Die Farbe des Regenbogens wird auch in diesem Jahr in Stuttgart oft zu sehen sein. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Auch im Corona-Jahr zeigt Stuttgarts Rainbow-Community beim CSD Flagge – oft digital, aber ebenso live mit Abstand in der Stadt. Die Demo vom Schlossplatz wird im Netz übertragen, während Zehntausende daheim für sich feiern.

Stuttgart - Die Farben des Regenbogens werden an vielen Stellen in der Stadt leuchten, ob bei Events im Autokino des Cannstatter Kulturwasens oder beim 99-Sitze-Sommer im Römerkastell mit auseinander gestellten Lounge-Möbeln, ob bei privaten Partys im kleinen Kreis mit CSD-Merchandising oder ganz allein unter Kopfhörern. „Vielfalt braucht Verstärkung“, so lautet in diesem Jahr in Stuttgart das Motto für die Feier- und Demonstrationstage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI*) für gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz. Gewohnt bunt wird sich die Vielfalt der Stadt am 25. Juli bei der traditionellen Kundgebung auf dem Schlossplatz zeigen – aber viel, viel kleiner und ohne Parade wie in den Vorjahren.

„Der CSD darf nicht zum Superspreader-Treffen werden“

94 Formationen sind im vergangenen Sommer durch die Stadt auf Lastwagen gefahren oder zu Fuß gegangen. Jeweils fünf Vertreterinnen oder Vertreter davon werden stellvertretend zum Demotreffen in der City, das live im Netz übertragen wird, eingeladen. Christoph Michl, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Christopher Street Day Stuttgart, appelliert eindringlich, dass alle anderen ohne Einladung dieser Versammlung unter freiem Himmel fern bleiben und stattdessen das Geschehen per Streaming verfolgen. „Sollten 200.000 kommen wie in den Vorjahren“, erklärt der Cheforganisator des CSD, „können wir die Sicherheit nicht gewährleisten.“ Unvorstellbar sei der Gedanke, „dass der Stuttgarter CSD zum Superspreader-Treffen wird“. Infektionsgefahren müssten unbedingt verhindert werden.

„Corona erinnert viele Schwule an die 1980er, als sich Aids verbreitet hat, eine Krankheit, von der man damals nicht viel wusste“, sagt der CSD-Sprecher. Wie einst das neuartige Virus das schwule Leben belastet habe, erschwere auch Covid 19 Akzeptanz und das freie Ausleben der Sexualität. Michl: „Wenn heute ein junger Mensch darüber nachdenkt, sich zu outen, überlegt er sich ganz genau, ob er dies unter diesen Voraussetzungen tut.“

Tägliche Live-Streams aus dem Gerber

Die zahlreichen Programmbeiträge zum Stuttgarter CSD vom 10. bis 26. Juli werden vorwiegend aus einem zentralen CSD-Studio im Stadtkaufhaus „Das Gerber“ (Sophienstraße 21) ins Internet übertragen, wo ein Pop-up-Pride-Store eröffnet wird. Dort sind tägliche Live-Streams mit Diskussionen, Talkrunden, Infoabenden, Lesungen und Kultur geplant. Der CSD-Empfang am 10. Juli mit dem Grußwort von OB Fritz Kuhn (Grüne) wird aus dem großen Sitzungssaal des Rathauses live ins Netz gestellt. Die CSD-Gala findet am Freitag, 17. Juli. erstmals auf der Open-Air-Kulturbühne im Römerkastell statt (der Friedrichsbau, wo man in den Vorjahren war, hat noch geschlossen). Dort treten unter anderem Desirée Nick, Markus Barth, Sweet Sugar Swing auf. Moderiert wird der Abend von Slam-Poetin Leticia Wahl.

Am 25. und 26. Juli wird es beim Kastellsommer einen zweitägigen Online-Pride-Event geben, bei dem unter anderem die Band Mia auftritt. Bereits am Mittwoch, 8. Juli, wird auf dem Kulturwasen in Bad Cannstatt eine Preview der Culture-Clash-Komödie „Kiss Me Kosher!“ gezeigt, inklusive Gesprächsrunde vor dem Film. Alle Live-Streams und Online-Veranstaltungen des CSD-Kulturfestivals werden auf www.csd-stuttgart.de/live sowie über die CSD-Präsenzen bei YouTube und Facebook übertragen. Bis auf die CSD-Gala werden alle Streams kostenlos zugänglich sein.

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