Die Bahn lässt die große Möglichkeit, ihre Gebäude für die umweltfreundliche Energieproduktion zu nutzen weitestgehend ungenutzt. Das Unternehmen verweist auf „strategische Probleme“.
Die Bahn hat ehrgeizige ökologische Pläne, als eine der größten Stromverbraucherinnen der Republik will sie bis 2040 klimaneutral werden. Um das Ziel zu erreichen kommt es nach Ansicht des Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel aus Nürtingen „darauf an, dass sie möglichst schnell aus den Lieferverträgen für Strom aus Kohlekraftwerken aussteigt und eigene Anstrengungen unternimmt, um die verfügbare Menge an Ökostrom schnell und massiv steigen zu lassen“. Gerade „Dächer und Freiflächen auf Bahnhofsarealen“ bieten seiner Meinung nach das Potenzial für größere Solarstromanlagen. Auch die Bahn selbst ist dabei, es untersuchen zu lassen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Kosten und Förderung – Was kostet eine Photovoltaikanlage?
Nur drei Photovoltaikanlagen bei der Bahn
Das Zwischenergebnis der internen Prüfung, das Gastel gerade beim Bundesverkehrsministerium erfragt hat, ist jedoch ernüchternd. Der Staatskonzern, der bundesweit 5400 Bahnhöfe betreibt, hat nur auf drei davon eigene Photovoltaikanlagen installiert – schon seit 2003 auf dem Glasdach des Berliner Hauptbahnhofs, später in der Lutherstadt Wittenberg und im nordrhein-westfälischen Horrem. Hinzu kommen noch insgesamt elf Freiflächen, die die Bahn zur Solarstromerzeugung verpachtet hat – unter anderem an den Bahnhöfen Plauen, Landshut, Vilshofen, Hameln und Solingen. Als Begründung dafür, warum Solaranlagen oft nur „schwer umsetzbar“ seien, werden betriebstechnische Ursachen, der Denkmalschutz und statische Bedenken genannt.
Aktuell befinden sich nach den Ministeriumsangaben 13 weitere Bahnhöfe in der internen Prüfung, an weiteren zehn steht sie noch aus. Der Südwesten spielt in diesen Überlegungen aber offenbar gar keine Rolle.
Trotz viel Sonne keine Anlagen im Südwesten
„In Baden-Württemberg befindet sich derzeit keine Photovoltaikanlage in Betrieb oder in der Planung“, heißt es im Schreiben des zuständigen Bahnministeriums an Gastel, der dafür kein Verständnis hat. „Wir wissen, dass wir in Baden-Württemberg besonders von der Sonne verwöhnt werden“, so der Nürtinger Bundestagsabgeordnete gegenüber unserer Zeitung: „Aber ausgerechnet bei uns gibt es keine einzige Solaranlage auf Bahnhofsflächen, und es ist auch keine in Planung. Das muss sich schnell ändern.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Wie man auf dem Balkon Strom erzeugt: Mini-Kraftwerk senkt Energierechnung