Virtuell zum Beispiel an einen Strand auf Kauai: Softwareentwickler kreieren abstrakte Modelle. Foto: FTI Frosch Toristik GmbH

Anstatt zu programmieren modellieren Entwickler künftig Software. Dazu werden Abstraktionsvermögen und Kreativität vorausgesetzt.

Die junge IT-Branche sollte bewährte Ansätze aus etablierten Industrien übernehmen, um schnell qualitativ hochwertige und kostengünstige Software entwickeln zu können. Der globale Wettbewerbsdruck zwinge die Softwarehäuser dazu, so der IT-Branchenverband Bitkom.

„Bei der Softwareentwicklung macht man sich zunehmend effiziente Mechanismen zu eigen, die ihren Ursprung in der Entwicklung von Ingenieurprodukten haben“, sagt Dr. Peter Liggesmeyer, wissenschaftlicher Direktor am Fraunhofer-Institut Experimentelles Software-Engineering inKaiserslautern, zugleich Inhaber des Lehrstuhls Software Engineering Dependability im Fachbereich Informatik der Technischen Universität Kaiserslautern. Unter ingenieurmäßiger Softwareentwicklung versteht Liggesmeyer die Anwendung von Techniken wie Standardisierung und Automatisierung in der Erstellung von Komponenten, Wiederverwendung von Standardkomponenten und reife Prozesse, die der Softwarequalität dienen.

Das hat Auswirkungen auf die Arbeit von Softwareentwicklern. „Sie müssen weniger Programmsprachen beherrschen, als vielmehr sich mit höheren Modelliersprachen auskennen.“ Wasdie Skills von Softwareentwicklern von morgen betrifft, geht Liggesmeyer von einem höheren Abstraktionsniveau aus – und einer stärkeren Arbeitsteilung: „Die Fähigkeit zu codieren wandert immer stärker ab in Richtung IT-Ausbildungsberufe. Probleme zu durchdringen und diese geeignet zu modellieren, ist die akademische Expertise von Informatikern.“

Die Pass Consulting Group in Aschaffenburg entwickelt nicht, sie produziert anhand moderner Verfahren individuelle Geschäftsanwendungen. Sie werden bis zu 80 Prozent aus wiederverwertbaren Komponenten in der Pass Software Factory generiert. Die Fabrik ist ein Entwicklungsparadigma, in dem möglichst viel automatisiert ist. Deshalb kann das Unternehmen Individualsoftware zum Preis von Standardsoftware anbieten. Bei Pass verplempern hoch qualifizierte Softwareentwickler ihre Zeit nicht mehr mit der Umsetzungvon Modulen: sie entwickeln Modelle. Die Programme entstehen quasi auf Knopfdruck am Generator der Software Factory.

Timo Bozsolik ist einer der modernen Softwareentwickler in Aschaffenburg. Der 25-Jährige hat sein Informatikstudium im März 2010 abgeschlossen, einen Monat später bei Pass im Bereich Forschung und Entwicklung angefangen. „Ich entwickle 3-D-Prototypen, beispielsweise Interfaces als neuen digitalen Weg zum Kunden, etwa ein virtuelles Reisebüro.“ Das Rundumpaket vernetzt Life-Bildervom Reiseziel, Informationen über Land und Leute und es können Flüge gebucht werden. Alles, was Routine und deshalb eintönig ist, wie die Codes der Buchungsschritte für Flug oder Hotel, kommen aus der Factory. „Dadurch kann ich mich auf die wirklich spannenden Aufgaben konzentrieren, nämlich abstrakte Modelle zu generieren.“ Dafür seien vor allem analytisches Denken und Verständnis für das fachliche Modell notwendig. Das einewürde im Studium vermittelt, Branchenwissen müsseman sich selbst aneignen.

Das macht durchaus Sinn, denn Software ist ein Zukunftsmarkt auch in der Beschäftigung. Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Bildung und Personal beim Bitkom in Berlin, schätzt, dass von den 840.000 Beschäftigten in der IT-Branche etwa 280.000 Softwareentwickler sind. Und mit dem erheblichen Wachstum in der Softwarenachfrage steigt der Bedarf an Entwicklern.

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