Slow Food Die Entdeckung des langsamen Essens

Von Jan-Philipp Schlecht 

Natur, ganz nah: Braunvieh Liss aus Esslingen durfte auch auf die Slow Food Foto: Leif Piechowski
Natur, ganz nah: Braunvieh Liss aus Esslingen durfte auch auf die Slow Food Foto: Leif Piechowski

Der Trend zum bewussten Essen scheint nach wie vor ungebrochen: Die Slow-Food-Messe auf den Fildern erwartet neue Besucherrekorde. In zwei Hallen lockt sie die Massen bis Sonntag mit einem umfangreichen Rahmenprogramm und internationalen Ausstellern.

Stuttgart - Die Langsamkeit ist auf dem „Markt des guten Geschmacks“ Programm. Nicht nur geht es in den Hallen 3 und 5 der Landesmesse um sorgsam erzeugte und behutsam weiterverarbeitete Lebensmittel, auch das Gehtempo der Besucher stößt schnell an seine Grenzen. ­Zwischen den Ständen der 475 Aussteller bleibt denkbar wenig Platz für die Massen, die noch bis Sonntag auf die Slow-Food-Messe strömen dürften. Der Veranstalter geht von 80­ 000 Besuchern aus – ein neuer Höchstwert. Auch die Zahl der Vorbuchungen sei erneut gestiegen, sagen die Betreiber. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt findet die Essensmesse bereits zum achten Mal statt, dieses Jahr auf rund 15 000 Quadratmetern. Und: Von den 475 Ausstellern seien 111 aus dem Ausland angereist, gibt der Geschäftsführer der Messe Stuttgart, Roland Bleinroth, stolz zu Protokoll.

Es komme eben nicht nur darauf an, „sich den Ranzen vollzuschlagen, sondern auch, sich zu informieren, wo das Essen eigentlich herkommt“, sagt Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in seiner Eröffnungsrede. Darin lupft er für die Zuhörer ausnahmsweise mal den Topfdeckel und gewährt Einblicke in Kuhn’sche Essgewohnheiten: „Um das Alblinsen-Risotto meiner Frau so hinzubekommen, müssten viele Sternenköche erst einmal ein paar Purzelbäume schlagen.“

Auf Purzelbäume von Spitzenköchen wird das Slow-Food-Publikum verzichten müssen. Nicht aber auf deren Kochkünste: In der „Kochwerkstatt“ in Halle 5 geben Auszubildende der Vereinigung Jeunes ­Restaurateurs d’Europe 90-minütige Kochkurse in Sachen regionale und authentische Gerichte. Der Preis für die Nachhilfe am Herd ist für die Messebesucher bereits im ­Eintrittsgeld enthalten. So reichhaltig wie das Essen aus regionaler Erzeugung, gestaltet sich auch das sonstige Rahmenprogramm. Am Freitag stehen die Kinder im Mittelpunkt. Sie sind an vielen Stationen eingeladen, sich über die Vorzüge der Slow-Food-Bewegung zu informieren. Zum Beispiel auf dem Kochwettbewerb der AOK, an der Limo-Selbermach-Station von Lemonaid oder im Sinnenparcours „Sinn-Voll“ der Kinderkommission von Slow Food Deutschland.

Für erwachsene Besucher bietet die Schau neben den Kochkursen auch eine Reihe von Weinseminaren an. Dort klären Winzer und Weinkenner über Themen wie Rebstockpatenschaften, Weinbergboden oder einzelne Weinsorten auf. Ihre Geschmackswahrnehmung trainieren können die Besucher auf den sogenannten Geschmackserlebnissen der Messe. Zum Beispiel können sie bei Jonas Seidl kosten, wie unterschiedlich Mineralwässer aus verschiedenen Regionen den Gaumen erfreuen (Sonntag 11 Uhr) oder wie ein und derselbe Fisch jeweils aus dem Ammersee, der Müritz oder dem Bodensee schmeckt (Samstag 12 Uhr). Alle Informationen zum Rahmenprogramm der Messe finden Interessierte auf der Internetseite www.messe-stuttgart.de/slowfood.

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