Florian Katz vom Herrenberger Bauhof steuert die Häuser am Marktplatz an. Foto: Stefanie Schlecht

Die Stadt Herrenberg stellt Blumenkästen auf, die inzwischen vollelektronisch überwacht sind. Am Montag wurde der Marktplatz bepflanzt.

Sensorisch hat Herrenberg einiges zu bieten: Sensoren, die den Stand in den Mülleimern messen, Sensoren, die das Salz auf den winterlichen Straßen überwachen und Sensoren, die den Wasserstand in den Blumenkästen prüfen.

 

Insgesamt 75 dieser Blumenkästen wurden am Montag auf dem Herrenberger Marktplatz an die Fassaden gehängt, damit es auf dem wohl schönsten Marktplatz im Kreis von den Fachwerkhäusern herab bunt und lebhaft blüht. Florian Katz ist mit zwei Kollegen seit 7.30 Uhr im Einsatz, drei andere Kollegen haben seit Freitag die weißen Kisten bei einer Herrenberger Gärtnerei mit sieben bis acht verschiedenen Blumen bepflanzt.

Drei Mann haben einen Tag lang die 75 Blumenkästen bepflanzt. Foto: Stefanie Schlecht

Zur Zeit braucht man keine Sensoren, um die Feuchtigkeit zu messen: Es regnet kontinuierlich und selbst die Männer vom Bauhof beginnen, ihre Regenjacken anzuziehen. Die Hebebühne, im Fachjargon „Hubsteiger“ genannt, steht fest verankert auf dem Marktplatz, der Pritschenwagen mit den Blumen parkt daneben. Vier Kästen kann Florian Katz in seinem Käfig mitnehmen, dann wird es so eng, dass er sich kaum mehr bewegen kann. Der Hubsteiger ruckt und der Korb wird langsam ausgefahren. Mit dem Joystick dirigiert Florian Katz den Korb an die Fassade, hängt die Kästen ein und schließt sie an Kunststoffschläuche an.

Die schwarzen Leitungen führen Wasser zu

Wer genau hinschaut, der sieht die schwarzen Leitungen, die sich zwischen den Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz spannen. Das ist die automatische Bewässerung. Von drei unterirdischen Pumpen wird Wasser in die Leitungen gedrückt und je nach Bedarf in die Pflanzkästen geregnet.

Florian Katz hat mit seinen zwei Mitarbeitern viel zu tun,, um die Blumenkästen an Ort und Stelle zu bringen. Foto: Stefanie Schlecht

In den Kästen liegen Sensoren, via App und Handy kann der Bauhof die Feuchtigkeit in der Blumenerde messen und automatisch gießen lassen. Das Düngen geht ebenso automatisch, damit die Pflanzen sich auch wohl fühlen. Die Menschen, die hinter den Fassaden leben und arbeiten, haben also mit dem Blumenschmuck an ihren Häusern nichts zu tun.

Traditionell werden die Blumen immer nach den Eisheiligen gepflanzt, wenn der Frühling vorbei ist und der Frühsommer beginnt. Florian Katz erinnert sich noch an die Zeit vor ein paar Jahren, als es die Automatik noch nicht gab. Da musste man im Hochsommer zwei bis dreimal die Woche den Hubsteiger anwerfen, die Gießkannen im Marktbrunnen füllen, und dann hieß es, mit der Hand am Arm Blumen gießen.

Den Job bestimmen die Jahreszeiten und das Wetter

Der Hubsteiger ist ein echter Allrounder: Die Mitarbeiter des Bauhofs benutzen ihn, um Straßenlampen auszuwechseln oder die Christbäume zu beleuchten. Das Besondere am Team um Florian Katz ist, dass die Mitarbeiter autonom arbeiten, ohne einen Meister. Alle vier Wochen muss ein anderer die Arbeitsorganisation übernehmen, denn was zu tun ist, bestimmen vor allem die Jahreszeiten und das Wetter, und wann gepflanzt, gekehrt und geräumt werden muss, das wissen die Mitarbeiter selber.

Den ganzen Tag lang werden die drei Mann brauchen, bis der Marktplatz begrünt und die Fassaden beblümt sind. Dann kann der Sommer kommen mit lauen Abenden, die man auf der Treppe am Rathaus verbringt oder in den Cafés und Wirtschaften.