Eine Konstruktion aus Stahl und Holz wird im Sommer in La Villette im Hafenbecken versenkt – fertig ist das Schwimmbad. Im Winter wird sie wieder abgebaut. Foto: Krohn

Im Pariser Stadtteil La Villette wird jedes Jahr im Hafenbecken ein provisorisches Schwimmbad aufgebaut. Der Andrang der Badegäste ist enorm. Die Politik verfolgt mit dem Bad nebenbei einen Plan.

Paris - Bademeister sehen alles. Ein unerlaubter Sprung vom Seitenrand, ein schriller Pfiff, unweigerlich folgt die scharfe Ermahnung. Auch französische Bademeister kennen keine Gnade – selbst in Paris nicht, wo strenge Regeln generell eher als interpretierbare Vorschläge zur gemeinsamen Lebensführung gesehen werden. Dabei haben die Jugendlichen so lange auf die Abkühlung warten müssen. Während der Gluthitze im Juni mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius in der Stadt wurde die „Baignade“ im Hafenbecken des Stadtteils La Villette noch montiert. Anfang Juli hat das schwimmende Freibad dann endlich geöffnet. Die Sonne sticht immer noch vom Himmel, der Andrang der Badegäste ist entsprechend groß.

Eine Konstruktion aus Holz und Stahl

Vor drei Jahren wurde die Konstruktion aus Holz, Plastik und Stahl im Hafenbecken von La Villette zum ersten Mal zu Wasser gelassen – und war sofort ein riesiger Erfolg. Über 100 000 Menschen kamen in zwei Monaten, um sich in die Fluten zu stürzen oder sich auf der angrenzenden kleinen Liegewiese in der Sonne zu aalen. An Wochenenden wird es allerdings zum Problem, dass aus Platzgründen nur 500 Gäste gleichzeitig in das Bad dürfen.

„Die gesamte Anlage ist 100 Meter lang und hat vier Becken mit verschiedenen Wassertiefen“, erklärt David Rigaudie, Chef der sechsköpfigen Riege von Bademeistern. Er sagt, dass viele Familien über Mittag in das Bad kommen würde. „Für die Kinder ist das hier natürlich das Paradies“, sagt Rigaudie. Eine Filteranlage für das Wasser aus dem Hafenbecken in La Villette gibt es nicht. Die Konstruktion besteht aus riesigen Stahlwannen mit Löchern darin, damit das Wasser durchfließen kann. Probleme mit der Wasserqualität gebe es nicht, versichert der Schwimmmeister. „Wir kontrollieren jeden Tag.“ Und dann fügt er noch hinzu: „An den überfüllten Stränden am Mittelmeer möchte ich nicht wissen, was da alles im Wasser schwimmt.“

Die Baignade de La Villette ist Teil eines großen Projektes der Stadtverwaltung, um in Paris die vernachlässigten Stadtteile für die Einwohner lebenswerter zu machen. Das Hafenbecken in La Villette mit seinen großen Wasserflächen, umringt von alten Bäumen und leer stehenden Gebäuden hat sich dafür geradezu angeboten. So finden dort immer wieder Wassersportveranstaltungen oder Musik- und Kunst-Events statt. Glaubt man der Polizei, hat die Zahl der Drogendealer in dem Umfeld bereits deutlich abgenommen. Gleichzeitig aber beginnt auch in La Villette die Diskussion über eine Gentrifizierung, da der Stadtteil im 19. Arrondissement inzwischen auch von jungen Leuten und Kunstschaffenden entdeckt wird.

Inzwischen wird auch der Ruf immer lauter, in der Seine selbst solche Badestellen einzurichten. Diesen Wunsch hat die Stadtverwaltung allerdings bis jetzt abschlägig beschieden. Dazu reiche die Wasserqualität in den Fluss noch nicht aus, heißt es aus dem Rathaus. Bis zu den Olympischen Spielen 2024 soll sich das aber grundlegend ändern – dann soll sich Paris als Stadt am Fluss mit Stränden und Bademöglichkeiten präsentieren.

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