Im Sommer gehen die Fantastischen Vier erstmals auf eine Stadiontournee. Gleich an zwei Abenden füllen sie dabei auch die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena. Smudo und Andi Ypsilon berichten, wie der Vorverkauf läuft und was musikalisch zu erwarten steht.
Stuttgart - Einmal ist das Stuttgarter Stadion schon ausverkauft, und auch für das Zusatzkonzert an selber Stelle werden die Tickets schon knapp. Die Fantastischen Vier, Stuttgarts bekannteste Band, zünden Anfang Juli die nächste Raketenstufe in ihrer beispiellosen Karriere. Smudo und Andi Ypsilon, zwei der vier Bandmitglieder, sind hochzufrieden – und nehmen Stellung zu der leichten Brise an Gegenwind, die ihnen zuletzt auch entgegengeschlagen ist.
Smudo, Andi, was dürfen wir auf der anstehenden Tour Besonderes erwarten?
Smudo: Eine Stadiontour ist für uns komplettes Neuland. Es ist ja schon bei einer normalen Hallentournee schwierig, sicherzustellen, dass alle das Gefühl einer richtigen Begegnung haben. Aber wir wollen auch keine ganz normale Stadiontour wie viele andere Künstler machen. Wir haben ein paar tolle Ideen, wie wir das auch optisch aufblasen können.
Als die Stadiontour angesetzt wurde, haben Sie doch bestimmt in ihren kühnsten Träumen nicht mit dieser Resonanz gerechnet, die sich jetzt abzeichnet?
Beide: Stimmt!
Sind Sie mit dem bisherigen Vorverkauf, der zunächst exklusiv beim Discounter Aldi stattfand, zufrieden – oder vom Interesse sogar überwältigt?
Smudo: Überwältigt, ganz klar. In der ersten Woche hat Aldi die Tickets nur in den Filialen verkauft, nicht online. Vertriebsmitarbeiter erzählten uns, dass es am ersten Tag sogar Schlangen vor Ladenöffnung gab. Am allerersten Vorverkaufstag ging schon so wahnsinnig viel. Und bereits in der ersten Woche hat sich angedeutet, dass wir Zusatzshows ansetzen müssen. Das ist wirklich sensationell.
Viele Menschen waren sehr verblüfft, dass die Fantas ihre Tickets plötzlich bei Aldi verkaufen.
Smudo: Als wir von Aldi angefragt wurden, waren wir ebenso verblüfft. Allerdings kann man kaum Nein sagen, wenn jemand einem knapp viereinhalbtausend Filialen als Vorverkaufsstellen bieten kann und eine sehr gute Reichweite mit seinem Marketing hat, was andere Ticketverkäufer nicht für uns leisten.
Andi Ypsilon: Für uns war klar: Wir wollen Stadien bespielen, das ist für uns die nächste Steigerungsstufe. Das muss man inhaltlich bedienen, und das schaffen wir natürlich schon. Aber wenn nicht genug Leute kommen, ist es egal, wie toll wir inhaltlich sind, dann ist das einfach nur peinlich. Da hatte ich schon ein bisschen Bedenken. Deshalb habe auch ich die Aldi-Aktion sehr begrüßt, um da den maximalen Aufschlag hinzulegen. Dass alles so maximal gut läuft, hätte ich nicht zu hoffen gewagt.
Das Ticketing via Aldi und eigene Homepage war also keine Reaktion auf die aktuellen Debatten über den deutschen Ticketmarkt rund um den Quasimonopolisten Eventim, dem deftige Abkassiererei vorgeworfen wird?
Smudo: Wenn man so will, ist das eine angenehme Nebenwirkung. Es gab natürlich auch Sprüche, von wegen , dass man jetzt zwischen Filterkaffee und Dosenbier auch Fanta-Tickets kaufen könne. Das stimmt. Aber wo kauft man denn sonst Tickets? Zwischen Helene Fischer und Cirque du Soleil. Und dann zahlst du bei den großen Portalen noch zwölf Euro Handlinggebühren drauf und jede Menge versteckte Extragebühren.
Aldi als Kooperationspartner ist das eine. Daneben waren einige Leute auch darüber irritiert, dass Sie – wie neulich geschehen – jetzt auch auf Kreuzfahrtschiffen auftreten.
