Kippa-Träger bei einer Versammlung Foto: dpa

Am Samstag wird es in Stuttgart keine Demonstration gegen Israel geben. Die jüdische Gemeinde fühlt sich hier wohl, scheut aber auch die Diskussion nicht.

Stuttgart - Auch eine Nicht-Nachricht kann eine gute Nachricht sein. Die Nicht-Nachricht: In Stuttgart gibt es an diesem Samstag keinen al-Quds-Aufmarsch, also der Demonstration gegen Israel. Deshalb gibt es in Stuttgart für diesen Samstag auch keinen Aufruf, als Zeichen der Solidarität gegen diese Veranstaltung die jüdische Kopfbedeckung Kippa zu tragen.

Iran und al-Quds

In Berlin ist das anders: Dort findet an diesem Samstag ein al-Quds-Aufmarsch statt. Gegendemonstrationen sind angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen sind umfangreich, die Auflagen hoch. Der politische Aufruhr rund um diese Veranstaltung ist enorm. Im vergangenen Jahr gab es etwa 1600 Teilnehmer auf der al-Quds-Seite. Im August 1979 hat Ajatollah Chomeini im Iran Al-Quds als gesetzlichen Feiertag ins Leben gerufen. Seitdem wird dies zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan zum Anlass genommen, Vernichtungsdrohungen gegen Israel auszusprechen.

Der notwendige Diskurs

Der Stuttgarter Rabbiner Yehuda Pushkin begrüßt das solidarische Tragen der Kippa. Noch mehr aber freut er sich darüber, dass es an diesem Wochenende in Stuttgart keinen Anlass dazu gibt wie einen al-Quds-Aufmarsch. Was nicht bedeutet, dass er den Diskurs scheut: „Die Diskussion in der Öffentlichkeit ist für uns ganz wichtig. Und ja, da gibt es auch negative Reaktionen. Aber das ist in jeder Diskussion so. Wir Juden jedenfalls fühlen uns hier wohl und sind dankbar, dass die Öffentlichkeit viel Interesse an uns hat. Auch dann, wenn es mal nicht so gut läuft“, so Pushkin.

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Da sieht er auch keine Tendenzen zum Zwiespalt, wenn in Berlin etwa zum solidarischen Tragen der Kippa aufgerufen wird, in Stuttgart nicht: „Die Umstände in den östlichen Bundesländern sind anders als in den westlichen, auch in Berlin ist es anders als in Stuttgart – da wird man zu verschiedenen Einschätzungen der Lage kommen“, so Pushkin, „wir freuen uns hier auf jeden Fall, dass es bei uns so etwas wie diesen Aufmarsch nicht gibt.“

200 Jahre Synagoge in Esslingen

Pushkin: „Wir genießen deshalb die Möglichkeit, uns im Positiven einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen und nicht immer nur die Probleme zu betonen“. Ein solcher Anlass ist etwa das Jubiläumsjahr 200 Jahre Synagoge in Esslingen. Dazu gibt es an diesem Sonntag, 2. Juni, um 17 Uhr im Gemeindehaus am Blarerplatz die zentrale Festveranstaltung mit dem Chor „Die Taktlosen“ und der Gruppe „Assamblea mediterranea“.

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