Das Sillenbucher Bädle war häufig ausgebucht – und trotzdem leer. Foto: Achim Zweygarth

Wegen Corona ist die Zahl der Besucher begrenzt. Doch auch wenn alle Karten ausgebucht waren, sind die Bäder manchmal leer. Andere Gäste können trotzdem nicht rein. Darüber ärgert sich eine Seniorin aus Heumaden. Sie wünscht sich mehr Flexibilität.

Filder/Stuttgart - Noch nie sind die Freibäder so leer gewesen wie in diesem Sommer. Der Grund dafür ist freilich nicht das Wetter, sondern die Corona-Pandemie. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln. Für die Freibäder bedeutet das, dass die Zahl der Besucher begrenzt ist und dass die Gäste ihre Tickets möglichst online reservieren sollen.

An manchen Tagen waren die Freibäder besonders leer, und das obwohl alle Karten weg waren. Das hat eine Seniorin aus Heumaden beobachtet und sich sehr darüber geärgert. „Ich bin 73 Jahre alt und zu 75 Prozent schwerbehindert. Ich will und muss schwimmen, um meinem Bewegungsapparat etwas Gutes zu tun“, sagt sie am Telefon. Zum Schwimmen gehe sie am liebsten ins nahe gelegene Sillenbucher Bädle. Doch in dieser Saison sei das so gut wie nie möglich gewesen. 70 Personen dürfen unter Corona-Auflagen gleichzeitig dort sein. Und meistens seien die Karten ruckzuck weg gewesen.

Bäderbetriebe wollen an dem aktuellen System festhalten

„An einem Nachmittag bin ich vorbeigefahren. Es war bewölkt, aber warm. Im Becken waren fünf Personen, und eine Mutter mit ihrem Kind lag auf der Wiese“, berichtet die Heumadenerin. Sie durfte trotzdem nicht rein, denn sie hatte kein Ticket. Die waren wieder einmal ausverkauft. „Die Frau an der Kasse erklärte mir, dass viele die Karten buchen und auch bezahlen, dann aber nicht kommen. Da könne man nichts machen“, sagt die Seniorin.

Sie räumt ein, dass die Mitarbeiterin in dieser Situation wirklich machtlos sei. Aber von den Bäderbetrieben wünscht sie sich mehr Flexibilität. „Schließlich ist an so einem Tag nicht damit zu rechnen, dass plötzlich noch 70 Leute ins Freibad kommen und die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können“, sagt sie und hofft auf eine Lösung für die Zukunft. „Corona wird uns wohl noch eine ganze Weile begleiten. Ich fürchte, dass es im nächsten Jahr ähnliche Auflagen für die Bäder gibt“, sagt die Heumadenerin.

„Es tut mir sehr leid, dass die 73-jährige Dame Schwierigkeiten hat, ein Ticket zu ergattern“ sagt Jens Böhm. Der Pressesprecher der Stuttgarter Bäderbetriebe ergänzt: „Es ist in der jetzigen Zeit wirklich unglaublich schwer, eine Lösung zu finden, die für alle passend ist. Wenn es kurzfristig keine Lockerungen gibt, werden wir an diesem System festhalten müssen, um sicherzustellen, dass wir die Auflagen der Corona-Verordnung für Bäder und Saunen einhalten.“ Es sei nicht umsetzbar, flexibel darauf zu reagieren, wenn alle Karten ausgebucht sind, ein Bad aber augenscheinlich nicht ausgelastet ist. „Denn jeder Gast mit einem gültigen Ticket kann selbst entscheiden, wann er während des gebuchten Zeitfensters das Bad betritt. Der eine kommt zum Beispiel direkt zu Beginn und bleibt auch bei Wind und Wetter volle sechs Stunden, und ein anderer wartet den Regen ab und kommt dann nur gegen Ende des Zeitfensters für zwei Stunden“, argumentiert der Pressesprecher. Allerdings sei es möglich, dass wenn zum Beispiel morgens ein Frühschwimmer nach zwei Stunden das Bad wieder verlasse, ein anderer Kunde sich nach einer kurzen Wartezeit ein Ticket für dieses Zeitfenster kaufe.

Erwachsene buchen für sich kostenlose Kinder-Tickets

Die Besucherbegrenzung werde von der Corona-Verordnung des Landes vorgegeben. „Da haben wir keinen Spielraum“, sagt Böhm. Aktuell dürfen im Freibad Rosental pro Zeitfenster 1050 Badegäste sein, im Freibad Möhringen sind es 650 Badegäste und im kleinen Sillenbucher Bädle eben nur 70. Zu Beginn der diesjährigen Freibadsaison am 15. Juni waren die Zahlen noch geringer.

Die Stuttgarter Bäderbetriebe haben in diesem Jahr für Vaihingen bisher etwa 87 000 Tickets verkauft, für Möhringen waren es rund 58 000 und für Sillenbuch knapp 11 000 Karten. Wie viele Menschen tatsächlich im Bad waren, lasse sich aber nicht beziffern, sagt Böhm. „Bei denjenigen, die zwar ein Ticket erworben haben und doch nicht ins Bad kamen, sind nicht nur die dabei, denen das Wetter zu schlecht war, sondern auch die Erwachsenen, die sich beispielsweise versehentlich als Kind unter sieben Jahren für null Euro gebucht haben. Die kommen natürlich dann nicht ins Bad“, erklärt der Sprecher.

Wann die Hallenbadsaison beginnt, ist offen

Vor dem Hintergrund der Pandemie seien die Bäderbetriebe mit der diesjährigen Auslastung sehr zufrieden. „Wir konnten seit dem Beginn der Freibadsaison vielen Badegästen eine Freude machen, und sehr häufig waren die Zeitfenster ausverkauft.“ Viele Bäder in der Region seien geschlossen geblieben, nicht so in Stuttgart. „Natürlich würden an heißen Sommertagen unter normalen Umständen in ein Freibad wie das Rosental pro Tag weit über 10 000 Menschen kommen. Aber es geht in diesem Jahr nicht um Rekorde, sondern darum, dass wir unseren Gästen ein Schwimmangebot machen können und dass sich keiner in unseren Bädern mit Corona infiziert“, sagt Böhm.

Die Freibadsaison endet zusammen mit den Sommerferien am 13. September. Wann dann die Hallenbäder wieder öffnen, steht noch nicht fest. „Momentan warten wir auf die aktualisierte Corona-Verordnung für Bäder und Saunen. Die darin verankerten Auflagen entscheiden darüber, wann was realisierbar ist“, sagt Böhm, er fügt aber auch hinzu: „Bundesweit steigen die Infektionszahlen, und es bleibt abzuwarten, ob es anstatt Lockerungen eher Verschärfungen gibt.“

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