Macho, Memme, Sex-Muffel, Jammerlappen, Männerschnupfen: Der neue Mann ist ein vielfältig beanspruchtes Wesen. Foto: dpa

Der harte und starke Mann, der sagt, wo es langgeht – das war einmal. Der neue Mann ist einfühlsam, sensibel und verständnisvoll. Damit aus dem Macho keine Memme wird, muss Man(n) um seine Stärken und Schwächen wissen. Hier einige Tipps.

Stuttgart - Männer sind wehleidiger als Frauen, jammern beim leisesten Anflug eines Schnupfens und verfallen beim kleinsten Wehwehchen gleich in Selbstmitleid und Trübsinn. Alles nur Klischees, werden Männer jetzt sagen. Stimmt genau, werden Frauen antworten. Was nun ist richtig? Um Näheres über den Mann in uns zu erfahren, sollte Man(n) wissen, welche typischen Männerkrankheiten dem starken Geschlecht zu schaffen machen.

b>Männer und Jammern

„Der Mann im Allgemeinen neigt zu Übertreibungen. Eine Veranlagung zum Hypochonder ist quasi angeboren“, heißt es auf einer Webseite zum Thema „Artgerechte Haltung von Männern“. Das starke Geschlecht – eine Ansammlung von Jammerlappen, Warmduschern und Weicheiern?

Maskuline Hypochondrie ist allen feministischen Spöttereien zum Trotz eine ernst zu nehmende Krankheit. Man(n) leidet unter der ausgeprägten Angst, krank zu sein, ohne dass es dafür einen organischen Befund gäbe. Männliche Hypochonder schlurfen mit Leidensmiene durch die Gegend, fühlen sich zu schwach, um sich aufzuraffen und die gefühlt letzten Augenblicke sinnvoll zu nutzen.

Männer und Schnupfen

Mit Männerschnupfen sollte man nicht spaßen. Bei „Nuppilein“ (Männerschnupfen im Ruhrpott) hört der Spaß auf. Was mit einem Kratzen im Hals anfängt, wird schnell zum elend empfundenen Zustand, über den permanent gejammert und schwadroniert wird.

Eben noch ein Held, sehnt Man(n) sich jetzt nach Zuspruch und Trost. Er verfällt in Selbstmitleid, was der genervten Partnerin einiges an Geduld abverlangt.

Männer und Sex-Muffel

Es gibt Themen, über die Man(n) nicht gerne spricht. Dies ist so eins. Von sexueller Dysfunktion oder Funktionsstörung spricht man, wenn es sexuell nicht so läuft, wie es sollte, und die eigenen Ansprüche (oder die der Partnerin) an ein erfülltes Sexualleben unerfüllt bleiben.

Die für viele Männer existenzielle Frage im Bett danach „Und, wie war ich, Schatz?“ kann zum tiefen Zerwürfnis in der Partnerschaft führen. „Lass uns schlafen!“ Mit einer solchen Replik der Frau kann jede Beziehung augenblicklich schockgefroren werden.

Der Macho im Mann – das wissen Männer am besten – ist eigentlich nur Fassade. Dahinter steckt immer eine empfindsame und verletzliche Seele.

Männer und ihr Ego

Abdomen (auch Dad Bod oder Wampe genannt) meint in der Medizin den Bereich des Rumpfes zwischen Brustkorb und Becken. Dass das abdominale Ego des Mannes an seinem Bauchumfang hängt, würden die meisten Vertreter dieser Spezies nie offen zugeben.

Aber träumt nicht jeder Mann von einem Waschbrettbauch? Je größer der Bauchumfang ist, desto größer ist die Sehnsucht nach einer stark ausgeprägten Bauchmuskulatur mit wenig Fettgewebe.

Männer und Emanzipation

Seit Frauen sich emanzipieren, ist für Männer nichts mehr so, wie es war. Die Ansprüche der holden Weiblichkeit werden immer größer, im Gegenzug wurden Männer emotionaler und weicher. Zum Glück ist Man(n) flexibel genug, um sich an die veränderten Rahmenbedingungen in der Damenwelt anzupassen.

