Die Stadt Stuttgart will die Sauna im Solebad Cannstatt aus Kostengründen schließen. Dagegen regt sich Protest. Eine Petition fordert nun den Erhalt des Angebots.
Für viele Besucherinnen und Besucher des Solebads Cannstatt (ehemals Mineralbad) war es eine bittere Nachricht: In absehbarer Zeit soll es dort keine Sauna mehr geben. Wie ein Sprecher der Stadt bestätigte, soll der Saunabetrieb aus Kostengründen dauerhaft eingestellt werden. Die Fläche im zweiten Obergeschoss ist künftig zur Vermietung an die Firma Nanz medico vorgesehen, die dort ihr Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR) erweitern möchte. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen kurz vor Weihnachten.
Das Solebad muss teilweise saniert und modernisiert werden. Wegen der angespannten finanziellen Lage der Landeshauptstadt Stuttgart blieben diese Maßnahmen im Doppelhaushalt 2026/27 jedoch außen vor. Geplant ist, den Badebereich künftig um ein Soledampfbad und eine Aromasauna zu erweitern. Die dafür benötigten Mittel wollen die Stuttgarter Bäder erst zum nächsten Doppelhaushalt 2028/29 erneut beantragen.
Mehr als 900 Unterschriften für Erhalt der Sauna
Nun regt sich Protest – sowohl aus der Bürgerschaft als auch aus der Politik. Mit einer Petition unter dem Titel „Für den Erhalt der Saunen im Solebad Cannstatt“ auf der Petitionsplattform We Act wurden bereits mehr als 900 Unterschriften gesammelt. Verfasser Mark Schwarz fordert darin, den Beschluss zur Erhöhung der Eintrittspreise, zur Einführung eines Wochenendzuschlags sowie zur Schließung der Sauna und zur Verpachtung der Fläche an das ZAR zurückzunehmen. Stattdessen solle das Solebad einschließlich der Sauna erhalten und saniert werden. „Gesundheit, Erholung und Gemeinschaft dürfen nicht unter Sparzwang geraten. Eine Stadt muss öffentliche Bäder als Daseinsvorsorge verstehen und erhalten, statt die Räume ihrer Funktion zu entziehen und zu privatisieren“, sagt der Stuttgarter Stadtsoziologe, der selbst regelmäßig das Solebad besucht.
Ihn stört, was die Stadt im Fall des Solebads politisch entscheidet: Sie treffe eine Haushaltsentscheidung, die unmittelbar in Alltagsroutinen eingreife. Der Saunabereich sei für viele ein stabiler Alltagsort, an dem Erholung, körperliche Entlastung, Gesundheitspraktiken und Gemeinschaft zusammenkämen – niedrigschwellig und ohne dass Teilhabe über Status oder hohe Ausgaben organisiert werden müsse. „Wenn die Stadt diesen Ort streicht, verschwindet nicht einfach ein Freizeitangebot, sondern eine regelmäßig gelebte Möglichkeit, sich in der Stadt zu regenerieren und einen verlässlichen öffentlichen Ort zu haben“, sagt er gegenüber unserer Zeitung.
Stadt hält an Schließung der Sauna fest
Ungeachtet dieser Kritik und der laufenden Petition hält die Stadt an dem Beschluss fest. Die Unterschriftenaktion habe keinen Einfluss auf die Entscheidung des Gemeinderats, heißt es von Seiten der Bäderbetriebe. „Trotz der laufenden Petition sind die Bäderbetriebe und die Landeshauptstadt verpflichtet, einen aktuell gültigen Gemeinderatsbeschluss umzusetzen“, heißt es in der Stellungnahme.
Aus Sicht der Stadtverwaltung bleibt das Saunaangebot in Stuttgart dennoch ausreichend. Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau hält das Angebot auch nach einer Schließung der Sauna im Solebad weiterhin für attraktiv: „Trotz der Einstellung des Saunabetriebs im Solebad Cannstatt in einigen Monaten bieten die Stuttgarter Bäder ihren Gästen jetzt und in Zukunft ein attraktives Saunaangebot“, sagt er unserer Zeitung. „Durch den geplanten Ersatzneubau des Hallenbads Zuffenhausen entsteht mit der Inbetriebnahme 2029 im nördlichen Stadtgebiet eine attraktive und klimaneutrale Sauna.“ Das Sauna- und Wellnessangebot im Leuze sowie im Mineralbad Berg strahle auf die ganze Stadt aus. Für die Stadtmitte sowie das westliche und südliche Stadtgebiet stehe zudem die Sauna im Stadtbad Heslach zur Verfügung.
Ruf nach geschlechtergetrennter Sauna im Leuze
Faktisch gibt es derzeit nur in den städtischen Bädern Bad Berg und Solebad die Möglichkeit, geschlechtergetrennt zu saunieren. Dies nehmen die Gemeinderatsfraktionen Die Linke SÖS Plus und PULS, Die Stadtisten, Die Partei sowie die Klimaliste zum Anlass, die Entscheidung der Stadt ebenfalls zu kritisieren. „Mit der Schließung der Damen- und Herrensaunazeiten im Solebad Cannstatt fällt ein wichtiges Angebot weg“, heißt es in einem Antrag. Kompensiert werden solle dies durch Saunazeiten nur für Frauen, nur für Männer und nur für queere Menschen im Mineralbad Leuze. „Gemischte Saunen werden in der Praxis häufiger von Männern genutzt, was zu einem Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Sauna führt“, begründen die Fraktionen ihren Antrag. Eine Antwort darauf steht noch aus.