Hat den Sprung nach Sotschi geschafft: Freeskier Benedikt Mayr Foto: dpa

Damit Olympia für die Jugend der Welt attraktiv bleibt, wurde die Zahl der Wettbewerbe für Sotschi noch einmal aufgestockt.

Sotschi - Wer im September des vergangenen Jahres die Szenen nach der Wahl von Thomas Bach zum neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) beobachtet hat, der weiß: Als Jugendlager geht der Zirkel der Mächtigen im Weltsport nicht unbedingt durch. Im Gegenteil: Die olympische Bewegung wird geführt von eher älteren Semestern – die ihr Produkt allerdings jung halten müssen. Und die bereits in den vergangenen Jahren merkten: Allein mit den traditionellen Sportarten ist die Gefahr, dass das Interesse der Jugend an den Olympischen Spielen schwindet, riesengroß. „Wir müssen unser Programm ständig überprüfen, um nicht an Bedeutung zu verlieren“, wusste bereits Bachs Vorgänger Jacques Rogge (Belgien) – und handelte auch dem entsprechend.

Bei den Sommerspielen wird mittlerweile auf BMX-Rädern auf einem Cross-Parcours gefahren, zu den Winterspielen stießen erst die verschiedenen Snowboard-Disziplinen, vor vier Jahren in Vancouver feierte dann auch noch Skicross eine spektakuläre Premiere. Doch das war nicht genug. Denn gerade im Skisport hat sich viel getan in den vergangenen Jahren – und wer zuletzt in den großen Skigebieten unterwegs war, der weiß auch, in welche Richtung. „Freeski hat sich rasant entwickelt“, sagt Benedikt Mayr.

Der Bayer ist der beste deutsche Free­ski-Profi – hat sich für Sotschi aber erst im Zuge einer Nachnominierung qualifiziert. Er tritt gemeinsam mit Lisa Zimmermann im Slopestyle an. Sabrina Cakmakli (Halfpipe) komplettiert das deutsche Trio für die neuen Disziplinen. Mayr sagt stellvertretend für seine Kollegen: „Olympia ist die größte sportliche Bühne der Welt. Für unsere Sportart ist es genial, dabei zu sein.“ Auch wenn sich die bislang von Marken- und Sponsorenteams geprägte Szene erst mal umorganisieren musste, ist sich Rogge sicher: „Diese Disziplinen sind sehr attraktiv für junge Menschen.“

Aber die Freeskier sind nicht die einzigen Neuen im olympischen Winterprogramm. Alle hinzugekommenen Wettbewerbe auf einen Blick. Freeski: Männern und Frauen treten in je zwei Disziplinen an. Der Halfpipe-Wettbewerb funktioniert wie bei den Snowboardern: Die Athleten zeigen in der Schneerinne ihre Tricks, Punktrichter bewerten diese nach Ausführung und Schwierigkeitsgrad. Im Slopestyle absolvieren die Starter einen 565 Meter langen Parcours mit drei Schanzen und anderen Hindernissen. Dabei geht es um die besten Tricks, die Ausführung und die Kreativität.

Snowboard Slopestyle: Bisher starteten die Freestyle-Snowboarder nur in der Halfpipe, nun kommt – wie bei den Skiläufern – der Slopestyle-Wettbewerb hinzu. Auch die Snowboarder müssen einen Parcours mit Kickern (Schanzen) und anderen Hindernissen absolvieren und ein möglichst kreatives und anspruchsvolles Programm aus Sprüngen und Tricks zeigen.

Snowboard Parallelslalom: Die Race-Snowboarder bekommen in Sotschi erstmals eine zweite Chance, bisher gab es nur den Parallel-Riesenslalom. In nebeneinander gesteckten Läufen treten immer zwei Athleten gegeneinander an.

Skispringen der Frauen: 15 Jahre lang kämpften die Skispringerinnen um die Aufnahme ins olympische Programm, vor vier Jahren sollte die Teilnahme sogar gerichtlich erzwungen werden – was scheiterte. Nun gibt es in Sotschi die Premiere. Damit ist die nordische Kombination die einzige Disziplin, in der ausschließlich Männer starten.

Biathlon Mixed-Staffel: Die in der Vergangenheit erfolgsverwöhnte deutsche Biathlon-Mannschaft erhält eine weitere Medaillenchance. Männer und Frauen laufen abwechselnd und absolvieren je ein Liegend- und Stehendschießen. Bei Weltmeisterschaften gibt es diesen Wettbewerb bereits seit 2007.

Teamstaffel Rodeln: Ein Rodler, eine Rodlerin und ein Doppelsitzer-Gespann bilden für jede Nation ein Team. Der erste Starter löst am Ende der Strecke das Startsignal für den nächsten aus, am Ende siegt die Mannschaft mit der geringsten Gesamtzeit.

Teamwettbewerb Eiskunstlauf: Nicht einmal bei Weltmeisterschaften gibt es dieses Format bislang, bei den Olympischen Spielen dürfen sich die Eiskunstläufer aber erstmals als Mannschaftssportler präsentieren. Je ein Einzelläufer, eine Einzelläuferin, ein Eiskunstlauf-Paar und ein Eistanzpaar absolvieren eine Kür und ein Kurzprogramm.

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