Der Patron des SSC Neapel: Aurelio De Laurentiis. Foto: imago/Fotoagenzia

Der Eigentümer des SSC Neapel warnt vor einem Kollaps des Systems – und zeigt damit nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky, wie wenig Vernunft im Spiel ist.

Stuttgart - Filmproduzent Aurelio De Laurentiis (72) ist nicht nur ein cleverer Geschäftsmann, sondern auch einer der letzten Patrone des italienischen Fußballs. Schon viermal erhielt der Eigentümer des SSC Neapel für sein „vorausschauendes, kluges, tugendhaftes und innovatives Finanzmanagement“ eines Serie-A-Vereins den „Football-Leader“-Preis. Was ihn allerdings nicht davor schützt, auch ziemlich skurrile Meinungen zu vertreten.

 

Vor dem Duell in der Europa League beim englischen Vertreter Leicester City, in dem der SSC Neapel dank der beiden Treffer des Nigerianers Victor Osimhen (mit 60 Millionen Euro Ablöse der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte) am Donnerstagabend nach einem 0:2-Rückstand doch noch zu einem 2:2-Remis kam, hatte De Laurentiis über die finanzielle Situation vieler Vereine gesprochen – und vor einem Kollaps gewarnt: „Das System funktioniert nicht mehr. Die Champions League und die Europa League bringen nicht genügend Einnahmen, um eine Teilnahme zu rechtfertigen.“

Was dahintersteckt? Ist klar: Zum einen der nächste Versuch, die Einführung einer europäischen Super League zu rechtfertigen. Und zum anderen ein bizarres Verständnis vom Umgang mit Geld.

De Laurentiis fordert mehr Geld

Um wettbewerbsfähig zu sein, fabulierte De Laurentiis im Interview mit der „Daily Mail“ weiter, bräuchten die Clubs „mehr Starspieler. Das bedeutet, dass die Vereine mehr Geld ausgeben müssen, aber die Preisgelder der europäischen Wettbewerbe berücksichtigen dies nicht. Wir müssen miteinander reden, um ein moderneres Turnier aufzubauen, das für alle Beteiligten gewinnbringend ist.“ Oder einfach mal das Hirn einschalten.

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Denn natürlich gibt es Alternativen zur grenzenlosen Gier mit immer noch utopischeren Gehältern für die Topstars und immer noch irrsinnigeren Gagen für Durchschnittskicker und immer noch absurderen Ablösesummen. Wie wäre es mal mit nachhaltigem Wirtschaften? Mit Gehaltsobergrenzen? Mit der Einhaltung der Regeln des Financial Fairplay von allen? Mit der Einführung einer verpflichtenden Eigenkapitalquote? Mit einer gerechteren Verteilung der TV-Gelder? Mit Werten, die auch die Fans teilen können? Ideen, das System Fußball am Laufen zu halten, gibt es genügend. Ohne Vernunft wird es allerdings nicht gehen.

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Statt darüber nachzudenken, plädiert De Laurentiis für eine „europäische Liga mit einem demokratischen Zulassungssystem, das auf den Leistungen der Mannschaften in ihren nationalen Wettbewerben basiert. Ich habe mir ein Projekt angesehen, das dem europäischen Fußball zehn Milliarden Euro bringen könnte“. Absurd? Absolut! Weshalb es alles andere als eine Überraschung wäre, wenn De Laurentiis bald zum fünften Mal den Preis für „vorausschauendes, kluges, tugendhaftes und innovatives Finanzmanagement“ erhalten würde. Denn der Fußball spielt verrückt. Und ein Ende ist nicht in Sicht.