Markus Weil, Trainer der Stuttgart Reds, hat in den Play-offs versehentlich eine nicht spielberechtigte Spielerin eingesetzt – mit bitteren Folgen. Foto: Iris Drobny

Disqualifikation plus Geldstrafe: Den Cannstatterinnen wird das Regelwerk des Softball-Verbands zum Verhängnis. Die Hoffnungen in der Play-off-Serie müssen damit begraben werden. Wie Trainer und Mannschaft damit umgehen.

Oft liegt der Fehler im Detail. So im Detail, dass die Verantwortlichen der Bundesliga-Softballerinnen der Stuttgart Reds den Paragrafen, der ihnen zum Verhängnis werden sollte, dort nicht vermuteten. Die Folge ist bitter – der Endspieltraum damit nämlich schlagartig ausgeträumt. Wegen einer Aufstellungspanne hat der Verband die beiden Play-off-Viertelfinalsiege der Cannstatterinnen gegen die Neunkirchen Nigthmares annulliert. Schlimmer noch: Sie sind aus dem Meisterschaftsrennen raus. Das Halbfinale am vergangenen Wochenende fand ohne sie statt.

 

Gestolpert ist das Team vom Schnarrenberg über eine Regelung zum sogenannten Zweitspielrecht. Dieses besagt, dass Spielerinnen unter bestimmten Kriterien für zwei verschiedene Vereine zum Einsatz kommen können. Im Reds-Fall handelte es sich um eine Akteurin, die ansonsten für die Gammertingen Royals in der Verbandsliga spielt. Voraussetzung für ihre Stuttgarter Play-off-Teilnahme wäre gewesen, zuvor mindestens schon in neun Hauptrunden-Partien mitgewirkt zu haben. Gewesen sind es jedoch nur vier. Die Betroffene hätte also nicht auflaufen dürfen. Alle Anstrengungen beim 13:1 und 4:2 gegen die Gäste aus dem Saarland zum vermeintlichen Halbfinaleinzug waren umsonst.

Außer Disqualifikation auch noch eine Geldstrafe

„Wir sind natürlich alle geschockt“, sagt der Trainer Markus Weil zur entsprechenden Mitteilung des Verbands. „Wir hatten schon länger keine Spielerin mit Zweitspielrecht, deshalb hatten wir die Regelung nicht auf dem Schirm“, gibt er zu. Zumal unter dem Punkt „Zweitspielrecht“ der entsprechende Absatz nicht aufgeführt ist. Jener steht an einer anderen Stelle. Und somit eigentlich einer falschen? Jedenfalls hätte ein Einspruch gegen das Urteil aus Cannstatter Sicht nur wenig Aussicht auf Erfolg gehabt. Deshalb hat der Verein das Ausscheiden und die dazu aufgebrummte Geldstrafe von 300 Euro zähneknirschend akzeptiert.

„Wir sind alle Menschen und machen Fehler“, sagt Weil. „Wichtig war mir, mich beim Team persönlich zu entschuldigen. Das habe ich in einer kurzfristig einberufenen Runde vor dem Training gemacht“, berichtet er, der die Schuld auf das Trainerteam nimmt. Die Mannschaft, die sich große Hoffnungen auf den Einzug ins Finale gemacht hatte, habe die Entschuldigung angenommen und die Situation mitgetragen. Vorschlussrundengegner wäre der Nordmeister Bonn Capitals gewesen. Gegen den haben nun stattdessen die Neunkirchenerinnen gespielt.

Kleiner Trost: Komplett Schluss ist für die Reds noch nicht. Über den Deutschland-Pokal, in dem alle ausgeschiedenen Play-offs-Teams landen, können die Cannstatterinnen zumindest noch den Einzug in den Europacup der Pokalsieger schaffen. Dafür müssen sie das Final-Four-Turnier am 5. und 6. Oktober erreichen und gewinnen. Pikanter Zufall: Stattfinden wird jenes just in Neunkirchen. Zuvor treten die Reds am kommenden Wochenende im Halbfinale dieser Konkurrenz gegen die Mannheim Tornados an.

Dann ohne die Spielerin, deren Name sowohl der Verein als auch der Verband nicht nennen möchten. Spielberechtigt ist jene erst in der nächsten Saison wieder.

Weitere Infos

Zweitspielrecht
Der Softballverband hat die Regelung eingeführt, um Spielerinnen die Möglichkeit zu geben, höherklassig zu spielen, während diese dennoch gleichzeitig ihren Heimatvereinen erhalten bleiben. Die vorgegebene Mindestanzahl an Spielen soll bewirken, dass Vereine unzählige Spielerinnen mit einem Zweitspielrecht ausstatten, ohne ihnen dann genügend Spielzeit zu gewähren.

Deutschland-Pokal
Der Deutschland-Pokal wird in zwei Runden mit anschließendem Final-Four-Turnier ausgetragen. Teilnehmer sind die ausgeschiedenen Mannschaften der Play-offs um die deutsche Meisterschaft sowie die fünf- und sechsplatzierten Teams der Bundesliga-Staffeln Nord und Süd. Für die Final-Runde qualifizieren sich der Vizemeister sowie die drei Gewinner der Play-off-Runden des Deutschland-Pokals. Der Pokalsieger qualifiziert sich für den Europapokal.