Ann-Sophie und ihre Schwester Lea-Annik (von links) fertigen Hüte und Blumen aus unterschiedlichem Papier an. Foto: Annina Baur

Röcke, Gürtel, Handtaschen und sogar Schmuck: es gibt fast nichts, das nicht aus Papier hergestellt werden kann. Beim Sommerferienprogramm im Mercedes-Benz-Museum können sich Nachwuchsdesigner austoben.

Bad Cannstatt - Konzentriert rollt Lea-Annik das bunte Krepppapier zu langen, dünnen Schnüren, gibt einen Klecks Kleister darauf und rollt noch einmal fester. Schließlich flicht die Achtjährige einen Zopf und legt ihn um die Hutkrempe. Es wird noch eine Blume festgesteckt und dann muss der Föhn ran: Das elegante Gebilde, das sich auch beim Pferderennen in Iffezheim sehen lassen könnte, ist nämlich ebenfalls aus Pappmaschee und noch nass vom Kleister. So kann es unmöglich in wenigen Minuten bei der Modenschau auf dem roten Teppich auf dem Kopf präsentiert werden.

Die Modenschau ist der Höhepunkt der halbtägigen Workshops, die im Mercedes-Benz-Museum während der Sommerferien für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Drei Stunden lang werkeln die Nachwuchsdesigner zuvor an Röcken, Handtaschen, Gürteln, Kleidern, Ringen oder Hüten, die sie dann auf einem kleinen Catwalk Eltern und Besuchern des Automobilmuseums vorführen. „Es gibt eigentlich nichts, das man aus Papier nicht herstellen kann“, sagt Juliane Sonntag von der Kunstschule Unteres Remstal, die das „Designstudio Paperfashion“ gemeinsam mit zwei Kollegen leitet.

Vielseitiges Material

Nach einer kurzen Begrüßung zeigt sie den an diesem Tag ausschließlich weiblichen jungen Designerinnen zuerst einmal, was für ein vielseitiges Material Papier ist: „Zerdrückt ändert Papier seine Struktur und gerollt wird es so stabil, dass es auch eine Rolle Klebeband tragen kann“, sagt Sonntag. Mit Kleister lasse sich gefaltetes oder gerolltes Papier aller Art zusätzlich stabiler machen, sodass etwa Taschen, Gürtel und Ringe daraus hergestellt werden können, die bei pfleglicher Behandlung durchaus länger als einen Tag getragen werden können.

Im Mercedes-Benz-Museum zeigt Sonntag den Mädchen, wie sie aus mehreren Lagen Zeitungs- oder Packpapier die Grundlage für einen Gürtel oder einen Hut schaffen und dieses Gerüst zuletzt mit Krepp, Ton- oder Seidenpapier nach ihren Vorstellungen gestalten können. Für Sonntag zählt weniger das Endergebnis: „Wichtig ist, dass die Kinder ein Gespür für das Material bekommen und Abstraktionsvermögen entwickeln.“ Magdalena Kondilis jedenfalls ist beeindruckt: „Ich hätte nicht gedacht, dass Papier so stabil sein kann“, sagt die Zehnjährige.

Noch freie Plätze

Während in der Kunstschule Unteres Remstal bereits regelmäßig mit Papier gearbeitet wird, ist das Designstudio Paperfashion erstmals Teil des Sommerferienprogramms im Mercedes-Benz-Museum. Mode und Mercedes passten perfekt zusammen, begründet Anita Greiner, die Pressesprecherin des Museums, die Entscheidung: „So wie es in der Mode das Kleine Schwarze gibt, gibt es auch in der Welt von Mercedes-Benz solche Designikonen, der Flügeltürer 300 SL zum Beispiel.“

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