Braucht ein Kind in diesem Alter schon ein Smartphone? Foto: dpa

Auf vielen Wunschzetteln stehen elektronische Geräte. Sollen Eltern diese Wünsche erfüllen?

Auf vielen Wunschzetteln stehen elektronische Geräte. Sollen Eltern diese Wünsche erfüllen? Bei elektronischen Geräten wird nach Ansicht von Experten zu viel über die Nutzungs-Dauer und zu wenig über Inhalte diskutiert.

Stuttgart - Fast alle Jugendlichen zwischen 12 bis 19 Jahren haben bereits ein Handy (96 Prozent), einen Computer (80 Prozent) und einen Internetzugang (88 Prozent). Auch Smartphones (72 Prozent) und einen eigenen Fernseher (58 Prozent) besitzen viele Jugendliche. Das sind die Ergebnisse der aktuellen JIM-Studie zur Mediennutzung von Jugendlichen, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest alle zwei Jahre veröffentlicht.

Kein Wunder also, dass elektronische Geräte auf den Wunschzetteln ganz oben stehen – und Eltern sich sorgen, dass der Nachwuchs bald nur noch vor dem Tablet sitzt. Dabei werde die entscheidende Frage aber oft außer Acht gelassen, findet Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation (LFK): „Man sollte nicht nur über die Nutzungsdauer reden, sondern vor allem über die Inhalte, die das Kind nutzt.“

Thomas Irion, Professor für Grundschulpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, gibt ein Beispiel: Die „Sendung mit der Maus“ sei für jüngere Kinder besser geeignet als „Der Herr der Ringe“. „Aber auch da gibt es Unterschiede“, sagt Irion. Wichtig sei, ob Kinder die ­Inhalte in ihre Lebenswelt einbauen könnten oder ob das Gesehene Fragen hinterlasse, denen die Kinder selbst nachgehen könnten. Grundsätzlich sei wichtig: „Je jünger Kinder sind, desto mehr Hilfe der Eltern brauchen sie bei der Mediennutzung.“

Eltern müssen sich für das interessieren, was ihre Kinder machen

Eltern dürften jedoch auf keinen Fall den Fehler machen, alles zu verbieten oder einzuschränken. „Man muss den Kindern auch ihren Freiraum lassen, damit sie selbst lernen, verantwortungsvoll mit Medien umzugehen“, sagt Irion. Eltern sollten deshalb die Grenzen mit ihren Kindern besprechen und ihnen erklären, warum sie bestimmte Inhalte nicht nutzen sollen. „Eltern müssen das Kind dann aber auch mal selbst machen lassen“, sagt Irion. „Wenn man dann merkt, dass das Kind Probleme bekommt,greift man wieder stärker ein.“

Deshalb müssten sich Eltern sich dafür interessieren, was ihre Kinder machen. „Viele verstehen beispielsweise die Alterskennzeichnungen auf Computerspielen und DVDs gar nicht.“ Das seien in erster Linie Richtwerte in Form von Mindestaltersangaben. „Ob das Spiel oder der Film für das eigene Kind geeignet ist, müssen Eltern selbst entscheiden.“ Dazu müsse man sich mit den Inhalten auseinandersetzen. „Am besten ist es, wenn man ab und zu das Computerspiel selbst ­mitspielt.“ Bis zum Alter von 15 Jahren müssten Eltern auf jeden Fall ein Auge auf den ­Medienkonsum ihrer Kinder haben.

„Verschenkt man ein Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop an seine Kinder, dann kann man das durchaus mit einem Haustier vergleichen“, sagt Irion. „So wie Eltern auch mal mit dem Hund Gassi gehen müssen, so bereiten ihnen auch elektronischen Geräte nach dem Schenken Arbeit.“

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