Anna Schudt und Jörg Hartmann lachen sich nach dem „Schnarcher“ im Publikum der Schwabenlandhalle kringelig. Foto: Klaudia Marschner

Die Schauspielstars Anna Schudt und Jörg Hartmann erleben bei „Love Letters“ in der Schwabenlandhalle einen einzigartigen Moment ihrer Karriere.

Es gibt Ereignisse, bei denen hat man schon im Vorfeld ein richtig gutes Gefühl: Das könnte heute wirklich was ganz Großes werden! Und siehe da, was sich jetzt im ausverkauften Uhlandsaal der Schwabenlandhalle in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) abspielte, war derart außergewöhnlich, dass alle Beteiligten sich wahrscheinlich noch Jahrzehnte später daran erinnern werden – jene Hochkaräter auf der Bühne wie jene Normalsterblichen im Auditorium.

 

Es waren zwei Topvertreter der bundesdeutschen Schauspielkunst, die Christa Linsenmaier-Wolf als Vorsitzende der Kulturgemeinschaft Fellbach an Land gezogen hatte: Jörg Hartmann und Anna Schudt, bekannt durch ihren langjährigen Kommissar-Einsatz als Ermittlerduo im „Tatort Dortmund“. Hartmann war auch beim jüngsten Fall am Sonntagabend zur Hauptsendezeit selbst auf dem Bildschirm zu sehen, Schudt fand nach ihrem bereits 2022 selbst gewählten Serientod im aktuellen TV-Krimi nur als Foto auf ihrem Grab statt.

Anreise aus Düsseldorf und Potsdam nach Fellbach

Schudt war an jenem Tag von ihrem Wohnort Düsseldorf aus nach Fellbach angereist, Hartmann aus Potsdam – „mit der Bahn, die erfreulich zuverlässig war“, wie Linsenmaier-Wolf in ihrer Begrüßung scherzte. Hartmann hatte bereits im vergangenen April mit der Lesung aus seinem Buch „Der Lärm des Lebens“ in Fellbach derart für Furore gesorgt, sodass „der Wunsch nach einer Fortsetzung“ entstanden war.

Und siehe da, der Schauspieler hatte „eine Lesung im Köcher“, die wiederum ideal zu der ohnehin herausragenden, aktuellen, mehrmonatigen Fellbacher Reihe „Beziehungskunst“ über Künstlerpaare in Literatur, Musik oder Kunst passte.

Wechselseitig lasen die beiden Akteure, die man sonst nur auf den besten Bühnen der Republik erleben kann, aus dem Liebesbriefroman „Love Letters“ von A. R. Gurney. Über Jahrzehnte schreiben sich die aus gutem Hause stammende, eher verwöhnte Melissa und der ein wenig spießige Andy Liebesbriefe, begleiten sich durch die Aufs und Abs ihres Lebens. Die Lesung in Fellbach hatte allerdings noch eine allzu menschliche Pointe parat. Derartige Abende werden bekanntlich gerne von so manchen Störgeräuschen begleitet. Mal ist es ein Hustenanfall, der oft ansteckend auf weitere angekränkelte Zeitgenossen wirkt. Oder es hat mal wieder jemand vergessen, sein Handy lautlos zu stellen – und so bimmelt es halt mitten in dem ergreifendsten Moment,

Augenblicke besonderer Konzentration gab es nun natürlich auch im Uhlandsaal. Nach so zwei Dritteln allerdings ertönte aus der Mitte des Saals ein überraschendes Geräusch: ein zwar kurzer, aber deutlich vernehmbarer Schnarcher.

Was diesem unfreiwilligen Interruptus folgte, würde man im Fußball wohl als fünfminütige Spielunterbrechung bezeichnen: Schudt prustete spontan auf der Bühne los, rang nach Atem, minutenlang liefen ihr die Lachtränen die Wangen hinunter. Hartmann zeigte sich in schlagfertiger Reaktion erfreut über die entspannende Wirkung ihrer Darbietung und empfahl: „Dann fangen wir am besten noch mal ganz von vorne an.“

Doch das am Ende mit minutenlangem Applaus der 380 Besucher bejubelte Event hatte noch ein Pointen-Nachspiel. Denn bei der anschließenden Autogrammstunde schlängelte sich ein Herr mit kurzem, grauen Haarschnitt nach vorne und offenbarte sich entschuldigend bei Schudt und Hartmann: Er sei jener gewesen, der leider plötzlich eingenickt sei.

„Schläfer“ outet sich beider Autogrammstunde

Er lebe am Bodensee und sei dort morgens um 6 Uhr losgefahren, weil er unbedingt die Lesung in Fellbach mit den beiden Top-Schauspielern erleben wollte. Die schlauchende Tagesprozedur endete am frühen Abend im Powernap. Schudt verzieh ihm diesen ohnehin lustigen Vorfall und lobte ihn dafür, dass er sich sogar als „Schläfer“ geoutet hatte.