Der Europäische Kultursommer – mit den Gastländern Dänemark, Norwegen und Schweden – hat begonnen. Über 50 Veranstaltungen stehen auf dem Programm.
Fellbach Mittsommersonne, mysteriöse Morde, Möbel, Monarchien verbinden viele mit Skandinavien. Den rund 300 Gästen der vierstündigen Eröffnungsfeier des 8. Europäischen Kultursommers in Fellbach fällt noch viel mehr zu Dänemark, Norwegen und Schweden ein. Seit Samstag kennen sie Joik, den traditionellen Gesangsstil der Samen, und wissen, dass echte Freundschaft in Dänemark jeden noch so verrückten Tanzstil überdauert. Die Fellbacher können in den nächsten drei Monaten noch viel mehr erfahren über Hygge, die dänische Gemütlichkeit, Kos, das für die Wärme und Geborgenheit Norwegens steht, und Lagom, die schwedische Lebensweise vom richtigen Maß aller Dinge. Der Sommer in der Stadt gehört den drei Königreichen im hohen Norden.
Bis zum 25. Juli zieht mit über 50 Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen und Mitmachaktionen das skandinavische Lebensgefühl in Fellbach ein. Die Eröffnung im Uhlandsaal der Schwabenlandhalle war vielversprechend – fröhlich, musikalisch, bunt und locker. „Hej, hei, hejsan“, hieß Oberbürgermeisterin Gabriele Zull alle herzlich willkommen und freute sich, als ihr von Muttersprachlern im Publikum signalisiert wurde, ihre Aussprache sei korrekt gewesen. Mit dem Europäischen Kultursommer hole sich Fellbach den Reichtum der europäischen Kultur in die Stadt. „Und gerade in Zeiten geopolitischer Konflikte und populistischer Konfrontationen, ist er ein echter Lichtblick und ein Hoffnungszeichen für uns alle.“ Wenn die Weltpolitik wirklich verrückt spiele, gelte es die Demokratie von unten aufzubauen, sagte Zull. „Bringen wir unseren Kindern und Enkeln bei, dass internationaler Austausch bereichernd und schön sein kann.“
Nachhaltiger als politische Debatten: Begegnungen mit Menschen
Mit den Dänen sei das ganz einfach, erklärte Gerhard Ziegler, der Honorarkonsul des Königreichs Dänemark. „Sie sind ein angenehmes Volk.“ Begegnungen mit Menschen über Grenzen hinweg seien oft unmittelbarer und nachhaltiger als politische Debatten, und der Kultursommer sei nicht nur ein Fest, sondern für Offenheit, Dialog und Kreativität als Grundlagen des Zusammenlebens. Ähnliches ließ auch der verhinderte Honorarkonsul des Königlich Norwegischen Konsulats Thomas Edig ausrichten, dessen Grußwort Ziegler vortrug.
Die Brücken, die der Europäische Kultursommer zwischen Generationen und Länder baut, schadeten auch den Beziehungen der Gastländer nicht, erklärte Claudius Werwigk, Honorarkonsul des Königreichs Schweden, launig. „Das Verhältnis zwischen den skandinavischen Ländern ist in etwa so gut wie das zwischen Schwaben und Menschen, die aus Baden kommen.“ Und weil es zwischen den Ländern gewisse Rivalitäten gebe, lege er allen besonders die Veranstaltungen aus Schweden ans Herz, ergänzte er augenzwinkernd.
Ein Abend voller skandinavischer Musiktraditionen
Zunächst aber gehörte die Bühne den Dänen. Die vierköpfige Band Phønix präsentierte dänische Folkmusiktradition modern interpretiert und animierte das Publikum zum Mitklatschen und zum Mitsingen auf Dänisch. Nur drei Menschen im Saal kannten Joik vor dem Auftritt von Kari Heimen. Dank der Sängerin aus Sápmi, dem Land der Küstensamen im hohen Norden Norwegens, geht die alte und kraftvolle europäische Gesangstradition niemandem mehr aus dem Kopf. Der Abend klang aus, wie er begonnen hatte, intensiv und zugleich unbeschwert mit modernem schwedischen Folk-Pop vom Duo Fjarill.