Beim Aufstellen des Kunstwerks ist Teamwork gefragt: Der Durchmesser des Rads misst viereinhalb Meter. Foto: Gottfried Stoppel

Der Bildhauer Karl Ulrich Nuss hat seiner Heimatstadt Weinstadt eine eigens für sie entworfene Skulptur gespendet. Jetzt wurde sie aufgestellt.

Karl Ulrich Nuss hat seiner Heimatstadt ein Geschenk gemacht – unübersehbar am Endersbacher Ortseingang auf dem Kreisverkehr am Viadukt. Am Mittwochvormittag wurde das „Weinstadt Rad“ dort aufgestellt. Viereinhalb Meter misst sein Durchmesser. Gehalten wird das fünfspeichige Rad aus Cortenstahl von einer gut zwei Meter großen Bronzefigur.

 

Die fünf Ortsteile von Weinstadt

„Die Skulptur ist relativ leicht interpretierbar“, antwortet der Bildhauer auf die Frage nach der Bedeutung seines Werks. So symbolisierten die Speichen des Rads die fünf Ortsteile von Weinstadt. „Die Figur greift in die Speichen und versucht damit, das Rad zu halten, auszubalancieren und zu bewegen“, erklärt Nuss. Damit sei für ihn alles gesagt.

Die Nachfrage, ob und inwieweit Balance zwischen den im Zuge einer Gemeindereform 1975 zur Stadt Weinstadt zusammengeschlossenen Ortsteilen aus seiner Sicht nötig ist, übergeht er geschickt, weist indes darauf hin, dass die Abstände zwischen den Speichen alle gleich sind – unabhängig von den Größen der Ortsteile. Eine konkrete Zuordnung zu Beutelsbach, Endersbach, Großheppach, Schnait und Strümpfelbach gibt es somit nicht.

Wie ist er eigentlich auf die Idee für das Kunstwerk gekommen? „Da muss etwas passieren“, habe er sich vor ein paar Jahren angesichts der bisherigen Gestaltung des Kreisels gedacht. Für die Optik, welche die damals noch an dem zentralen Ortseingang aufgestellten Rankgerüste boten, kann oder will der Bildhauer keine Worte zur Beschreibung finden. Fest stand für ihn jedenfalls: „Da muss etwas Höherwertiges hin.“ Eine Skulptur von ihm.

Eigens für seine Heimatstadt entwarf er daraufhin das „Weinstadt Rad“ und wurde mit seiner Idee im Rathaus vorstellig. Ende vergangenen Jahres schließlich griff die CDU-Fraktion im Gemeinderat den Vorschlag des Künstlers auf und beantragte, ihn umzusetzen. Eine Auftragsarbeit ist die Skulptur dennoch nicht, wie Nuss betont, sondern eine Spende.

Ein Impuls für den Einzelhandel

„Die Stadt Weinstadt setzt mit diesem Projekt einen kleinen, aber feinen Impuls für die weitere Aufwertung der Einzelhandelssituation im Rahmen des laufenden Sanierungsverfahrens für den Ortskern von Endersbach“, teilt die Stadtsprecherin Carina Rother zur Bedeutung der neuen Kreiselgestaltung für die Stadt mit. Dabei markiere der Kreisverkehr am Viadukt die städtebauliche Mitte des zentralen Einkaufsbereichs Weinstadts, indem er den großflächigen Einzelhandel im Kalkofen mit den inhabergeführten Geschäften an der Einkaufsstraße verbinde und mehrere stark frequentierte Hauptverkehrsadern miteinander verknüpfe. „Das Viadukt selbst ist in dieser Hinsicht, schon von seiner Zeichenhaftigkeit her, gewissermaßen ein Wahrzeichen“, sagt Carina Rother. Einen markanteren Ort in der Stadt, an dem sein Werk täglich noch mehr Menschen in den Blick fällt, hätte Karl Ulrich Nuss somit für seine für Weinstadt symbolträchtige Skulptur nicht finden können.

Jüngste Werke sollen im Stiftshofkeller gezeigt werden

Derweil ist Nuss, der in seinem künstlerischen Schaffen keine Pause kennt, schon wieder anderweitig beschäftigt. Hauptsächlich befasse er sich derzeit indes mit der Konzeption zweier Ausstellungen anlässlich seines 80. Geburtstags am 17. Januar, erzählt er. Retrospektiven seien indes keine vorgesehen, merkt Nuss an. Ganz im Gegenteil. Seine jüngsten Werke der vergangenen zwei Jahre möchte der Bildhauer vom 20. Januar an im Beutelsbacher Stiftshofkeller zeigen. Kaum älter sind die Tier-Mensch-Figuren, die von Mitte Februar an im Stadtmuseum in Schwäbisch Gmünd zu sehen sein sollen.

Dabei ist Schwäbisch Gmünd als zweiter Ausstellungsort nicht zufällig gewählt. „Es gibt eine lange Verbundenheit zu Schwäbisch Gmünd“, erzählt Karl Ulrich Nuss. Zum einen habe sein Vater Fritz Nuss dort an der Hochschule für Gestaltung gelehrt und er dessen Professur im Anschluss für acht Jahre übernommen. Zum anderen habe er dort seine Ausbildung zum Ziseleur gemacht und die Gesellenprüfung abgelegt. In dieser Zeit habe er auch in Schwäbisch Gmünd gewohnt. „Mein Lebensmittelpunkt ist aber immer Strümpfelbach gewesen“ – und zwar seit seine Eltern mit ihm als Dreijährigen von Stuttgart ins Remstal gezogen sind. Stets sei Strümpfelbach sein erster Wohnsitz geblieben. „Ich bin mit dem Ort verankert.“