In guten wie in schlechten Zeiten: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo (links) und Sportdirektor Sven Mislintat halten zusammen. Foto: Baumann/Julia Rahn

Nach den Niederlagen in Augsburg und gegen Bielefeld steckt der VfB Stuttgart mitten im Abstiegskampf – unter Fans beginnt das Murren. Unser Sportredakteur meint: Grundsätzliche Zweifel am Kurs des Vereins sind nicht angebracht.

Stuttgart - Ihre Popularität hat die Fußball-Bundesliga auch dem Umstand zu verdanken, dass sie jedes Wochenende neue Fragen aufwirft, auf die es unterschiedlichste Antwortmöglichkeiten gibt. Wenn beispielsweise eine Mannschaft öfter verliert als gewinnt, lautet eine besonders beliebte Erklärung: Der Trainer ist schuld. Wo wüsste man das besser als beim VfB Stuttgart, der in den vergangenen zehn Jahren 16 Trainer beschäftigt hat – 15 mehr als der SC Freiburg.

 

Zumindest vereinzelt gibt es sie auch jetzt, die Stimmen, die Pellegrino Matarazzo in Frage stellen. Die Argumentationslinie: Wenn gegen Arminia Bielefeld im eigenen Stadion völlig verdient verloren wird, dann kann es so nicht weitergehen. Dass die Niederlage gegen den Abstiegskandidaten, die zweite nach der Pleite in Augsburg, zu einigen Sorgen Anlass gibt, ist unbestritten – in die Irre aber führt die Schlussfolgerung, dass Grundsätzliches im Argen liegen muss.

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Nachdem der VfB infolge ständig wechselnder Verantwortungsträger und Philosophien 2019 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren in der zweiten Liga gelandet war, wurde mit dem Amtsantritt von Sportdirektor Sven Mislintat ein neuer Weg beschritten. Er basiert auf der konsequenten Förderung von Talenten, hat dem VfB neues Ansehen und neue Perspektiven verschafft – und aus dem Bundesliga-Neuling Matarazzo einen anerkannten Spezialisten für die Weiterentwicklung junger Spieler gemacht.

Geduld, Vertrauen und Durchhaltevermögen sind nötig

Jetzt zeigt sich, was niemanden überraschen kann: Zu diesem Weg gehört auch, dass er nicht immer nur steil bergauf führen kann und Rückschläge unvermeidbar sind – vor allem, wenn Verletzungen derart viel Substanz kosten. Geduld, Vertrauen und Durchhaltevermögen sind nötig, denn die Alternative hieße: wieder einmal alle Überzeugungen über Bord zu werfen und in alte Muster zu verfallen. Wer könnte das wollen?