Das Delphi hat ein treues Publikum – und kämpft trotzdem mit Besucherschwund. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Billigere Tickets, persönliche Ansprache und Eventcharakter, etwa mit einem „Super Bowl“-Abend: Die Kinos im Kessel verfolgen diverse Ansätze, um die Besucher zurückzuholen.

Stuttgart - Die knapp 1700 Kinos in Deutschland haben mit einem merklichen Besucherschwund zu kämpfen. Dabei bleiben auch die Stuttgarter Häuser von der Talfahrt der Branche nicht verschont. Die lokale Kinolandschaft sucht weiterhin nach dem Impuls, der eine Trendwende bedeuten könnte.

Betreiber müssen immer mehr investieren

Peter Erasmus ist Geschäftsführer der Arthaus Filmtheater Stuttgart GmbH, die die beiden Spielstätten Delphi Arthaus Kino und Atelier am Bollwerk betreibt. In über 40 Jahren als Teil der Stuttgarter Kinobranche erlebte Erasmus mit seinen traditionsreichen Programmkinos bereits einige Höhen und Tiefen. Im vergangenen Kinojahr hätten seine Häuser acht Prozent weniger Besucher verzeichnet, so der Geschäftsführer. Seit drei Monaten laufe das Geschäft aber wieder besser. „Glücklicherweise haben wir ein treues Publikum, dass gerade die intime Atmosphäre unserer Kinos sehr schätzt.“ Allerdings werde er die Krise nicht allein mithilfe seiner langjährigen Kundschaft überdauern; hinzu kämen Probleme, die die ganze Branche zeichnen würden.

Mit „steigenden Investitionen, um die gewohnte Qualität zu garantieren“, fasst Erasmus die Kosten für Technik in den Bereichen Projektion, Bild und Ton sowie die Instandhaltung der Häuser an sich zusammen. Auf die Frage, wie er den Weg aus der Krise finden will, antwortet Erasmus: „Weiterhin gutes Programm machen.“ Zudem setzt sein Betrieb auf Personalisierung. „Persönliche Ansprache der Kunden unter Berücksichtigung der jeweiligen Filmvorlieben durch langjährige Mitarbeiter sind unser Mittel der Kundenbindung.“

Großkinos wollen mit Billigpreisen locken

Eine andere Strategie muss die große Kinokette Cinemaxx, mit den Stuttgarter Niederlassungen am SI-Centrum und an der Liederhalle, verfolgen. Hier setzt man lieber finanzielle Anreize. „Wir haben unsere Eintrittspreise für 2-D-Filme auf 5,99 Euro gesenkt. Zuvor lagen die Preise je nach Wochentag zwischen 7,50 und 9,50 Euro“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Die Multiplex-Kette testet damit, ob billigere Kinokarten mehr Besucher in die Säle locken. Das Stuttgarter Kino-Urgestein Erasmus sieht darin den falschen Weg. „Ich halte das für einen Riesenfehler“, sagt er: „Kino zu verramschen bringt gar nichts.“ Neben den Ticketerlösen verdienen größere Ketten vor allem am Verkauf von Getränken, Popcorn und Co. – für kleine Kinos ist eine Preissenkung aber keine Option.

Ansätze sind da, aber die Zeit rennt davon

„Die Alarmglocken schrillen“, sagt Margarete Söhner, Leiterin der Marketingabteilung der Stuttgarter Innenstadtkinos im Marquardt-Bau am Schlossplatz. Der Familienbetrieb in der dritten Generation setzt auf das Mittel, Kinobesuchen mehr Eventcharakter zu verleihen: Besondere kulinarische Angebote, Kooperationen mit externen Partnern bei ausgewählten Filmen wie „Star Wars“ oder „Fifty Shades of Grey“ und Gewinnspiele sollen die Spielstätte zu einem erlebbareren Ort machen.

Außerdem möchten die Innenstadtkinos mit Liveübertragungen ein Publikum anzusprechen, das ansonsten eher selten ins Kino geht. „Opern aus der New Yorker Met, der Super Bowl oder die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan waren schon Teil des Programms“, sagt Söhner. Bei diesen Veranstaltungen säßen jedoch keine typischen Kinofans in den Sesseln. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Um Kinos wieder attraktiver zu machen, müssten die Verantwortlichen jedenfalls dringend etwas wagen, meint Söhner: „Viel Zeit bleibt nicht mehr.“

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