Göckele, Brezeln und das Cannstatter Wasen-Vesperbrett: Wer auf Volskfesten übermäßig zuschlägt, überfordert nicht selten seinen Magen. Foto: dpa

Fast jeder Erwachsene hat Sodbrennen schon erlebt – vor allem nach schwerem und fettigem Essen. Doch was hilft dagegen? Der Stuttgarter Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in der Sana Klinik Bethesda, Matthias Raggi, gibt Tipps.

Stuttgart - Wer auf den Wasen geht, wird nicht verhungern: gebrannte Mandeln, ­Pommes und Bratwurst und natürlich die Maß Bier. Das schlägt so manchem auf den Magen – sogar ganz ohne Karussell- oder Achterbahnfahrt. Unangenehm ist dann das Gefühl, wenn Magensäure in der Speiseröhre brennt. Fast jeder Erwachsene hat Sodbrennen schon erlebt – besonders nach einem volksfestartigen Essensgelage.

Liebhaber von Apfelmost sind besonders gefährdet

Die Gründe hierfür sind schnell erklärt: „Das liegt daran, dass Alkohol und fettige Speisen zu einer verstärkten Produktion der Magensäure führen“, sagt Matthias Raggi, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in der Sana-Klinik Bethesda Stuttgart. Insbesondere Liebhaber von Apfelmost und kurz gegorenen Weinen wie beispielsweise dem Federweißer sind davon betroffen. Denn hier kommt zum Alkoholgehalt auch noch eine Menge an Fruchtzucker und Fruchtsäure hinzu. Das bringt besonders viel Magensäure.

Und die bleibt nicht bei jedem dort, wo sie eigentlich hingehört – nämlich im Magen. „Im Normalfall verhindert ein Schließmuskel am Mageneingang, dass diese Magensäure in die Speiseröhre gelangen kann“, sagt Raggi. Doch bei rund 15 Prozent aller Deutschen klappt das Zurückhalten nicht mehr so richtig. Die Folge: Die Magensäure steigt die Speiseröhre hinauf. Es kommt zu stechenden Schmerzen hinter dem Brustbein, im Extremfall zu saurem Brennen bis in den Mund- und Rachenraum.

Nicht vor dem Schlafengehen zu viel essen

Also beim Festbesuch lieber nichts essen? Tatsächlich hält Raggi eine strenge Diät nicht für notwendig – zumindest, wenn man nur unter gelegentlichem Sodbrennen leidet. Wichtig sei es jedoch, nicht allzu spät zu essen – etwa unmittelbar vor dem Schlafengehen. Die liegende Position im Bett begünstigt, dass Säure in der Speiseröhre hochkommt. Auch auf unregelmäßige Mahlzeiten reagiert der Magen empfindlich: Acht Stunden nichts zu essen und dann ein Göckele mit Schupfnudeln, kann den Taktgeber für den Magen-Darm-Trakt durcheinanderbringen. Daher rät Raggi: „Versuchen Sie auch im Bierzelt bewusst und langsam zu essen“, sagt Raggi. Und man sollte seine Grenzen kennen – insbesondere beim Alkohol. Wer zudem raucht, kann die Beschwerden noch verstärken.

Eine Operation hilft bei dauerhaften Beschwerden

Grundsätzlich gilt aber: „Wenn die Beschwerden anhalten, sollten Sie zum Arzt gehen“, sagt der Stuttgarter Experte Raggi. In den meisten Fällen sind Reflux und Sodbrennen zwar nicht gefährlich und lassen sich mit einer Ernährungsanpassung in den Griff bekommen. Auch gibt es säurehemmende Medikamente, die verschrieben werden können. In einigen Fällen sind allerdings weiterführende Spezialuntersuchungen und gegebenenfalls auch ein operativer Eingriff erforderlich. „Eine erste Diagnose und Therapie erfolgt in der Regel durch den niedergelassenen Haus- oder Facharzt. Erst wenn eine Spezialdiagnostik oder eine Operation erforderlich sind, werden die Patienten zu einer Fachklinik überwiesen“, sagt Matthias Raggi.

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