Smartphone Wenn die App zum Sprachlehrer wird

Von Melanie Maier 

Wer im Ausland unterwegs ist, möchte vorher oft noch einige Sätze in der Landessprache lernen. In den App-Stores hat man die Wahl zwischen Hunderten von Angeboten. Was taugen die digitalen Fremdsprachenlehrer?

Stuttgart - „Un espresso, per favore!“ Einen Espresso in Rom zu bestellen, das schaffen wohl die meisten deutschen Italienurlauber. Doch schon bei der Nachspeise wird es schwieriger: Wie sagt man doch gleich „zwei Kugeln Eis“ auf Italienisch? Ganz zu schweigen von den gewünschten Geschmacksrichtungen. Wer im Ausland unterwegs ist, möchte vorher oft noch einige Vokabeln und Sätze in der Landessprache lernen beziehungsweise seinen Wortschatz auffrischen, um sich im Zielland zurechtzufinden oder sogar ein paar Worte mit den Einheimischen zu wechseln.

Eine App sei dazu besser geeignet als ein Lehrbuch, sagt der Sprachwissenschaftler Fabian Bross von der Universität Stuttgart: „Im Gegensatz zu einem Buch gibt die App dem Lernenden eine direkte Rückmeldung zu seinen Übungen.“ Ein weiterer Vorteil der Smartphone-Anwendung: Sie ist nicht an typische Lernorte gebunden. In der U-Bahn kann man sie genauso nutzen wie zu Hause, „auch wenn ich mir vorstellen kann, dass man daheim, in Ruhe, effektiver lernt“, sagt Fabian Bross.

Der Preis sagt nichts über die Qualität aus

Doch wie soll man sich bei der Vielzahl an Angeboten entscheiden? In den App-Stores haben Smartphone-Nutzer die Wahl zwischen Hunderten von Angeboten. Die wohl bekanntesten heißen Duolingo, Babbel und Busuu, doch auch Wörterbuch-Verlage wie Pons oder Langenscheidt haben eigene Anwendungen auf dem Markt. Eine erste Orientierung geben die Bewertungen anderer Nutzer sowie die Kurzbeschreibung der App im Store. Dort steht auch, welche Sprachen man mit der Anwendung lernen kann und wie viel sie kostet. Der Preis sagt aber nichts über die Qualität aus. Denn viele Hersteller finanzieren sich nicht über ein Abo-Modell, sondern über Werbeeinblendungen. Da die Preisunterschiede zum Teil sehr groß sind, bietet es sich an, zunächst einmal mehrere Apps herunterzuladen und sie eine Zeit lang im kostenfreien Bereich zu testen.

Große Unterschiede gibt es auch beim Datensendeverhalten. Für unkritisch hält die Stiftung Warentest nur solche Apps, die ausschließlich Daten übertragen, welche für ihre Funktion notwendig sind. Von Anwendungen, die zusätzlich Daten über den Nutzer, das Nutzerverhalten oder das Smartphone senden – und das zum Teil sogar unverschlüsselt – raten die Warentester ab.

Bei der Entscheidung kann auch helfen, sich klarzumachen, welches Ziel man eigentlich hat, sagt Fabian Bross: „Möchte ich im Urlaub nur ein Brötchen beim Bäcker bestellen können oder gar eine Konversation führen?“ Manche Apps bieten auch Übungen für Fortgeschrittene an. Doch egal, wie hoch das eigene Sprachniveau ist, die App sollte auf jeden Fall möglichst viel Rückmeldung geben, „zur Aussprache, zu den Schreibübungen, zu den gelernten Vokabeln“, sagt Fabian Bross. Dass man nur mit einer App eine Sprache ­erlernen kann, bezweifelt der Sprachwissenschaftler aber: „Eine Sprache lernt man hauptsächlich über die Interaktion mit anderen.“

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