Andreas Reichenauer, Emily Maier, Jan-Peter Waldhauer und Janine Imhoff befassen sich am Salier-Gymnasium mit dem Thema Handynutzung. Foto: Diethart Verleger/Salier-Gymnasium

Mobiltelefone sind Fluch und Segen zugleich – darüber ist man sich am Salier-Gymnasium einig. Wie Schüler, Lehrer und Eltern mit den Geräten umgehen.

Waiblingen - Sollen Jugendliche in der Schule komplett auf das Handy verzichten? Ein Gespräch am Waiblinger Salier-Gymnasium mit Emily Maier, der Schülersprecherin, Jan-Peter Waldhauer, einem Lehrer, Andreas Reichenauer, dem Elternbeiratsvorsitzenden und Janine Imhoff, der Verbindungslehrerin.

Wie ist die Handynutzung am Salier-Gymnasium geregelt?

Reichenauer Handys müssen ausgeschaltet sein.

Imhoff Und zwar auf dem gesamten Schulgelände, also auch, wenn man nach Schulschluss über den Hof läuft.

Waldhauer Nur in der Mittagspause von 13 bis 14 Uhr und nur im Aufenthaltsraum ist es erlaubt, das Handy lautlos zu nutzen. Die Schüler wissen, dass wir Lehrer darauf achten, was sie da tun.

Maier Wir Oberstufenschüler dürfen unsere Handys den ganzen Tag über nutzen, aber nur im Oberstufenraum. In allen anderen Räumen gelten der Fairness wegen für alle dieselben Regeln.

Was passiert bei Verstößen?

Waldhauer Wenn ein Schüler dagegen verstößt, wird das dokumentiert und muss von den Eltern unterschrieben werden. Bei drei Verstößen gibt es einen Verhaltenseintrag ins Tagebuch, was sich negativ auf die Verhaltensnote auswirken kann.

Reichenauer Die Schule kann es aber nicht leisten, alle Schüler zu kontrollieren. Auch wir Eltern müssen auf der Einhaltung von Regeln bestehen. Wir müssen selbst Vorbilder sein im Umgang mit Smartphones. Es ist schon ein täglicher Kampf, die Handynutzung zu regeln.

Waldhauer Aber gerade weil die Eltern zu Hause Regeln aufstellen, verlangen sie zu Recht, dass die Schule kein rechtsfreier Raum ist. Schule hat die Aufgabe, bei der Erziehungsarbeit zu unterstützen. Das Smartphone hat einen gewissen Suchtfaktor, das merkt man ja auch als Erwachsener.

Imhoff Umso schwieriger ist es für Jugendliche, damit umzugehen. Für viele ist das Handy einfach ein Spielzeug.

Maier Für manche von uns, gerade für die jüngeren, ist es wirklich schwer, den ganzen Tag auf das Handy zu verzichten.

Wie würde die Schulgemeinschaft auf ein strenges Verbot wie in Frankreich reagieren?

Maier Das würde bestimmt für viel Unruhe sorgen, weil das Handy einfach dazugehört, die Kinder wachsen ganz selbstverständlich damit auf. Die Regelung, die wir jetzt haben, wird von den meisten von uns Schülern akzeptiert. Und ein Smartphone ist ja auch nützlich. Wir können damit etwa mithilfe von Apps Vokabeln lernen.

Reichenauer Gerade weil das Handy Teil des Alltags ist, ist es viel wichtiger, den verantwortungsvollen Umgang damit zu lernen, anstatt es kategorisch zu verbieten. Auch weil neue Medien wie Tablets und Smartphones immer mehr in den Unterricht eingebunden werden.

Waldhauer Das bietet tatsächlich viele neue Möglichkeiten: Wenn ich meinen Schülern aufgebe, zu einem bestimmten Thema Bilder oder Lieder zu suchen, können sie die heute mit dem Smartphone ganz leicht im Unterricht präsentieren.

Imhoff Andererseits gibt es einfach Zeiten, in denen sich die Schüler ohne Handy erholen und miteinander reden und herumtoben sollen. Das fördert ihre Konzentration für den Unterricht.

Stichwort miteinander reden – wie wirken sich Whatsapp und Co. auf die Sprache aus?

Waldhauer Ich bin seit zwölf Jahren Lehrer und in dieser Zeit hat die Lese- und Schreibkompetenz abgenommen, gerade was Groß- und Kleinschreibung angeht.

Imhoff Oder Satzzeichen...

Maier Es ist tatsächlich oft so, dass der Inhalt der Whats­app-Gespräche so banal ist, dass man keinen Wert auf die Schreibweise legt.

Ist Cybermobbing am Salier-Gymnasium ein Problem?

Maier In den sozialen Netzwerken wie Instagram und auf Whatsapp geht es schon ordentlich zur Sache. Wenn wir mitbekommen, dass es Probleme gibt, machen wir etwas dagegen.

Waldhauer Auch Lehrer und Schulleitung greifen in einem solchen Fall sofort ein, um die Opfer zu schützen.

Reichenauer Aber Mobbing findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Ein Handyverbot macht die Schule nicht mobbingfrei. Manchmal braucht es diese Negativerfahrungen, um daraus zu lernen. Das funktioniert aber nur, wenn wir Schüler wie auch uns Eltern mit konkreten Problemen konfrontieren.

Kann das Handy Mobbing begünstigen?

Waldhauer In der virtuellen Kommunikation ist die Hemmschwelle herabgesetzt...

Imhoff  ...weil man sich hinter dem Medium versteckt.

Maier Viele Dinge sind tatsächlich einfacher geschrieben als gesagt.

Reichenauer Und weil man keine Rückmeldung des Gegenübers hat, wie Mimik oder Tonfall, haut man viel eher einen fiesen Spruch raus.

Was kann man dagegen tun?

Waldhauer Inzwischen haben wir für alle siebten Klassen eine verpflichtende Präventionsveranstaltung, bei der ein Berater der Polizei über die Gefahren im Internet informiert.

Maier Vielen von uns ist nicht bewusst, dass das Internet nichts vergisst und was das für das spätere Berufsleben bedeuten kann. Man kann seine Privatsphäre in den Einstellungen sozialer Netzwerke durchaus schützen, aber man muss sich damit beschäftigen. Ich denke, die meisten sind da relativ naiv, gerade wenn die Eltern sie nicht gewarnt haben.

Reichenauer Deshalb gibt es hier auch für uns Eltern Infoveranstaltungen. Leider nutzen oft diejenigen von uns Eltern, die am meisten Nutzen daraus ziehen können, diese Angebote nicht. Dabei ist es sehr wichtig, dass wir Eltern unsere Kinder informieren und sie aktiv damit konfrontieren, was sie tun und was das bedeutet, wenn man jemanden online bloßstellt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: