Niklas Tarnat, Mittelfeldspieler beim SGV Freiberg, ist der Sohn des Ex-Bayern-Profis Michael Tarnat. Er verrät, wie der große Name Lust und Last zugleich ist.
Wer etwas über das besondere Verhältnis von Niklas Tarnat und seinen Vater erfahren will, der muss sich nur den linken Oberarm des Fußballers anschauen: Ein Tattoo zeigte Niklas als Kind, Hand in Hand mit seinem Vater Michael, der sein Trikot mit der Nummer 18 trägt. Die beiden blicken auf das Münchner Olympiastadion, im Hintergrund sieht man die bayrischen Alpen. Das Bild hat er vergangenen Winter in zwei Tagen stechen lassen – als Liebesbeweis. „Das ist ein Motiv, das mir immer gefallen wird, und ich bin stolz auf meinen Vater“, sagt Niklas Tarnat bei einem Kaffeegespräch in einer Freiberger Bäckerei.
Michael Tarnat, heute 54, war nicht der populärste Profi, blickt aber auf eine Erfolgsgeschichte zurück: Mit den Bayern hat er vom Welt- bis zum Ligapokal alle Trophäen gewonnen, die ein Klub gewinnen kann. 19 Einsätze hatte er für die Nationalelf, seine Freistöße waren gefürchtet, und als kompromissloser Linksverteidiger verdiente er sich den Spitznamen Tanne. Legendär war sein Auftritt als Torhüter im Spiel der Münchner gegen Eintracht Frankfurt im September 1999, als beide Keeper verletzt waren und er 30 Minuten den Kasten hütete.
Sein Sohn verdient sein Geld auch mit Fußballspielen, hat es im Ranking bislang erst auf zwei Einsätze in der 2. Liga bei Hannover 96 gebracht. Niklas ist im Reinen mit seiner Karriere, war neben Hannover noch bei Rot-Weiß Essen und 1860 München. Jetzt also Freiberg.
„Ich bereue keinen Schritt, den ich in meiner Laufbahn gemacht habe“, sagt er. Aber natürlich ist da immer der Vergleich mit dem großen Vorbild. In Fußballerfamilien lasten die Großtaten der Vorfahren oft schwer auf den Schultern des Nachwuchses. Nur selten gelingt der Sprung aus dem langen Schatten der Väter. Das ist bei den Tarnats nicht anders.
Bei den Bayern nahm er Namen der Mutter an
Den Erfolg bekommt man nicht automatisch in die Wiege gelegt. Einen bekannten Namen zu tragen war für ihn Fluch und Segen zugleich. Als er in der Jugend beim FC Bayern begann, hieß er Niklas Lohmann und verwendete den Mädchennamen seiner Mutter. „Damit nicht jeder sagen konnte, der spielt nur hier, weil er Tarnat heißt“, erzählt der gebürtige Münchner. Gleichzeitig profitierte er von den Tipps des Vaters, der damals Sportlicher Leiter der FCB-Jugendabteilung war. Sein Talent war durchaus respektabel, aber doch schon entfernt von der Veranlagung von Michael Tarnat.
Niklas Tarnat wehrt sich schon deshalb gegen Vergleiche, weil der Papa Linksfuß war und in der Abwehr gespielt hat. Der 26-Jährige behandelt sein Spielgerät lieber mit dem rechten Fuß und zieht seine Kreise im defensiven Mittelfeld.
Bernhardiner Günter gehört zur Familie
Niklas Tarnat, ein Familienmensch. Das war einer der Gründe, weshalb er nach seiner erfolgreichen Saison bei Rot-Weiß Essen nicht verlängerte und wieder nach München wollte. „Meine Familie und mich verbindet viel mit dieser Stadt“, sagt er. Klar, dass der Mittelfeldspieler 2023 das Angebot der Löwen aus der 3. Liga annahm. Geschwister hat er keine, aber die Tarnats haben mit dem Bernhardiner namens Günter ein weiteres Familienmitglied. Sportlich hat es leider nicht geklappt. Nach vielen Einsätzen in der Vorrunde wechselte der Trainer und das Management, und Tarnat war plötzlich nicht mehr gefragt. Also zog er weiter und wohnt jetzt mit seiner Partnerin Sandy in Korntal-Münchingen.
Kennengelernt haben sich die beiden in Essen. Sie ist in einem Jahr zweimal mit ihm umgezogen. „Zum Glück ist sie bei einem großen Unternehmen angestellt, kann im Homeoffice arbeiten und musste nicht jedes Mal den Job wechseln“, sagt Niklas Tarnat. Es ist schwer für ihn, irgendwo Wurzeln zu schlagen. In der Regionalliga gelten die Verträge oft nur für ein Jahr. In Freiberg läuft es. Tarnat ist Stammspieler und eine Stütze des Teams. „Er ist sehr ballsicher und tut unserem Spiel sehr gut“, sagt Coach Roland Seitz, der aber noch hinterher schiebt: „Fragen Sie ihn mal, wie viele Tore er schon für uns geschossen hat?“ Da steht nämlich die Null. Tarnat kennt diese Sprüche von Coach Seitz aus dem Training – denn auch da lässt seine Treffsicherheit zu wünschen übrig.
Aus Niklas Tarnat wird wohl kein Torjäger
Bei all seinen Stationen im aktiven Bereich hat er erst zwei Tore gemacht. „Da habe ich sicher Nachholbedarf, aber ich bin dann auch zufrieden, wenn ich die entscheidende Vorlage gebe, wie zuletzt beim 1:0 gegen Hessen Kassel“, sagt er. An diesem Samstag geht es zur U23 von Eintracht Frankfurt, und nach dem ersten Heimsieg wollen die Freiberg jetzt den zweiten Sieg in Serie nachlegen. „Mir gefällt unsere Spielanlage, nur die Punktausbeute stimmt noch nicht“, sagt Niklas Tarnat, der auch schon in die Zukunft blickt.
Sein Hobby hat er bereits zum Beruf gemacht. „Ich fange jetzt mit den Trainerscheinen an und würde später gerne als Jugendtrainer arbeiten“, sagt er. Wie der Vater so der Sohn, denn Michael Tarnat hat nach den Bayern bis 2022 auch die Nachwuchsakademie von Hannover 96 geleitet. „Jetzt ist der Papa quasi verdienter Frührentner und Golfer“, sagt Niklas Tarnat.
Stichwort Golf. Das ist schon wieder ein Bereich, wo der Vater ein bisschen besser spielt als der Junior. Aber es ist zumindest ein Hobby, das die beiden zusammen machen können – am liebsten in Garmisch. Das wäre doch auch ein schönes Motiv für ein weiteres Tattoo.