Feierstimmung: Snarky Puppy um den Bassisten Michael League (Mitte) am Freitagabend im Wizemann Foto: Lichtgut/Ines Rudel

Ein junges Publikum feiert im ausverkauften Wizemann das New Yorker Jazz-Kollektiv Snarky Puppy

Stuttgart - Frank Zappa, Musikgenie und Bruddel-Sarkast, unterstellte dem Jazz, er sei „nicht tot, er riecht nur komisch“ – nachzuhören auf dem Live-Album „Roxy & Elsewhere“ von 1974. Natürlich lag er schon damals falsch; und er konnte nicht ahnen, dass 45 Jahre später der große Saal im Stuttgarter Wizemann ausverkauft sein würde und ein großer Teil der 1800 Besucher unter 35. Das New Yorker Musikerkollektiv Snarky Puppy, eine urbane Groove-Maschine, hat die improvisierte Musik für eine neue Generation hip gemacht wie lange nicht.

Griffige Themen wie aus Cop-Serien gibt es da zu hören, verpackt in fetten Bläsersätzen mit viel Soul und in komplexen funky Beats, garniert mit solistischen Glanzleistungen – dieses Rezept verfängt. Und jeder einzelne der rund zehn Musiker um den Bassisten, Komponisten und Bandleader Michael League, die aus einem rund 25-köpfigen Pool rotierend die Shows spielen, sind gefragte Vollblutprofis.

Alles folgt einer Dramaturgie

Überwiegend Stücke vom aktuellen Album „Immigrance“ gibt es zu hören, zwischen den Soloeinlagen lassen atmosphärische Klangflächen Raum zum Durchatmen. Das Ensemble ist durchweg hoch konzentriert, die Akteure wirken cool, stehen aber unter Strom. Ein Höhepunkt des Abends: Beim Duell an Orgel und Moog-Synthesizer fliegen die Finger von Bobby Sparks und Shaun Martin, dass den Ohren schwindlig wird. Mit strahlendem Ton lässt der Trompeter Mike Maher sein Horn fiebrig lodern, der Gitarrist Chris McQueen spielt sich zwischendurch in eine kleine Ekstase. Zack Brock bringt mit elektrisierendem Klang seine Violine zum Leuchten, und einen exzellenten Abend erwischt der wirbelnde Perkussionist Keita Ogawa.

Jede Einlage hat bei Snarky Puppy eine Dramaturgie, die eingebettet ist in eine größere Dramaturgie. Und die Band unterschätzt ihr Publikum nicht: Statt die Tradition banalster Mitsingspiele fortzuführen, lässt sie die Besucher ein vertracktes polyrhythmisches Muster mitklatschen, was tatsächlich funktioniert – „das klappt nicht jeden Abend so gut“, würdigt der gut gelaunte Michael League den Einsatz.

Und es sind im Wizemann eben nicht wie sonst überwiegend Best Ager oder Boomer, die von alten Weather Report-Zeiten träumen: Eine neue Generation lauscht und tanzt und feiert hier Jazz, junge Frauen wiegen sich im Takt, junge Männer diskutieren über analoge Synthesizer. Sorry, Frank.

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