuttgart. Evangelische und Katholische Kirche, die Arbeiterwohlfahrt, die Jugendfarmen Süd und Elsental sowie die Diakonie Stetten sind Gastgeber, oftmals am Waldrand, immer jedoch mit viel Platz zum Spielen im Freien und mit professionellen Betreuern.

Doch die große Freiheit hat, zumindest in den großen Ferien, an Attraktivität verloren. Im vergangenen Jahr waren 8538 Kinder während der Sommerferien im Waldheim, 547 weniger als im Vorjahr. Das geht aus dem Jahresbericht 2017 hervor, der am Montag im Jugendhilfeausschuss vorgelegt worden ist. „Eine Ursache ist, dass die Ganztagsschulen lediglich an 23 Tagen geschlossen sind“, so Jörg Schulze-Gronemeyer, der in dem Gremium die Evangelische Kirche vertritt und einer der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Kinderstadtranderholung ist, in der die Anbieter von Waldheimferien zusammengeschlossen sind.

Grundschulen bieten ebenfalls Ferienbetreuung

Derzeit gibt es zwölf verbindliche Ganztagsschulen in der Stadt, bei 23 weiteren kann der Ganztag gewählt werden. Beiden gemein ist, dass während der Ferien eine Betreuung zwischen 7 und 17 Uhr angeboten wird. Die Kosten für die Betreuung betragen ohne Familien- oder Bonuscard 83 Cent pro Stunde. „Manche Rektoren sehen es als Problem, dass Eltern ihre Kinder nicht in die Waldheimferien schicken“, wandte Gabriele Nuber-Schöllhammer (Grüne) ein. Auch CDU-Stadträtin Iris Ripsam hält wenig davon, dass die Kinder auch ihre Freizeit an der Schule verbringen: „Es wäre doch gut, wenn die Ganztagsschulen hinausgehen würden in die Waldheime, die ja wunderschön im Grünen liegen.“

„Es stellt sich tatsächlich die Frage, wie sich Waldheime künftig aufstellen“, so Schulze-Gronemeyer. „Wir könnten durch ganzjährige Nutzung eine bessere Auslastung bekommen. Unser großes Anliegen aber wäre, Ganztagsschulen, Schüler von Schulprojekten oder Kinder während der kleinen Ferien in die Waldheime zu bekommen.“ Da Eltern, wenn sie die Ferienbetreuung an der Schule buchen, laut Bertram Wohlfahrt „alle Ferien buchen und bezahlen, wäre es vielleicht sinnvoll, diese Kosten mit den Waldheimkosten zu verrechnen“, schlug der Sprecher des Gesamtelternbeirats der freien Träger vor.

Programm auch bei Vereinen und Verbänden

2017 bezahlten Eltern ohne Familien- oder Bonuscard 85 Euro pro Waldheimwoche, drei Euro mehr als 2016. Die Einnahmenausfälle in Höhe von knapp 45 300 Euroaus der Familiencard bezahlt das Sozialamt an die Träger, die Bonuscard-Erstattung in Höhe von knapp 365 800 Euro leistet das Jugendamt. Insgesamt haben die Waldheime im vergangenen Jahr gut 1,2 Millionen Euro an Zuschüssen bekommen. Damit sind über die Betreuung hinaus viele Waldheime grundlegend saniert oder neu gebaut worden, etliche Küchen mussten aus Hygienegründen modernisiert oder komplett umgebaut werden.

Angesichts des damit geschaffenen Potenzials regten die Stadträte an, gesondert über die Ferienlandschaft zu beraten. Denn zu dieser gehören auch 83 mindestens einwöchige, ganztägige Veranstaltungen, die alternativ geboten werden – von unterschiedlichsten Trägern der Jugendarbeit. Weitere Feriensportangebote machen 19 Vereine, die ebenfalls über den ganzen Tag gehen. Auch die sollen in die Überlegungen zur Ausrichtung der Waldheime einbezogen werden.

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