Smudo: Ja, dazu wurden wir tatsächlich Jahre vor der CO2-Diskussion gebucht. Und das sah so aus: Wir steigen ein, fahren anderthalb Tage mit und steigen wieder aus. Probieren wir’s mal aus, haben wir daraufhin gesagt. Das musst du anderthalb Jahre vor der Show zusagen, weil die Buchungsvorläufe bei Kreuzfahrtreisen sehr lang sind. Später kam dann die Diskussion auf, was insbesondere Kreuzfahrtschiffe zum Klimaproblem beitragen. Da waren wir dann mitgefangen, mitgehangen. Trotz allem muss ich aber sagen: Ich habe mich auf der Fahrt total amüsiert.
Andi Ypsilon: Ich war noch nie zuvor auf einem Kreuzfahrtschiff. Ich fand das spektakulär, ehrlich gesagt.
Das Dritte, was die Leute zuletzt befremdet hat, war, dass die Fantas jetzt Reklame für eine bekannte Bank machen.
Smudo: Was ist dagegen einzuwenden? Das war zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht den Aldi-Deal hatten und wir noch in der Phase der Suche nach potenten Medienpartnern waren, um den Weg zur Stadiontournee zu ebnen. Als wir dann die Vertreter der Bank trafen, war das abgefahren: Die sagten, wir wollen was Verrücktes machen, was ja ungewöhnlich ist, weil Banken normalerweise nicht verrückt sein wollen. Und wir dachten uns: Schwaben über fünfzig, die machen Werbung für Banken, für wen denn sonst (lacht)? Wir haben das als Herausforderung betrachtet.
Achten Sie bei ihren Tourneen auf das Thema Nachhaltigkeit?
Smudo: Wenn man eine Stadiontour im Vergleich zu vielen kleineren Konzerten pro Kopf umrechnet und überlegt, was wir zu jeder einzelnen Show sonst hinkarren würden, könnte das von der Ökobilanz her sogar besser sein. Wir haben auch schon mal versucht, eine Tour CO2-neutral zu gestalten. Aber wie willst du das denn ausrechnen? Und weil alle denkbaren Berechnungen nicht überzeugend waren, wollten wir nicht die Greenwasher geben, also als Blender dastehen – und haben es daher nicht gemacht. Nachhaltigkeit ist wichtig, aber bei einer Tour ist das schwer, wirklich wirksam umzusetzen. Und darum haben wir es nicht gemacht.
Dann wieder zur Musik: Haben die Fantas bei der anstehenden Großtournee auch ein großes Begleitband-Besteck dabei?
Andi Ypsilon: Wir werden mit unserer langjährigen Liveband plus weiteren Gästen spielen. Aktuell schauen wir uns nach einem Bläserset um.
Sind auch neue Songs im Gepäck?
Andi Ypsilon: Wir haben neue alte Songs im Gepäck. Anlässlich des dreißigjährigen Bandbestehens sind wir natürlich in uns gegangen und haben geguckt, welche von den alten Stücken, die wir zuletzt nicht live gebracht haben, wir guten Gewissens spielen können. Und da sind wir auf genug alte Songs gekommen, die man dazupacken kann.
Smudo: Dreißig Jahre Fanta 4 – das ist ja eine große Werkschau. Wir haben uns ein Programm überlegt, bei dem alle Alben dabei sind. Wir haben auch schon Ideen für eine Videochoreografie, die all die Jahre gut in Szene setzt.
Und nach der Tour? Kommt ein neues Album oder sind zumindest schon neue Tracks in Arbeit?
Andi Ypsilon: Derzeit liegt der ganze Fokus auf dem Liveprogramm.
Smudo: Wir sind gerade nicht so im Schreibwahn. Hier und da kam Thomas mit ein paar Ideen an, aber nichts hat so richtig gezündet. Ich glaube, wir haben unser letztes Album noch nicht lange genug hinter uns gelassen.
Ist eine Stadiontournee der Endpunkt einer Karriere – oder kann danach für Sie noch etwas kommen?
Smudo: Auf jeden Fall ist es ein Wendepunkt. Es fühlt sich bei mir ohnehin gerade alles so an, als würde irgendwie ein bestimmter Punkt kommen. Vielleicht liegt’s allein schon daran, dass wir jetzt alle über fünfzig sind und die größte Tour unseres Lebens machen.
Angst vor einem plötzlichen Karriereende brauchen wir aber doch wohl hoffentlich nicht haben?
Andi Ypsilon: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin ja immer ganz optimistisch, was unser Voranschreiten betrifft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nach der Stadiontour keinen Bock mehr haben werden, Konzerte zu geben. Das wird uns ganz gewiss weiterhin Spaß machen.
Sehen Sie im Video den Bericht zur 30-jährigen Jubiläumsausstellung der Fantastischen Vier „ TROY“ im Stuttgarter Stadtpalais: