Ein Spannband muss man selbst mitbringen, dann kann die Slackline-Anlage im Stadtpark Zuffenhausen genutzt werde Foto: Chris Lederer

Im Zuffenhäuser Stadtpark gibt es seit einigen Wochen eine Anlage, um die Trendsportart Slacklining auszuüben.

Zuffenhausen - Die Vorbereitungen sind schnell getroffen. Schuhe und Socken aus, Flachband rausgeholt, ausgerollt, die Enden um die Baumstämme gelegt, ein paar Handgriffe nur noch und schon ist die Slackline, das 25 Meter lange Spannband, ordentlich auf Zug gebracht. Es kann losgehen. Könnte. Denn mit dem Losgehen ist erstmal nichts. „Als erstes sollten Sie einfach versuchen, sich möglichst lang oben auf dem Band zu halten“, erklärt Benedikt Schoch. Einfacher gesagt, als getan. Die Angelegenheit ist eine wackelige, und die Erde hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Kaum vorstellbar, dass es Leute gibt, die auf dem fünf Zentimeter dünnen Band vorwärts kommen, sich drehen, sich setzen, hüpfen und sogar Saltos schlagen. „Es dauert ein bisschen, aber mit Geduld und Übung kann man schon nach zehn Trainingseinheiten gute Fortschritte sehen“, erklärt der Zuffenhäuser.

Die Slackline hat der 22-jährige Student von seinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen. Seitdem lässt ihn das wackelige Hobby auf dem schmalen Band nicht mehr los. Wann immer ihn die Lust packt und das Wetter mitspielt, fährt er in den Zuffenhäuser Stadtpark und spannt seine Slackline. Dort gibt es seit rund sechs Wochen eine Anlage. Der Revierleiter Dieter Hagenmüller hat zwei entrindete Robinienstämme in den Boden versenken lassen, gut 20 Schritte voneinander entfernt. Dazwischen ein 50 Zentimeter tiefes Kiesbett, das federt die Landung ab.

Slacklines sind erschwinglich und für 50 Euro zu haben

„Ursprünglich war an diesem Platz eine Grillstelle, die mussten wir aus anderen Gründen um ein paar Meter versetzen, und da wir die Fläche nicht ungenutzt lassen wollten, haben wir die Slackline-Anlage errichtet“, sagt Hagenmüller. „Die Baumstämme haben als Totholz im Wald gelegen, so erfüllen sie nun einen sinnvollen Nutzen.“ Generell seien Robinien besonders robuste und wetterbeständige Bäume. Die Zukunft werde zeigen, wie gut sich die Anlage hält. Hagenmüller ist zuversichtlich. Eigentlich habe man auch ein Band spannen wollen, aber das hätte wahrscheinlich nicht lange gehalten. Nun müsste man es selbst mitbringen, die Slacklines seien in der Anschaffung aber erschwinglich und bereits für rund 50 Euro zu haben.

Hagen Dilling vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt ergänzt: „Wir nähern uns dem Thema Slacklining gerade erst und wollen im Stadtgebiet weitere Möglichkeiten schaffen, dass diese Trendsportart ausgeübt werden kann, ohne dass die Bäume darunter leiden.“ Denn viele Slackline-Sportler wüssten nicht, dass sie mit ihrem Band die Pflanzen beschädigten, wenn sie lebende Bäume zum Spannen nutzten, erklärt Hagen Dilling . „Es treten sehr hohe Zugkräfte auf, die beschädigen das Cambium, die Wachstumsschicht unter der Rinde.“ Diese Versorgungsbahnen des Baumes würden vom Band gequetscht und dadurch verletzt. „Auf Dauer überlebt das kein Baum“, sagt Dilling.

„Auf Dauer überlebt das kein Baum“

Neben der neuen Anlage im Stadtpark gibt es bereits fünf weitere Plätze in Stuttgart, an denen die Sportart ausdrücklich erlaubt ist: an der Universität in Vaihingen, im Stadtgarten, am Kiosk und am Spielhaus des Unteren Schlossgartens sowie im Park der Villa Berg. An allen anderen, ungeschützten Bäumen sei das Anbringen von Slacklines nicht zulässig.

Dass man keine lebenden Bäume für das Hobby nutzen darf, wusste auch Benedikt Schoch bisher nicht: „Ich dachte immer: zwei Bäume, eine Wiese, das reicht.“ Aber nun, da er die Anlage in Zuffenhausen nutzen kann, braucht er nicht nach Alternativen zu suchen: „Die Anlage hier ist optimal – ich find’s super!“

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