Bewährte Kraft im Deutschen Ski-Verband: Viktoria Rebensburg Foto: DPA

Der Deutsche Skiverband hat seine alpine Damenmannschaft umstrukturiert – Viktoria Rebensburg bleibt aber das Aushängeschild.

Stuttgart - Es gab Jahre, da war Bescheidenheit das Pflichtprogramm von Wolfgang Maier, wenn er über das deutsche Herrenteam im alpinen Ski-Weltcup sprach. Vor allem im Slalom und Riesenslalom gehören diese Zeiten der Vergangenheit an, weshalb der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbands (DSV) vor dem Saisonauftakt am Wochenende in Sölden sagt: „Unser erklärtes Ziel ist es, in den nächsten Jahren die weltbeste Technikmannschaft zu stellen.“ Dank Felix Neureuther, Fritz Dopfer, Stefan Luitz, Linus Strasser und einigen Talenten kein unmögliches Unterfangen. „Wir starten gut vorbereitet“, sagt Maier. Das Damenteam derweil unter gänzlich anderen Vorzeichen.

„Dieses Team war jahrzehntelang unser Aushängeschild“, startet Maier seine Situationsbeschreibung – und deutet dabei schon an, dass sich der Wind längst gedreht hat. Mit Blick auf die vergangene Saison bestätigt er dann auch: „Wir waren nicht zufrieden mit den Ergebnissen, in den Rennen waren wir einfach zu schwach.“ Was einerseits erwartbar war nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch. Die Wucht des Absturzes hat dann aber doch überrascht. „Wir haben nicht gesehen, wie krass es wirklich aussieht“, gibt Alpin-Chef Maier zu, „erst im Laufe der Saison ist aufgefallen, wie groß die Defizite sind.“ Und dass bis auf Viktoria ­Rebensburg keine deutsche Rennläuferin mehr in der absoluten Weltspitze vertreten ist. Dann war auch schnell klar, dass es im Anschluss an die Saison „Veränderungsbedarf“ gab. Maiers Lösungsansatz: „Wir gehen weg vom Kleingruppensystem.“

Zusätzlicher Techniktrainer

LG Ia und LG Ib hießen die beiden Lehrgangsgruppen, in denen die Athletinnen je nach Klasse getrennt voneinander trainiert haben. Seit dem Start der Vorbereitung auf die neue Saison gibt es nur noch eine Gruppe – so sollen die jüngeren Rennläuferinnen von den etablierten lernen und gleichzeitig den Druck erhöhen. Zudem wurden Trainer ­ausgetauscht. Je vier Coaches kümmern sich nun um das jeweils acht- bis zehnköpfige Technik- und Speedteam. Vier bis fünf Fahrerinnen sollen es so bis Ende der Saison in die Top 30 schaffen. Weitere Neuerung: Die Gruppe, die hauptsächlich Abfahrt und Super-G trainiert, hat zusätzlich einen Techniktrainer – eine Lösung, die auf Viktoria Rebensburg zugeschnitten ist.

Die Riesenslalom-Olympiasiegerin zählt mittlerweile auch in den schnellen Disziplinen zu den Besten – musste jedoch für das ­jeweilige Training immer die Gruppe wechseln. Dieser Aufwand entfällt nun, weshalb Maier meint: „Wir wollten ihr mehr Ruhe geben. Vicky hat deutliche Schritte nach vorn gemacht.“ Und könnte in der kommenden Saison ein Wörtchen im Rennen um den Gesamtweltcup mitreden. „Ich bin überzeugt, dass sie ganz vorne mitspielen kann“, sagt Sportchef Maier. Rebensburg selbst bleibt nach der Materialumstellung und einer Knieverletzung, aber auch WM-Silber in der vergangenen Saison vorsichtig vor dem Start am Samstag: „Ich bin gespannt, wo ich im internationalen Vergleich stehe.“

Neben Rebensburg gehen am Samstag (9.30 und 12.45 Uhr/ARD, Eurosport) Lena Dürr, Simona Hösl und Susanne Weinbuchner an den Start. Bei den Herren am Sonntag (9.30 und 12.45 Uhr/ARD, Eurosport) sind es Fritz Dopfer, Stefan Luitz, Alexander Schmid und eventuell Felix Neureuther.

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