150 bis 200 Menschen sind zu der Kundgebung gekommen. Foto: Sandra Lesacher

Bei einer bewegenden Kundgebung in Ludwigsburg fordern Redner klares Handeln gegen das iranische Regime. Oberbürgermeister Knecht spricht sogar von einem Militäreinsatz.

Die hereinbrechende Dunkelheit über dem Ludwigsburger Rathaushof, die Musik, die vielen Kerzen: Es ist eine anrührende Stimmung am frühen Freitagabend bei der Kundgebung für die Menschen im Iran.

 

Leute umarmen sich, man sieht, wie bewegt einige der Teilnehmer sind. Viele von den 150 bis 200 Menschen auf dem Platz sind Iraner. Sie haben in ihrer Heimat Freunde und Verwandte. Seit mehr als einer Woche haben sie nichts mehr von ihren Angehörigen gehört, wissen nicht, ob sie noch leben.

Iranisches Regime kappt Verbindungen

Die Kerzen symbolisieren die Opfer. Foto: Sandra Lesacher

Das iranische Regime hat seither alle Verbindungen gekappt. Nur wenige Nachrichten dringen nach außen. Die Proteste, die seit Ende Dezember andauern, werden brutal niedergeschlagen. Die Rede ist inzwischen von mehr als 12.000 Toten.

Diese Zahl ist eindrücklich mit Grabkerzen auf dem Rathaushof angeordnet. Viele weitere Kerzen stehen für die Opfer, ebenso wie Tücher mit roter Farbe. Sie sollen die Leichen auf den Straßen der iranischen Städte symbolisieren.

Die Kundgebung ging auf die Initiative von Arezoo Shoaleh, gebürtiger Iranerin und Ludwigsburger Grünen-Stadträtin, zurück. In einer bewegenden Rede betonte sie: „Schweigen war noch nie neutral.“

Sie erinnerte an die Kundgebungen, die vor drei Jahren anlässlich des Todes von Jina Mahsa Amini stattfanden. Sie war im September 2022 gewaltsam ums Leben gekommen. Die iranische Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie ihr Kopftuch nicht ordentlich trug.

„Damals“, so Arezoo Shoaleh, „haben wir gesagt: Verhandelt nicht mit dem Regime, schließt die Botschaften, listet die iranische Revolutionsgarde als Terroristen, schüttelt den Mullahs nicht die Hände, normalisiert und legitimiert sie nicht.“ Geschehen ist nichts.

Bei den aktuellen Protesten – Arezoo Shoaleh nennt sie Krieg – passiere weiterhin nichts. „Während im Iran Mütter die Leichen ihrer Kinder auf der Straße suchen, hat Europa vor allem eines getan: gesprochen.“ Diplomatie statt klarer Haltung stehe an der Tagesordnung. „Reicht es aus, Menschenrechte zu benennen, wenn wir sie nicht schützen?“

Knecht fordert Militäreinsatz im Iran

Deutliche Worte gab es bei der Kundgebung auch vom Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht. Er forderte vor allem Taten. „Worte sind schön, Solidarität ist schön. Aber so verraten wir das iranische Volk.“ Er habe im Vorfeld der Veranstaltung mit Landtags-, Bundestags- und Europa-Abgeordneten gesprochen. „Sie haben mich mandatiert, in ihrem Namen zu sagen, dass sie an der Seite des iranischen Volkes stehen.“

Knecht betonte, dass er aber auch Taten sehen wolle. „Es wird nicht ohne militärische Unterstützung gehen.“ Er forderte ein gezieltes, die Menschen im Iran möglichst schonendes militärisches Eingreifen innerhalb der nächsten Tage. „Wir brauchen ein Europa, das Weltgemeinschaft demonstriert.“