Das Handy mit Solarenergie aufladen – ist das ein Beitrag zur Energiewende? Foto: Adobe Stock/Dmitry Galaganov

Viele Alltagsgegenstände wie Ventilatoren, Taschenrechner oder Ladegeräte fürs Handy haben integrierte Solarmodule. Doch wie sinnvoll sind sie?

Stuttgart - Ob Rucksäcke, Spielzeug, Wohnmobil, Powerbank, Küchenwaage oder Zaun: Solarmodule werden in vielen Gegenständen verbaut. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Wo werden Solarmodule überall integriert?

Wer nachhaltig leben und ökologisch konsumieren will, sieht sich mit allerlei Solarprodukten konfrontiert und umworben: Rucksäcke, Handyladegeräte, Powerbanks, Taschen- und Leselampen, Küchenwaagen, Deko, Spielzeuge und natürlich der Klassiker: Taschenrechner. Die Liste der Alltagsgegenstände mit integriertem Solarmodul wird immer länger. Dabei sprechen Experten von „device-integrated photovoltaics“, wie Holger Neuhaus vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg erklärt. Demgegenüber stehen die „building-integrated photovoltaics“: Dazu zählen die klassischen Solaranlagen auf Hausdächern, aber auch kleine Anlagen auf Balkonen, Gewächshäusern, Zäunen oder anderweitige in Gebäude integrierte Module. Auch mit der Integration in Autos und Wohnmobile beschäftigt sich das Freiburger Institut.

Wie kommt es, dass immer mehr Solarprodukte angeboten werden?

Das liegt hauptsächlich daran, dass der Preis für Solarpaneele in den letzten Jahren stark gesunken ist. Ralf Kleinknecht von der Ludwigsburger Firma Solar Consult erklärt: „Heute kostet ein Modul nur noch etwa zehn Prozent des Preises von vor zehn Jahren.“ Früher habe man aufgrund der hohen Kosten auch 100 Prozent des möglichen Energieertrags erreichen wollen. Den höchsten Ertrag erzielen die Module nun mal auf Hausdächern, weshalb sie hauptsächlich dort verbaut wurden. Mittlerweile sei eine Solaranlage durch den gesunkenen Preis aber auch an Stellen lohnenswert, an denen der Ertrag niedriger ist – zum Beispiel an Fassaden, Zäunen oder eben in Alltagsgegenständen.

Ist es sinnvoll, ein Solarprodukt zu kaufen?

Das kommt auf verschiedene Faktoren an, erklärt Holger Neuhaus vom Fraunhofer-Institut: „Grundsätzlich würde ich alle diese Produkte erst mal für sinnvoll halten.“ Allerdings mit einigen Einschränkungen: An erster Stelle spiele der Verbrauch des jeweiligen Gegenstands eine Rolle, der mit der erzeugten Energie betrieben werden soll: „Bei einem Taschenrechner macht das Sinn, weil dessen Verbrauch sehr gering ist.“ Bei anderen Geräten wie einem Smartphone ist der Verbrauch allerdings höher; somit steigt auch die Ladezeit in der Sonne. Eine weitere Einschränkung: Ein Produkt mit eingebautem Solarmodul sei nur dann ein sinnvoller Kauf, wenn dieses auch zur Anwendung kommt – also regelmäßig der Sonne ausgesetzt wird. Für einen Outdoor-Rucksack, mit dem lange Wanderungen unternommen werden, trifft das zu. „Aber nicht jeder Schulranzen braucht eine integriertes Solarmodul“, ergänzt Franz Pöter vom Industrieverband Solar Cluster. Außerdem sind sich beide Experten einig: Vor jedem Kauf sollte man sich die Frage stellen, ob man das Produkt überhaupt braucht – das ist womöglich bei Gegenständen wie solarbetriebenen Deko-Wackelblumen nicht der Fall.

Ab wann lohnt sich der Kauf eines Solarprodukts?

Bei dieser Frage lautet das Schlüsselwort „Amortisation“: Es beschreibt, ab wann der Kauf sich rentiert. Unterschieden wird dabei zwischen der finanziellen und der energetischen Amortisation. Die finanzielle Amortisation beschreibt, ab wann die Kosten für den Kauf wieder ausgeglichen sind durch die Ersparnisse, die entstehen, weil man den Strom selbst produziert hat und nicht einkaufen musste. Ralf Kleinknecht von Solar Consult gibt ein Beispiel: Für den von ihm vertriebenen Solarzaun rechnet er mit einer finanziellen Amortisation nach etwa zehn bis zwölf Jahren. Die energetische Amortisation beschreibt dagegen, wann ein Solarmodul die Menge an Energie erzeugt hat, die für seine Herstellung nötig war. Bei den meisten Solarmodulen rechnet Holger Neuhaus bereits mit einer energetischen Amortisation nach zwei Jahren: „Das ist aber abhängig davon, wie viel Sonne das Modul abbekommt.“ Außerdem sei zu bedenken, dass die Lebenserwartung eines Alltagsgegenstands deutlich kürzer sei als die einer Dachanlage, die 25 bis 30 Jahre lang genutzt werden kann.

Leisten Solarprodukte einen Beitrag zur Energiewende?

Franz Pöter vom Solar Cluster ist davon nicht überzeugt: „Kleine Anwendungen wie Ladegeräte, Ventilatoren oder Ähnliches sind zwar nett, machen aber nicht die Energiewende aus.“ Es sei gut, dass die Solartechnologie im Alltag der Menschen angekommen sei. Kleine Solarprodukte seien aber eher ein Beitrag zur eigenen nachhaltigen Lebensführung als zur Energiewende. „Da beginnt vielleicht die individuelle Energiewende, aber ausschlaggebend bleiben die großen Kraftwerke.“

Kann man mit einem Solarprodukt seinen CO2-Fußabdruck verringern?

Pressereferentin Silke John vom baden-württembergischen Landesumweltministerium stellt auch das infrage: „Ob ein solches Produkt wirklich zu CO2-Einsparungen führt, hängt von vielen Faktoren ab.“ Unter anderem müssten die Herstellung, der Transport und die Entsorgung des Moduls in die Bilanz einberechnet werden, nicht nur die erzeugte Energie. Dazu gibt es bisher keine Zahlen. Wichtig ist, beim Kauf aber darauf zu achten, dass die Produkte nicht eingeflogen oder verschifft, sondern in Europa oder noch besser in Deutschland hergestellt wurden.