Nach dem Wohnungsbrand an der Urbanstraße hat Familie K. fast alles verloren. Eine Freundin sammelt Spenden – doch die Betroffenen denken jetzt an andere Brandopfer.
Die Angst ist immer noch da. Die sieben und neun Jahre alten Mädchen wachen nachts auf und krabbeln zu Mama ins Bett. Auch die ist angeschlagen. „Meine Freundin steht sehr unter Schock“, erzählt Mehtap Odabas, eine Nahestehende der Vierfachmutter. Was die erlebt habe, sei schlicht traumatisch. „Sie leidet“, momentan sei die Freundin von der Arbeit freigestellt.
Am 11. April ist das Leben der sechsköpfigen Familie K. aus den Fugen geraten. In ihrer Wohnung an der Urbanstraße in der Esslinger Innenstadt brannte es. Während die Eltern auf einer Hochzeit feierten und die beiden kleinen Töchter bei Oma und Opa schliefen, wurden die 16- und 18-jährigen Söhne von den Flammen überrascht. Ein Großaufgebot der Feuerwehr – 14 Fahrzeuge mit 55 Einsatzkräften – rückte gegen 20 Uhr an, nachdem Bewohner des viergeschossigen Altbau-Mehrfamilienhauses den Notruf gewählt hatten, auch ein Polizeihelikopter war im Einsatz. Von den sechs Personen, die sich zu dem Zeitpunkt im Gebäude gefunden hatten, wurde keine verletzt. Der Schaden ist jedoch immens und geht in die Hunderttausende. Auch die anderen drei Wohnungen in dem Haus sind derzeit durch das Löschwasser und den Rauch nicht nutzbar. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben laut Mehtap Odabas bei Angehörigen oder aber im Hotel.
Brand womöglich an Steckdose ausgebrochen
Wie Mehtap Odabas berichtet, hat die Familie K. quasi alles verloren. Was nicht verbrannt ist, wurde durch Wasser, Ruß und Rauch ruiniert. Kleidung, Spiel- und Schulsachen, Persönliches, Dokumente – alles weg. Die sechs Familienmitglieder sind auch bei Verwandten untergekommen. Während die Eltern und die Mädchen bei Oma und Opa wohnen, sind die Teenager-Söhne beim Onkel. An eine Rückkehr in die eigenen vier Wände ist laut Mehtap Odabas aktuell nicht zu denken. Mindestens neun Monate werde das noch dauern, berichtet sie. Vieles müsse noch geklärt werden. Zwar gingen die Fachleute nach ihren Informationen mittlerweile davon aus, dass das Feuer im Elternschlafzimmer womöglich an einer Steckdose mit einem eingesteckten, aber ausgeschalteten Elektrogerät entstanden sei, es habe aber auch eine Explosion gegeben, deren Herkunft aktuell noch unklar sei. Mehtap Odabas berichtet zudem von einem Riss im Kamin.
Familie hat keine Hausratsversicherung
Die Versicherung werde offenbar für die Schäden am Gebäude aufkommen, wie Mehtap Odabas weiter sagt, nicht aber fürs Inventar. „Sie haben keine Hausratsversicherung, leider“, erzählt sie, daher habe sie auf der Online-Plattform Go-fund-me eine Spendensammlung ins Leben gerufen. Viele Menschen hat das Schicksal der Familie berührt, denn die Spendenbereitschaft ist groß. Bis zum 20. April kamen gut und gerne 15 000 Euro zusammen. „Ich habe viele Mails bekommen von wildfremden Leuten. Da sind mir die Tränen gekommen. Viele fragen, wie sie helfen können“, berichtet Mehtap Odabas. Die Familie habe indes lang mit sich gerungen. „Die haben sich am Anfang geschämt. Meine Freundin hilft gern anderen, aber tut sich schwer, Hilfe anzunehmen.“
Die Spendenaktion für die Familie K. soll dieser Tage gelöscht werden, sagt Mehtap Odabas. „Sie ist sehr dankbar, aber möchte es beenden“, sagt sie über ihre Freundin. Der Grund: der Brand in Plochingen. Beim Feuer am 17. April haben ebenfalls mehrere Familien ihre Wohnungen verloren, eine Person wurde verletzt. Auch dazu gibt es eine Sammlung bei Go-fund-me. Die Familie K. will angesichts dessen nicht weiter Spenden für sich akquirieren, erklärt Mehtap Odabas, sondern lieber den Fokus auf die Betroffenen aus Plochingen lenken. „Meine Freundin hat gesagt, dass die Leute vielleicht schlimmer dran sind als sie selbst. Sie weiß, wie es sich anfühlt, alles zu verlieren.“