Frontmann Corey Taylor und Slipknot verwandelten die Schleyerhalle in ein Metalinferno. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Slipknot haben am Samstagabend die ausverkaufte Hanns-Martin-Schleyer-Halle zu einem großen Moshpit verwandelt. Die Band um Frontmann Corey Taylor lieferte den Fans ein lautes Metal-Inferno.

Stuttgart - Die Welt ist kein guter Platz, aber die Metal-Fans halten zusammen, und keiner wird ihrer Familie jemals krumm kommen dürfen – Corey Taylor, der Sänger von Slipknot, ruft es hinaus, am Samstagabend, in die vollbesetzte Hanns-Martin-Schleyer-Halle. „Maggots“, Maden, so nennen sich finster die Fans von Slipknot, sie wimmeln in der Masse, sie rasen auf ihren Plätzen, sie toben im Kreis vor der Bühne.

Die Band aus Iowa, gegründet bereits 1992, seit der Veröffentlichung ihres Debüts von 1999 ungeheuerlich erfolgreich, vermischt alle Stile, springt von Momenten konventioneller harter Rockmusik hinein in ein Inferno rasenden Lärms, technisch bezwingend, unerbittlich wild und theatralisch kontrolliert. Corey Taylor singt mit klarer, kräftiger Stimme: „Oh, I’ll never kill myself to save my soul“, ein hymnischer Einstieg, getragen von Chören, von starker Melodie - aber gleich geht er über zu schreiendem, schnellen, rhythmischem Sprechgesang, bricht das Stakkato der harter Riffs, des manischen Schlagzeugspiels ein, kommt die metallische Dunkelheit. Und so geht das weiter: ein Sturm, der die Grenze zwischen Metal, Noise, Industrial hinwegfegt, der aufgerissen wird von dunkel dräuenden, bedrohlichen Flächen elektronischen Klangs, ein Malstrom, in dem die Gitarrensoli wie Splitter aus scharfem Metall schwimmen, rasende Geschwindigkeit, die tosenden Stillstand gleicht.

Behemot als Vorband

Behemot aus Polen führten ihr Publikum als Vorband noch zurück zu den Ritualen archaischer Zeiten; Slipknot leben in einer Welt, die von Kälte, dumpfer Maschinenkraft und den Fratzen entfesselter Gewalt beherrscht wird. Lichtwände neigen sich flach in die Tiefe des Bühnenraumes, matt schimmernde Quader schließen Jay Weinberg und sein monumentales Schlagzeug ein. Auf leuchtenden Stelen, zur Rechten, zur Linken, die zwei Perkussionisten: untote Mumien, die auf Fässer aus Metall trommeln, sich aufbäumen und winden, in jedem Augenblick den Sprung nach vorne zu wagen scheinen. Eine sehr sinistre Gestalt in einer roten Robe huscht auf der Bühne umher, beugt sich über ein Schaltpult. Eine andere Gestalt besitzt einen gesichtslosen schwarzen Kopf, auf dem lange stählerne Spitzen wachsen.

Slipknot erlebten im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Besetzungswechsel, immer treu geblieben sind sie jedoch ihrer Grundidee: alle Musiker treten in Verkleidung auf, mit Masken aus dem Horrorrepertoire, entstellte Biomasse im futuristischen Design. „We are not your kind“, so heißt ihr jüngstes, erst sechstes Album: Wir sind nicht von eurer Art. In Stuttgart spielen sie neue, alte Stücke, die von ihren Fans gefeiert werden: „New Abortion“, „Solway Firth“, „Vermillion“, „All about Life“ – Feuer schießt über die Bühne, Rauch steigt auf, die Welt geht unter und entsteht erneut in einer eiskalt kochenden Katharsis, und Slipknot beweisen, dass sie 2020 so böse, hart und präsent sind wie eh und je.

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