Während europaweit Skateshops schließen, geht Arrow & Beast neue Wege: Mit Kaffeeecke, Kunst-Events und nachhaltiger Streetwear will Inhaber Oliver Merkelbach sein Geschäft retten.
Beim Drop der neuesten Kollektion des Skateshops Arrow & Beast ist der Laden voll. Wer an diesem Samstagnachmittag im April die Tübinger Straße entlang läuft sieht vor der Tür Skater sitzen, die rauchen, sich unterhalten. Ginge es nach Oliver Merkelbach, dem Besitzer des Stuttgarter Shops, dürfte das immer so sein. Doch wie viele Läden kämpft auch er aktuell mit stark rückläufigem Absatz. Um gegenzutreten, geht man im Arrow & Beast künftig neue Wege. Denn aufgeben kommt nicht infrage.
Skateshops waren immer so etwas wie die Wohnzimmer von Skatern. Man kam nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Abhängen. „Das ist auch heute noch so. Aber der Zeitgeist ist das Online-Shopping“, sagt Oliver Merkelbach. Diese Entwicklung trifft vor allem inhabergeführte Läden. Sie können mit günstigeren Preisen der Onlinehändler nicht mithalten. Schon lange würden die Leute mit weniger Taschen aus den Läden gehen, weiß Merkelbach, der den Laden mit Jascha Müller 2010 eröffnet hat.
Überraschung im Skatevideo
Das Wohnzimmergefühl spürt man an diesem Samstag. Es wird nicht nur die neue Klamottenkollektion präsentiert. Eine kleine Überraschung gibt es am frühen Abend auch. Auf der Leinwand läuft plötzlich ein unangekündigtes Skatevideo. „Willkommen im Team Shams“, heißt es nach ein paar Minuten. Und Shams kann es kaum fassen.
Der junge Skater gehört nun zum Arrow & Beast Skate-Team. Denn auch das ist typisch für Core-Skateshops: Sie unterstützen lokale Skater, ebenso wie Events und die ganze Kultur. Für die Skate Week (SKTWK) im vergangenen September hängte sich Merkelbach eineinhalb Jahre rein, damit an der Liederhalle wieder geskatet werden darf. Das Festival war ein Riesenerfolg. „Der Platz ist seitdem wieder viel belebter“, sagt er.
Merkelbach, schon immer selbst Skater, liebt den Sport, die Community und seinen Laden. „Mir gings nie nur ums Geld. Ich war zehn Jahre lang Versicherungskaufmann und das hat mich nicht glücklich gemacht“, sagt der dreifache Vater. Sein Geld mit dem Skaten zu verdienen sei „ein Privileg“.
„2021 war ein absolutes Peek-Jahr in Sachen Absatz“
Im Skategeschäft habe es schon immer Schwankungen gegeben. Die Pandemie sticht für ihn heraus. Sie war Fluch und Segen zugleich. Wie die gesamte Outdoor-Sportbranche hat auch das Skateboarding einen extremen Boom erlebt. Die Leute rannten den Shops die Türen ein. „2021 war ein absolutes Peek-Jahr in Sachen Absatz“, sagt Merkelbach, der neben dem Laden auch Skate-Brands über die Beast Distribution vertreibt. Die Lager waren leer, der Warennachschub ließ lange auf sich warten.
„Die Blase platzte zwischen Mitte und Ende 2022, als die ganze Ware, die monatelang in den Häfen festsaß, ausgeliefert wurde. Und Marken stellten ihre Sachen den Shops nicht mehr exklusiv zur Verfügung“, sagt Merkelbach. Ob Nike oder kleinere Brands: alle verkauften plötzlich alles über ihre eigenen Onlineshops.
Auf der Welle des Erfolgs hatte Oliver Merkelbach 2021 auch einen Ableger in Paris eröffnet. Derzeit löst er ihn auf. Er war letztlich nicht mehr tragbar und Merkelbach wollte das Stuttgarter Geschäft nicht gefährden.
Mehr als die klassische Skate-Bubble
Doch der Blick geht nach vorn. Vor kurzem wurde der Shop umgebaut. Es gibt eine Kaffeeecke für Kunden und mit Joelle Rathgeb eine neue Shop-Managerin. Frauen sieht man in dieser Position auch international bisher kaum. Doch mit ihrer Unterstützung will man sich einer breiteren Kundschaft öffnen. „Wir möchten auch Leute über die klassische Skate-Bubble hinaus ansprechen, die Streetwear suchen.
Wir haben viele weniger bekannte Marken wie Hélas, Metalwood oder Unless, die aktuell ihre nachhaltige Kollektion bei uns präsentieren“, sagt sie. Die Produkte von Unless seien so konzipiert, dass sie vollständig biologisch abbaubar sind und wieder in natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden können.
Einige Events in Planung
„Die Fläche wird künftig vielseitig genutzt“, sagt die Shop-Managerin. „Am 23. April veranstalten wir ein Event mit Hofbräu Käpsele, am 8. Mai folgt eine Vernissage von Bella Kress.“ Bella Kress fährt selbst Skateboard und setzt sich in ihrer Malerei, Fotografie und Plastik mit gesellschaftskritischen Themen auseinander.
Auch wenn europaweit viele Skateshops zugemacht haben, glaubt Merkelbach nicht, dass Skaterboarding ausstirbt. Sein zwölfjähriger Sohn skatet auch seit Jahren. „Wir haben aktuell die erste Generation von Eltern, die mit ihren Kids in den Park zum Skaten gehen“, sagt er. Das gibt auf jeden Fall Hoffnung.