Balancieren auf dem Spanngurt: Trendsport Slackline Foto: dpa

Zwei Cousins aus Korb haben es auf der Slackline ins Finale eines Talent-Wettberwerbs geschafft.

Stuttgart - Die Cousins Benjamin und Josua Schmid machen Sperenzchen auf einem federnden Spanngurt. Mit ihren Tricks auf der Slackline haben sie es jetzt in das Finale eines Online-Talentwettbewerbs geschafft.

Wer mit Benjamin und Josua Schmid spricht, muss erst einmal seinen Wortschatz erweitern. Sie reden von "Butt Bounce" oder "Chest Bounce". Das sind nur ein paar Namen von Tricks auf der sogenannten Slackline - einem Gurt, der zwischen zwei Bäumen gespannt ist. Benjamin setzt zu einem Rückwärtssalto an, springt, dreht sich in der Luft und landet wieder auf dem Gurt.

Die Cousins Benjamin (16) und Josua Schmid (20) aus Korb treffen sich an diesem sonnigen Nachmittag in Waiblingen im Park Talaue gleich hinter dem Bürgerzentrum. Zwischen zwei Bäumen haben sie ihre Slackline gespannt. Sie trainieren für ihren großen Auftritt beim Talentwettbewerb der Internetvideoplattform You Tube. Das Finale findet diesen Donnerstag in Köln statt.

Benjamin stolziert, balanciert, hüpft, schreitet und springt über den gespannten Gurt. Zum "Butt Bounce" lässt er sich auf das Hinterteil fallen, beim "Chest Bounce" auf die Brust. Josua feuert ihn an, weiß genau, wie welche Kombination heißt. Passanten bleiben stehen und staunen über die Tricks, die die Cousins abwechselnd auf ihrer Slackline machen. Es sind zwei sportliche Jungs, beide Gymnasiasten, die ihre Freizeit am liebsten mit Sport verbringen. Auf dem Fußballplatz, auf dem Basketballfeld oder eben auf der Slackline - diesem etwa fünf Zentimeter breiten Band, das zwischen zwei Bäumen stramm gespannt ist. Darauf werden Kunststücke gemacht, die bisweilen an Zirkusakrobatik erinnern. Oder eben an Seiltänzerei, die ganz modern interpretiert wird und vor allem sehr angesagt ist. Denn Slacklining wird immer beliebter.

Benjamin und Josua bei 3700 Bewerbern unter den besten sechs

"Es wird mehr und mehr zur Trendsportart", sagt Benjamin, der vor zwei Jahren mit diesem Hobby angefangen hat. Das Gute daran: Slacklining kann eigentlich überall ausgeübt werden, wo zwei Bäume stehen. Das sogenannte Tricklining - wie es auch Benjamin und Josua praktizieren - ist die vielleicht populärste Art, bei der Kunststücke gemacht werden. Es gibt aber auch extreme Varianten - etwa in unglaublichen Höhen zwischen Bergschluchten, "Highlines" genannt. Oder über Wasseroberflächen, die sogenannte Waterline.

Die Slackline der Cousins Schmid ist ungefähr einen Meter über dem Boden gespannt. Im Sommer üben sie draußen, im Winter in Papas Fabrikhalle. Unter der Slackline liegen Matten, die die Stürze abdämpfen. Doch "in der Natur ist es schöner", sagt Josua, der seine Kunststücke mit speziellen Schuhen macht. Benjamin dagegen ist barfuß. Seit über einem Jahr treffen sie sich mehrmals die Woche, um auf ihrer Slackline zu trainieren. Mindestens eine Stunde lang. Manchmal auch mehr.

Die Slackline ist zwischen zehn und 15 Metern lang. Es geht darum, möglichst viele Tricks in einer Kombination unterzubringen. Der Salto, ob vorwärts oder rückwärts, beeindrucke immer alle Zuschauer, sagt Josua, doch viel schwieriger seien Kombinationen von mehreren Tricks.

Benjamin und Josua nennen sich Elephant Slackliner. Das hat mehrere Gründe: Weil die Spanngurtfirma so heißt, "weil Elefanten das eben nicht können", sagt Josua, und Benjamin meint, dass ihre Slackline robust und stabil sei. Bis zu vier Tonnen könne ein gespannter Gurt aushalten.

Finalshow in Köln

Ein Freund der beiden filmt Benjamin und Josua bei ihren Übungen und hat die Videos zu You Tube geschickt. Die Online-Videoplattform hat einen Talentwettbewerb ausgerufen. Benjamin und Josua haben sich gegenüber 3700 Bewerbern durchgesetzt und sind jetzt unter den letzten sechs Kandidaten. Im Internet wird derzeit über den Sieger abgestimmt.

Am 9. Juni findet die Finalshow der Talentsuche in Köln statt. Ihre Konkurrenz ist keine im direkten Umfeld: Vier der Bewerber machen Musik, einer ist ein Dosenwerfer. Für den ersten Platz gibt es eine Talentförderung im Wert von 10.000 Euro. Was sie mit diesem Gewinn machen würden? Investieren - in neue Einräder und Skier. Den Rest würden sie ganz schwäbisch aufs Konto packen.

Auf You Tube kann man sehen, wie Josua und Benjamin in der virtuellen Welt die Tricks in der realen machen. Auf der Stuttgarter Königstraße beispielsweise, wo sie ihre Slackline im Bewerbungsvideo aufgespannt haben. Doch überall geht das nicht. Slacklining ist in Stuttgarter Parks zum Großteil verboten, weil das Band Schäden an der Rinde der Bäume verursachen kann. Josua greift wieder in sein Slackline-Vokabular: "Pah, dafür gibt es doch die Treeskin." Schon wieder so ein Wort aus dem Slackline-Vokabular. Übersetzt heißt es einfach "Baumhaut". Es ist ein Schutz, den man unter die Slackline klemmt.

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