Präzise, kommunikativ, transparent und farbenreich: Das Stuttgarter Kammerorchester und Thomas Zehetmair haben Werke von Bach und Schostakowitsch gespielt.
In düsterer Stimmung und kraftlos setzt die Solovioline in Karl Amadeus Hartmanns Concerto funèbre ein. Ein Stück, das sich aus tiefer Depression durch alle nur möglichen Gefühlszustände kämpft, bis am Ende ein bisschen Hoffnung aufglimmt. Hartmann, unter den Nationalsozialisten ins Berufsverbot verdammt, schrieb diese hochexpressive Bekenntnismusik 1939 gegen die „Aussichtslosigkeit für das Geistige“. Thomas Zehetmair, der das Concerto jetzt als Solist mit dem Stuttgarter Kammerorchester (SKO) im erfreulich gut besuchten Mozartsaal aufgeführt hat, scheint für diese Musik geradezu prädestiniert zu sein.
Mit großem Einfühlungsvermögen
Seine Fähigkeiten zur sehr feinen dynamischen und farblichen Abschattierung und zur emotionalen Durchdringung des Materials gehen eine glückliche Verbindung ein in diesem Wechselbad aus verinnerlichten fahlen Farben, schroff auffahrender Anklage, euphorischem Singen. Und das SKO, in gemeinsamem Ausdruckswillen vereint, geht diesen Weg mit: präzise, kommunikativ, transparent, farbenreich. In Zehetmaiers Leitung wird so auch Dmitri Schostakowitschs Kammersinfonie op. 110a ein Konzertereignis – gespielt mit großem Einfühlungsvermögen in die Doppelbödigkeit der Ausdruckswelt Schostakowitschs: von der Depression bis hin zum grotesk-schroffen Totentanz. „Den Opfern des Faschismus und des Krieges“ gewidmet, ist auch dieses Werk Bekenntnismusik. Dass es am Ende in Betrübnis verdämmert, will Zehetmair so aber nicht stehen lassen und lässt – nahtlos anschließend – eine eigene Orchesterbearbeitung der Nummer 14 aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ folgen.
Offenbar möchte er das Publikum in diesen Zeiten getröstet und zuversichtlich aus dem Konzert entlassen. Kann man so machen. Dass das SKO seit April up to date mit Tablets ausgestattet ist und die Notenseiten nun elegant mit der Schuhspitze wechseln kann, kommt solcher partiell introvertierten Musik jedenfalls durchaus zugute, gehören doch jetzt Blätterrauschen und hektische Körperbewegungen der Vergangenheit an.