Freischwimmer Wilgald Boning bei seinem täglichen Bad. Foto: Henning Kaiser/dpa

Kolumnist KNITZ über famose Leistungen und die gern gestellte Frage nach dem Sinn des Tuns.

Der Extremsportler Jonas Deichmann ist vor einigen Monaten an 120 Tagen in Folge jeden Tag 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer Rad gefahren und 42,195 Kilometer gelaufen. Wer wissen will, warum er das getan hat, braucht nicht mal das Buch zu lesen, das Jonas Deichmann darüber verfasst hat. Es reicht ein Blick auf den Buchdeckel: „Weil ich es kann!“

 

Das mag im ersten Moment arrogant klingen. Wer Jonas Deichmann reden hört, merkt schnell, dass er von Hochnäsigkeit weit entfernt ist. Der gebürtige Stuttgarter Deichmann ist, vereinfacht gesprochen, ein ehrgeiziger Mann, der das Abenteuer zu seinem Beruf gemacht hat und von seinen Vorträgen inzwischen auskömmlich lebt.

Insofern ist das Tun von Jonas Deichmann durchaus sinnstiftend. Mindestens so sinnstiftend wie das Aufeinandertreffen von 18 Erstligafußballmannschaften an den Wochenenden.

Ein Herr, der ebenfalls einer nicht ganz gewöhnlichen Tätigkeit nachgeht, ist der Komiker Wigald Boning. Auch wenn er sportlich in einer anderen Liga als Jonas Deichmann spielt, neigt er bei Leibesübungen zu einem gewissen Extremismus. Im Juli des Jahres 2007 fuhr Boning in 24 Stunden auf dem Rennrad 600 Kilometer von Füssen nach Venedig. Seit dem Sommer 2022 nimmt er jeden Tag in einem öffentlichen Gewässer ein Bad – und stellt die Filmchen, die dabei entstehen, ins Netz.

KNITZ schaut sich täglich die Videos von Wigald Boning an. Zum einen zieht er als gebürtiger Warmduscher den Hut vor dem kühnen Mann. Zum anderen schätzt er den menschlichen Humor des Komödianten, der sich auch selbst auf die Schippe nimmt.

Als Reinfall jedenfalls kann man die Wasserspiele nicht verstehen. Wigald Boning hat über sein Schaffen ein Buch mit dem inspirierenden Titel „Herr Boning geht baden. Ein Jahr, 365 Badetage, und was ich dabei über Schwimmen, Leben und tolle Hechte lernte“ verfasst. Außerdem berichtet er bei Bühnenauftritten regelmäßig von seinen unerschöpflichen Erfahrungen.

Vor Kurzem schwamm Wigald Boning im Starnberger See und erzählte, dass er von Leuten gebeten wurde, seine Prominenz doch zu nutzen, um damit etwas Sinnvolles anzustellen. Was besagte Damen und Herren als sinnvoll erachten, sagte Wigald Boning nicht. Womöglich, unterstellt KNITZ, stammt die Forderung von Menschen, die erwarten, dass der Unterhalter Boning endlich mal ein Bekenntnis zum Artenschutz oder zum Weltfrieden ablegt.

Egal was sie fordern, KNITZ findet die an Wigald Boning herangetragene Bitte merkwürdig – und er hegt den Verdacht, das da jemand nicht genau hingeschaut hat, was der Boning im Wasser so treibt.

Abgesehen davon, dass KNITZ bezweifelt, ob ein (von ihm unterstelltes) Bekenntnis dem Artenschutz oder dem Weltfrieden hilft. KNITZ misst einen Komiker daran, ob er komisch ist. Das Kriterium erfüllt Herr Boning in seinen Augen mit jedem Wassergang.

Am 12. Januar 2025 tritt Wigald Boning übrigens im Stuttgarter Theaterhaus auf. Vor seinem letzten Gastspiel nahm er im Max-Eyth-See ein Bad. Woraufhin im Netz und in der örtlichen Presse diskutiert wurde, ob das überhaupt erlaubt sei.