Der neue Mann vermag Beruf und Familie auszubalancieren. Er teilt sich mit seiner Partnerin Haushalt und Erziehung, ist offen für weibliche Selbstverwirklichung, verständnisvoll und gesundheitsbewusst. Auch vergräbt er seine Gefühle nicht in den Hinterhöfen der Seele, sondern spricht offen über sie.

Männer zwischen Memme und Macho

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Woher dieser Satz stammt, ist nicht mehr genau zu klären. Vielleicht haben Karl Mays Abenteuer­romane einiges zur Entstehung dieser stupenden Weisheit beigetragen.

In „Der Schatz im Silbersee“ heißt es: „Ein Indianer wird von frühester Kindheit an in dem Ertragen körperlicher Schmerzen geübt. Er gelangt dadurch so weit, dass er die größten Qualen ertragen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.“

Alles nur Klischee? Nicht ganz, wie Forscher nachgewiesen haben. Männer sind von Natur aus nämlich gar keine Memmen. Das Macho-Sein liegt gewissermaßen in ihren Hormonen. Das männliche Geschlechts­hormon Testosteron senkt das Schmerz­empfinden, während es durch das weibliche Östrogen gesteigert wird. Dadurch ist Man(n) kräftiger, aggressiver und auch schmerzunempfindlicher.

Fakt ist aber auch: Im modernen „Gender-Mainstreaming“, wo die unterschiedlichen sozialen Lebenssituationen und Interessen von Männlein und Weiblein eine maßgebliche Rolle spielen, ist Man(n) der Wehleidigere. Mehr Memme als Macho.

Männer und Schwermut

Der Blick ist grimmig, die Hand zur stahlharten Faust geballt, jede Faser des Körpers aufs Äußerste gespannt. So sehen echte Männer aus – zumindest im Kino: John Wayne als Teufelshauptmann, Clint Eastwood als Dirty Harry, Russell Crowe als Gladiator.

Und der neue Mann? Er leidet an maskuliner Melancholitis, ist anschmiegsam, gefühlvoll und verständnisvoll. „Männer nehm’n in den Arm / Männer geben Geborgenheit / Männer weinen heimlich / Männer brauchen viel Zärtlichkeit“, heißt es in Herbert Grönemeyers Song „Männer“, der inoffiziellen Hymne des neuen Mannes.

Männer und Softies

Früher war alles besser, klagen viele Frauen. Die Männer waren härter und kerniger, sie rochen nach Moschus, ihr Brusthaar war üppiger, das Wasser beim Duschen kälter.

Und heute? Der neue Mann duscht lauwarm bis heiß und steht auf dezent-stilvolle Männerdüfte. An was liegt es? Möglicher­weise an zu hohen weiblichen Erwartungshaltungen. Frauen wollen alles zugleich: den sensiblen Frauenversteher und zarten Streichler, den Testosteron-Helden und stürmischen Liebhaber. Viele Mannsbilder sind mit dieser multifunktionalen Rollenverteilung überfordert.

Männer und die Sehnsucht nach dem wilden Mann

Es ist an der Zeit, den Frauenversteher an der Garderobe abzugeben und den wilden Mann in sich wiederzuentdecken. Er schlummert tief verborgen in der Seele eines jeden Mannes: der echte Kerl – stark und sensibel, hart und einfühlsam, draufgängerisch und besonnen.

Seine Männlichkeit zu revitali­sieren und den gezähmten Mann in sich zu befreien – das ist es, was der neue Mann braucht, um sein zivilisationsgeplagtes Ego hinter sich zu lassen.

Wie geht das? Ganz einfach: Man(n) lässt beim Bergwandern den Abenteurer raushängen, strampelt mit dem Rad Alpenpässe hoch, trotzt beim Joggen, Regen und Wind und isst am Lagerfeuer mit Kumpeln „Baked Beans“. Ziemlich infantil, gewiss, aber es macht irre viel Spaß.

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