Der Sky Beach in der Stuttgarter City wird Ende September/Anfang Oktober zum Schauplatz eines kleines Volksfestes. Foto: Müller

Ein Herbst ohne Dirndl, Maßkrugstemmen und Vesperbrett? Wirt Lothar Müller meint: Das geht nicht! Auf seinem Sky Beach in der Stuttgarter City feiert er ein kleines Bierfest – Corona-konform im Freien. Die Idee findet immer mehr Fans.

Stuttgart - Die Schockstarre am Anfang der Pandemie ist längst überwunden. Die Menschen lernen, mit dem Virus zu leben und ihm Paroli zu bieten. Die Coronakrise hat Kreativität beflügelt. Sky-Beach-Chef Lothar Müller, der seit 16 Jahren auf dem Kaufhof-Dach mitten in der Stuttgarter City Urlaubsgefühle auf Sand bettet, will sich nicht damit abfinden, dass in diesem Herbst kein „Die Krüge hoch“ und kein „Prost ihr Säcke“ auf dem Cannstatter Wasen erklingt. Das Volksfest braucht Ersatz, dachte er sich, und fand beim Brainstorming rasch Verbündete. Vom 19. September bis 4. Oktober, zur besten Wasen- und Wiesn-Zeit, veranstaltet er mit etlichen Partnern, darunter Hitradio Antenne 1, über den Dächern Stuttgarts eine kleine, aber feine Alternative – genau so, wie es die Corona-Gesetze erlauben. Dezentes Feiern ohne Halligalli.

Es soll doch noch ein „Ozapft isch“ erklingen

„Wiesn da oben“, so heißt sein Open-Air-Bierfest für täglich 400 Gäste auf seinem über 2000 Quadratmeter großen Stadtstrand mit wunderbarem Kesselblick. Warum nicht „Wasen da oben“? Lothar Müller verweist auf die bayerische Brauerei Spaten, mit der er seit Jahren verbandelt ist. Die freut sich, dass doch noch im Corona-Jahr 2020 ein donnerndes „Ozapft isch“ gerufen wird, nicht in München, dafür aber in Stuttgart. Außerdem glaubt der Gastronom, dass ein Wiesn-Ableger bei den Schwaben auch dann eine Chance hat, wenn die Pandemie überwunden ist. „2021 wollen wir nicht einen zweiten Wasen feiern, wenn das Original wieder am Start ist“, sagt Müller, „aber eine kleine Wiesn.“

„Die Menschen fühlen sich im Freien sicher“

Dirndl- und Lederhosenpflicht herrscht im Herbst auf dem Sky Beach. Kurz davor wird Müller den Sand entfernen und in die Wilhelma transportieren lassen. Bierzeltgarnituren werden aufgestellt, darüber sollen Schirme gespannt werden, falls es doch mal regnet. „Die Menschen fühlen sich im Freien sicher“, weiß Müller. Wenn der Herbst golden wird, kann nichts mehr schief gehen. Sollte das Wetter so schlecht werden, dass keiner draußen sitzen will, bekommen alle, die Karten gekauft haben, das Vesperbrett nach Hause geliefert.

Getanzt wird nicht, ein DJ legt Bierfestmusi auf. Tische für acht Personen können gebucht werden. Von 16 Uhr an ist die „Wiesn da oben“ geöffnet – um 21 Uhr ist Schluss. Die Autos können 48 Stunden lang im Kaufhof-Parkhaus bleiben, falls man sich entschließt, mit dem Taxi nach Hause zu fahren oder in einem nahen Hotel zu übernachten.

„Man spürt, wie sich alle freuen, dass doch was stattfindet“

Bei den Vorbereitungen hat Lothar Müller rasch zahlreiche Partner gefunden, vom Dirndlhersteller bis zum Caterer, vom Champagner-Primus bis zum Radiosender. „Man spürt richtig, wie sich alle freuen, dass doch was stattfindet“, sagt der Wirt. Die Karte kostet 60 Euro pro Person, darin enthalten sind das Brotzeitbrett und drei Maß Bier (oder Getränke und Essen im Wert von 33 Euro). Es gibt auch Hähnchen und Kässpätzle. Müller glaubt, mit seiner Idee Firmen für Einladungen von Mitarbeitern oder Kunden begeistern zu können. Wer sich in den normalen Jahren in Lederhose oder im Dirndl in den Wasenlogen trifft, kann sich nun auf dem Sky Beach zu „Wiesn da oben“ verabreden. Einlass ist nur bei Online-Buchung unter http://www.wiesndaoben.de/ möglich. Der Vorverkauf ist ab sofort eröffnet.

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